Unterhaid
Sanierung

In der Kellergasse wird bis Oktober gearbeitet

Der Bauausschuss des Oberhaider Gemeinderates traf sich zum Ortstermin in der historischen, denkmalgeschützten Kelleranlage in Unterhaid. Firmen und Kellerrechtler haben schon vieles geschafft. Der Abschluss des Projektes 2013 soll "spektakulär" werden.
Erwin Then arbeitet an seinem Keller in der historischen Unterhaider Kellergasse. Fotos: D. Hehn
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Wer heute hoch zum Kellerhaus im Herzen der Kellergasse möchte, der muss am alten Eicher Diesel-Bulldog von Erwin Then vorbei. Der Traktor, mit seinem Anbau, auf dem Werkzeug und Stromaggregat lagern, steht wuchtig in der Kellergasse. Sein Besitzer werkelt derweil an seinem Keller und an der neuen Mauer davor. "Und, basst's,, sind die Mauern schön?" fragt der Unterhaider die Herren vom Bauausschuss, die zum Ortstermin gekommen sind. Schön sei es geworden, meint Zweiter Bürgermeister Peter Deusel (UBV), der fragt, ob Then auch den Rundbogen des Kellereingangs selbst gemacht habe. "Freilich", antwortet der Rentner mit dem ganzen Stolz des Handwerkers. Then ist einer der Kellerrechtler, die bei der Renovierung der historischen, denkmalgeschützten Unterhaider Kelleranlage selbst Hand anlegen. So wie Wolfgang Laubender, der droben am Kellerhaus, gegenüber der gleichfalls fertig sanierten Kegelbahn werkelt und jetzt von den Herren Gemeinderat wissen möchte, welchen Farbton er dem Sandstein verpassen soll. Die Meinungen gehen auseinander. Einstimmig befürwortet das zu Entscheidungen befugte Gremium jedoch, dass Keller Nummer 29 tiefer gelegt werden soll, damit er innen höher wird.
Die Keller-Nutzungsrechte (daher der Name Rechtler) waren an bestimmte Häuser gebunden, rekapituliert Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) vor Ort. Der Nutzer von Keller Nummer 29, das ist der unterhalb der bereits erneuerten Kegelbahn, hatte kein Interesse an der weiteren Nutzung und trat sein Recht an die Gemeinde ab. Das bedeutet, dass die jetzt auch für die Renovierung zuständig ist.
Johann Müller vom Büro für angewandte Denkmalpflege, der die Sanierung der historischen (Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten) Kellergasse begleitet, könnte dem Gremium Keller Nummer 29 schon zeigen, doch viel zu sehen gibt es hier nicht, zudem zeugen Mörteleimer und Gerätschaften im Eingangsbereich von Aktivitäten. Mit seinen 189 Zentimetern kann Müller in Nummer 29 nicht stehen. Das rührt daher, dass irgendwann die Decke einstürzte und die Teile dann einfach auf dem Boden liegen blieben. Ungefähr In etwa 30 bis 40 Zentimeter ist Nummer 29 jetzt niedriger als ursprünglich. Müller empfiehlt, diese Schicht zu entfernen, um den Keller dadurch tiefer zu legen. Auf diese Weise wäre der etwa zwei Meter breite und sechs Meter lange Keller dann auch nutzbar - für den Besuch einer Schulklasse oder eine Bauausschuss-Sitzung. Wenn die hier zustande komme, versprach Gemeinderat Peter Ramer (UBV) ein 20-Liter-Fass Bier zu stiften - unter dem Applaus des Gremiums.
Die Kosten für die Tieferlegung am Keller mit der Nummer 29 belaufen sich laut Müller auf etwa 2740 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Die Maßnahme sei aber förderfähig, weil es sich um eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes handele. Somit blieben für die Gemeinde "nicht mal 600 Euro". Das Gremium signalisierte sein Einverständnis.
Als nächstes, so informierte Bürgermeister Joneitis, werde die Gemeinde wohl das Recht für Keller Nummer 11 übernehmen, das ist der erste auf der rechten Seite unterhalb des Kellerhauses.
Wie Johann Müller weiter informierte, ist man mit den für dieses Jahr geplanten Arbeiten etwa zur Hälfte durch, bis Oktober werde gearbeitet. 2013 soll alles fertig sein. Von den insgesamt rund 30 Kellern hätten bis jetzt zwei Drittel der Rechtler die Bereitschaft erklärt, ihre Keller zu sanieren. Wo möglich könne dies bekanntlich in Eigenleistung erfolgen.
Bei den Baumfällarbeiten, die aus Sicherheitsgründen notwendig sind, orientiere man sich an dem Baumschutzgutachten und gehe so behutsam und schonend vor wie möglich.
Müllers Kollege Dirk Raffegerst stellte dann eine Idee vor. Er habe mit der FH in Coburg (Abteilung Design) Kontakt aufgenommen, um eventuell zum Abschluss der Sanierung etwas ganz Besonderes bieten zu können: Eine Illumination der historischen Keller-Anlage samt ihrem schönen Baumbestand. Das gebe sicherlich etwas ganz Spektakuläres. Die FH sei von dem Vorschlag angetan, teilte Raffegerst mit. Weil das Ganze auch irgendwie finanziert werden muss, merkte Bürgermeister Joneitis an, man werde deswegen mit dem Verein Oberfranken Offensiv Kontakt aufnehmen, hierzu würden Gespräche stattfinden. "Das wird ein Schmuckstück" ist sich Peter Deusel in Sachen Kellergasse schon jetzt sicher. Mit dem Verweis, dass man bei dem 800 000 Euro-Sanierungsprojekt (die Förderung beträgt 82 Prozent) gut im Zeitplan liegt, beendete Johann Müller seinen Sachstandsbericht zur Unterhaider Kellergasse. Fragen betrafen dann die Ableitung des Regenwassers. Das erfolge wie früher über eine Rinne am Rand der Gasse. Die werde am Ende der Arbeiten erstellt, wenn auch das Tütschengreuther Pflaster freigelegt sei.
Auf dem Rückweg ging das Gremium wieder an Erwin Then vorbei, der die Mitglieder auf einen besonderen Stein an seinem Keller aufmerksam machte. Der stamme aus einer Steinhalde im Wald und sei ein Findling. Auf der einen Seite stehe ein U auf der anderen ein O. Er könne möglicherweise die Grenze zwischen Oberfranken und Unterfranken markiert haben... oder für O — berhaid und U — nterhaid stehen, spekulierten die Räte. Then hat den Findling jetzt jedenfalls so platziert, dass das O nach oben und das U nach unten zeigt und der Stein in etwa die Mitte der Kellergasse markiert. Then grinst kurz und werkelt dann weiter.
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