Wie? Bürgermeister mit 22 Jahren? Geht das? In der Gemeinde Lisberg geht das. Am Sonntag wurde in der Steiger waldgemeinde im Landkreis Bamberg in der Stichwahl Michael Bergrab von den Lisbergern mit dem stolzen Ergebnis von 69,33 Prozent zum neuen Gemeindeoberhaupt gewählt.

Eine in vielerlei Hinsicht sensationelle Geschichte. Weil Berg rab erst gut zwei Jahre in Lisberg wohnt. Und das meist nur an Wochenenden oder während der Semesterferien. Weil er noch studiert und an der Uni in Erfurt gerade dabei ist im Fach Staatswissenschaften seine Bachelorarbeit zu erstellen.

Um diese Wahl zu verstehen, muss man Bergrabs Geschichte von Anfang an erzählen. Und die beginnt im oberfränkischen Lisberg. Hier war sein Großvater schon einmal Gemeindeoberhaupt. Und zwar acht Jahre lang von 1970 bis 1978. Bergrabs sind eine alteingesessene Lisberger Schreinerfamilie. Zu einer Art Zäsur kam es erst, als Michaels Vater aus beruflichen Gründen ins oberbayerische Miesbach verzog. Dort kam Michael 1992 zur Welt, ging zur Schule, machte sein Abitur.

Längst angekommen

Zwischendurch sei man allerdings immer wieder nach Lisberg gekommen, der Kontakt sei nie vollständig abgebrochen, erzählt das neue Gemeindeoberhaupt. Zusammen mit seinem Vater begann er vor zwei Jahren auch damit, das Haus des Großvaters herzurichten und um einen Anbau zu erweitern. Deutliche Signale, dass der junge Mann nach dem Studium an den Ort zurückkehren will, wo die Familie ihre Wurzeln hat.

Man muss mit Michael Bergrab in Lisberg nur auf die Straße gehen, um zu erkennen, dass der frühere Miesbacher längst in Lisberg angekommen ist. Zwei ältere Damen steigen aus ihrem Auto aus, kommen freudestrahlend auf den Bürgermeister zu, um zum tollen Erfolg zu gratulieren. Das wirkt alles sehr ehrlich, überhaupt nicht aufgesetzt.

Seine eher zurückhaltende, höfliche Art kommt gut an bei den Lisbergern. Trotzdem, wie konnte so ein junger Mann Bürgermeisterkandidat werden? Eine Frage, die Harald Schneider, zweiter Bürgermeister und der Macher bei der überparteilichen Liste, auf der Bergrab kandidierte, beantwortet. Angesichts des kommunalpolitischen Zwists in der Vergangenheit wollte man einen jungen und unverbrauchten Kandidaten präsentieren, heißt es.
Mit Bergrab gelang das. "Er ist ein echter Frischling in der Kommunalpolitik. Genau das, was wir suchten," so Schneider. Und Bergrabs Beweggründe? "Ich wollte mich neben meinem Studium ehrenamtlich für die Gemeinde einsetzen, und das hat ja jetzt ganz gut geklappt."

Aber: Über große kommunalpolitische Erfahrung verfügt er nicht. Auch Verwaltungsfragen sind für ihn Neuland.
"Alles kein Problem," meint Harald Schneider. Die fünf Gemeinderäte der überparteilichen Liste würden ihren Bürgermeister natürlich nach Kräften unterstützen. Und die Verwaltung im Trabelsdorfer Schloss verfüge über reichlich Erfahrung.

Ob und wie das alles funktionieren kann, wird sich ab 2. Mai zeigen, wenn der neue Bürgermeister offiziell die Arbeit aufnimmt. Gibt es schon konkrete Ziele? Das auf den Weg gebrachte Energiekonzept in der Gemeinde möchte er fortführen und etwas für die Infrastruktur tun. So gebe es in Lisberg keine richtige Anlaufstelle für die Jugendlichen. Das solle sich ändern. Alles weitere werde sich finden, ist Michael Bergrab überzeugt. Er sei mit seinem Fahrrad viel in der Gemeinde unterwegs, komme mit den Leuten ins Gespräch. So erfahre er am besten, wo die Lisberger der Schuh drückt.

Das Studium und das Bürgermeisteramt will er ab Winter semester dadurch besser unter einen Hut bringen, dass er an die Uni Bamberg wechselt. Eventuell soll auch noch die Promotion folgen. "Das wird man sehen", lächelt er, möchte sich wohl selbst nicht allzusehr unter Druck setzen. Zunächst einmal kann er auf den Titel des jüngsten Bürgermeisters Deutschlands spekulieren. Den hatte nämlich bislang ein 25-jähriger SPD-Politiker in Haßmersheim bei Heilbronn inne. Bergrab ist drei Jahre jünger. Eine offizielle Bestätigung war beim statistischen Landesamt am Montag jedoch noch nicht zu bekommen. Erst müssten alle Wahlunterlagen vorliegen, dann werde bestätigt. Das kann bis Mai dauern.