Bamberg
Kabarett

Jedem Menschen sein Vorurteil

Unverhohlen derb, unerhörttumb undunglaublichengstirnig:Rolf Millers Stammtisch-Weisheiten kommen seinem Publikum nur allzu bekannt vor. Mit seinem Programm "Tatsachen" gastierte der Kabarettist in der Bamberger Konzerthalle.
Rolf Miller in der Bamberger Konzerthalle am 17.2.2012. Fotos: Michael Gründel
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Der 44-jährige "nordbadische Westfranke", so seine Selbstbezeichnung, ist der Minimalist unter den deutschen Kabarettisten. Rolf Millers Komik-Stil ist unverwechselbar, lebt er doch vor allem von seinen Andeutungen, dem, was unausgesprochen bleibt; markant auch sein Odenwälder Dialekt. Mundfaul, leicht stotternd und nuschelnd hangelt sich Miller von Halbsatz zu Halbsatz, überlässt es am Freitagabend den rund 650 Zuhörern im Hegelsaal der Bamberger Konzerthalle, seine Gedankensprünge nachzuvollziehen.

Millers aktuelles Bühnenprogramm "Tatsachen"feierte bereits im Oktober 2009 Premiere. Das Grundgerüst des zweistündigen Programms steht also, und auch wenn Miller auf die ein oder andere aktuelle Entwicklung eingeht - man denke an den nur wenige Stunden alten Rücktritt des Bundespräsidenten Wulff - sind zahlreiche von Millers Pointen doch bekannt. Kostprobe gefällig: "Nicht jeder Araber ist ein Terrorist. Aber jeder Terrorist ist ein Araber." Ja, Vorurteile sind schon etwas Schönes, will man Miller Glauben schenken.

Sport, Kernkraft, Frauen, Klimawandel:Millers namenloser Kunstfigur ist kein Thema zu unbedeutend, kein Witz zu platt ("Wenn Holland geflutet wird, sind wir wenigstens gleich im Halbfinale."). Indirekt und hintergründig, mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, plaudert Miller in Stammtisch-Manier über seine beiden grobschlächtigen Freunde Achim und Jürgen. Die Arme vor der Brust verschränkt, permanent selbstgefällig auf einem Stuhl lümmelnd, mit stierem Blick lässt er bisweilen ein Lachen ("Ahijak") hören, das Goofy alle Ehre macht. Klar, dass Miller auch vor sinnentleerten Binsenweisheiten nicht zurückschreckt: "Was is'n heut', wenn a mal was is'."Political correctness sucht man da natürlich vergebens ("Die Amis müssen aufpassen, dass sie nicht in die USA einmarschieren."). Als Populist bedient Miller mit seiner subjektiven Weltsicht alle nur denkbaren Klischees. Getreu seines Mottos "Nichts gegen Vorurteile!"

Seine amputierte Aussprache, das plötzlich hervorbrechende Auflachen, die abrupt abgehackten Phrasen hat Miller mittlerweile perfektioniert. Sein Publikum folgt ihm durch jeden noch so verquasten Satz ("Eine Frau, wo schweigt, nicht unterbrechen.") und hat auch in Bamberg sichtlich Spaß dabei.

Rolf Miller

Herkunft Miller wurde 1967 in Walldürn geboren. Er studierte Verwaltungswissenschaften, bevor er im Jahr 1994 in der deutschen Kabarettszene von sich reden machte, als er das Passauer Scharfrichterbeil, eine begehrte Auszeichnung in Comedy-Kreisen, gewann.

Auszeichnungen Ebenfalls 1994 erhielt Miller den Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg. Zehn Jahre später folgte der Bayerische Kabarettpreis in der Kategorie "Senkrechtstarter". Im Jahr 2006 gewannt Miller den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte "Kabarett", im letzten Jahr dann den DeutschenKabarettpreis des Nürnberger Burgtheaters.

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