Das Nähen geht der gelernten Schneiderin Barbara Fösel flott von der Hand - gleich ob mit der Maschine oder Stich für Stich. "Der Turban des schwarzen Königs braucht etwas länger", räumt sie lachend ein. Wie viele Stunden sie nun insgesamt investiert, um alle Figuren einzukleiden, zählt Barbara Fösel nicht. "Es macht Freude", sagt sie schlicht zu ihrem ehrenamtlichen Einsatz, der schließlich der ganzen 450 Köpfe zählenden Einwohnerschaft von Burgellern zu Gute kommt: Direkt am Ellerbach auf einem Privatgrundstück wird die neue Dorfkrippe stehen mit Maria, Josef und dem Jesuskind, mit Engel, Hirte, Ochs, Esel und zwei Schafen. Die Heiligen Drei Könige müssen auf ihren Auftritt bis ins neue Jahr warten.

Der Ortskulturverein Burg ellern sorgt für diese weihnachtliche Attraktion. "Wir planen die Dorfkrippe schon seit 15 Jahren", erzählt Vereinsvorsitzender Gerhard Schuster. Heuer kann nun aus den Plänen Wirklichkeit werden. "Wir freuen uns auf den Blickfang im Dorfzentrum", von dem sich besonders auch Kinder mit ihren Eltern angesprochen fühlen sollen, um die Geburt Jesu zu verinnerlichen.

Krippenbaumeister Bernhard Vogt aus Burglesau lieferte schon im Frühjahr die Skizzen für das Krippenhaus im alpenländischen Stil. Ein Burgellerner Zimmermann, der nicht namentlich genannt werden möchte, stellte mit Hilfe von elf Mitstreitern aus dem Verein dieses massive Haus aus Lerchenholz her. "Es wiegt zwei Tonnen", weiß Gerhard Schuster und hat noch eine andere Zahl parat: Das Dach ist mit 960 Schindeln gedeckt - "Alle einzeln ausgesägt." Auch das Fahrgestell, mit dem das Krippenhaus mobil bleibt, wurde eigens konstruiert.

Nur nackig

Eine sechsköpfige Vereins-Delegation machte sich dann im Sommer auf den Weg nach Oberammergau, um nach geeigneten Krippenfiguren Ausschau zu halten. Beim Holzschnitzer Klucker wurde sie fündig: "Der macht die schönsten Gesichter, jedes ist individuell", so Schuster. Natürlich gab es die 80 Zentimeter großen Figuren "nur nackig".

Also machten sich die Vereinsmitglieder Barbara Fösel und Friederike Ochs erst einmal daran, geeignete Stoffe für die Kleider auszusuchen: Kaschmir, Flanell, Brokat, für den Engel ein fließendes Goldtuch wurden eingekauft.
Noch bevölkern Maria und Co. die heimische Werkstatt von Barbara Fösel. Josef und der Engel sind schon bekleidet. Auch die Gottesmutter erstrahlt bereits in einer rot-blauen Kreation. "Bei der Herbergssuche wird sie noch schwanger gemacht, ich stopfe ihr einen Babybauch aus", lächelt die Schneiderin verschmitzt. Denn immerhin fünf verschiedene Szenen sollen in der Dorfkrippe zu sehen sein: Mariä Verkündigung, Herbergssuche, Christi Geburt, Ankunft der Heiligen Drei Könige und die Heilige Familie im Tempel des Simeon.

Der Ortskulturverein lässt sich die ganze Geschichte einen fünfstelligen Betrag kosten: "Wir wollen etwas für Burg ellern investieren, an dem auch unsere Enkel und Urenkel etwas haben", begründet Vorsitzender Schuster die hohe Summe, die der Verein im Laufe der Jahre gespart und erwirtschaftet hat.
Den Ortskulturverein gibt seit 30 Jahren, 130 Mitglieder gehören derzeit dazu.


Nervenkitzel

Ganz ohne Nervenkitzel geht die Sache aber doch nicht ab: Wenige Tage vor der Einweihung ist das Jesuskind noch nicht geliefert. Immerhin muss Barbara Fösel für den Säugling nichts mehr nähen, denn "die Windel ist angeschnitzt".
Am Samstag, 7. Dezember, wird in der Dorfkirche um 17.15 Uhr ein Dank-Gottesdienst mit dem "Kirchenchor Weichenwasserlos" gefeiert. Anschließend weiht Domvikar Dieter Jung die neue Dorfkrippe. Bei Glühwein, Kinderpunsch, Stollen und Weihnachtsgebäck können die Dorfbewohner dann ihr Schmuckstück genauer in Augenschein nehmen. Es wird auch beim nostalgischen Weihnachtsmarkt am folgenden Sonntag (8. Dezember) sicher im Mittelpunkt stehen.