Donnerstagabend, kurz vor 21 Uhr. Gefühlsmäßig scheint fast ganz Bamberg vor dem Fernseher das Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien zu verfolgen. Die Straßen sind wie leergefegt, aus den zahlreichen geöffneten Fenstern der Wohnungen und aus so manchem Garten dringt Stadionatmosphäre. In den Kneipen der Innenstadt scharen sich die Besucher um die aufgestellten Fernseher.

Dabei dominiert eindeutig die schwarz-weiße Anhängerfraktion. Wer während des Spieles in der Stadt nach italienischen Fans Ausschau hält, wird kaum fündig. Lediglich einige italienische Gastronomen zeigen Farbe und bewirten ihre Gäste in den blauen Farben ihrer Nationalmannschaft.

Dafür ist die Anzahl der deutschen Fans beim Public Viewing auf dem Maxplatz umso größer. Selbst noch zum Anpfiff begehrt eine lange Schlange um Einlass. Auf dem Platz rund um das Rathaus versammeln sich nach Angaben des Veranstalters Radio Bamberg rund 7000 Besucher. Dicht gedrängt fiebern und leiden sie mit ihrer Mannschaft mit. Einer von ihnen ist Georg Knoblach. Er hat bisher keines der deutschen Spiele auf der Großleinwand am Maxplatz versäumt. Allerdings nicht unten in der großen Menschenmasse, sondern von seinem "Logenplatz" im Krackhardt-Haus oberhalb der neuen FT-Geschäftsstelle. Vom zweiten Stock aus erlebt er dort das Desaster der deutschen Elf. Bereits beim ersten Gegentor ist er sprachlos, und als kurz darauf der zweite Treffer für die Italiener fällt, schwindet auch die Hoffnung. Und ihm, wie auch den vielen Fans unten, vergeht schlagartig die Feierlaune. Einige verlassen bereits zur Halbzeit den Maxplatz.

"Dabei hatte ich fest geglaubt, dass wir heute den Fluch brechen und die italienische Mannschaft besiegen werden", resümiert Knoblach am Ende einer aus deutscher Sicht traurigen Fußballnacht. Dennoch habe er es regelrecht genossen, von seinem "Logenplatz" aus die Spiele zu verfolgen. Etwas niedergeschlagen gesteht er, dass er sicherlich das Endspiel anschauen werde, dann jedoch ohne die großartige Kulisse.

Keine hundert Meter weiter lässt eine kleine Gruppe von italienischen Fans ihrer Freude freien Lauf. Während die deutschen Anhänger durch den Regen schweigend nach Hause ziehen, liegen sich die Italiener in den Armen und feiern ihren Sieg. "Ich hatte im Vorfeld ein wenig Sorgen, da die Deutschen eigentlich immer unberechenbar sind", sagt Nino Vittoria, Inhaber der Eisdiele Venezia. Umso mehr habe er sich über die beiden frühen Tore seiner Mannschaft gefreut. "Ich habe zwar gearbeitet und konnte das Spiel nicht komplett verfolgen, aber bei den beiden Toren habe ich natürlich vor Freude geschrien." Die meisten seiner deutschen Gäste hätten sich jedoch als faire Verlierer gezeigt und ihm zum Sieg beglückwünscht. Jetzt träumt Nino Vittoria vom Titelgewinn. "Dann wird es wie 2006 vor dem Gabelmann sicherlich wieder ein großes Fest geben", verspricht er.