Die alten Gleise und Oberleitungen sind längst verschwunden, Behelfsbrücken gebaut, die ersten Fundamente für ein Überwerfungsbauwerk bei Unteroberndorf stehen. Vier Wochen nach Beginn der Bauarbeiten geht es gut voran auf der derzeit wohl bundesweit größten Baustelle der deutschen Bahn zwischen Hallstadt und Ebensfeld in Oberfranken.

"Wir sind guten Mutes, dass wir unseren Zeitplan einhalten können. Das Wetter spielt derzeit wunderbar mit", erklärt Bahn-Pressesprecher Frank Kniestedt auf Nachfrage. In der Tat: Zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf herrscht emsiges Treiben auf einer kilometerlangen Baustelle, die sich wie eine gigantische Schneise mitten durch die beiden Ortschaften zieht.


Schmutzige Straßen und Verspätungen

Ein Projekt dieser Größenordnung hinterlässt natürlich Spuren.
Das fängt zum Leidwesen der Anwohner mit verschmutzten Straßen an und hört mit der Lärmbelästigung längst nicht auf. "Uns erreichen täglich rund zehn Anfragen wegen unserer Baustelle", gibt Kniestedt gerne zu. "Wir tun natürlich unser möglichstes, setzen zum Beispiel Kehrmaschinen zur Reinigung der Straßen ein. Aber bei der Menge an Erdtransporten schaffen das auch die Maschinen nicht." Die ICE-Baustelle sorgt darüber hinaus seit Inbetriebnahme immer wieder für Verkehrsbehinderungen im Berufsverkehr. Früh und abends staut sich's immer wieder. Der Schienenersatzverkehr fährt mit Verspätung, die wegen der Bauarbeiten teilgesperrte A 73 sorgt für ein zusätzliches Nadelöhr.

Der Baubrennpunkt Franken mutet den Betroffenen einiges zu. Umso wichtiger ist es, dass zumindest die Züge ab 4. September wie gewohnt verkehren können - eine Entlastung zumindest für Tausende von Pendlern und Schülern.

Gehen die Arbeiten weiter zügig voran, kann der vorgesehene Zeitplan eingehalten werden. Auch wenn Kniestedt darauf verweist, dass die schwierige topografische Lage und einige geologische Hürden die Arbeiten immer wieder verzögern könnten. Da, wo es am schwierigsten ist, an der Engstelle bei Unteroberndorf, kommt man derzeit zügig voran. Riesige Bohrgeräte, die größten derzeit in Deutschland im Einsatz befindlichen, treiben die die bis zu 20 Meter tiefen Fundamente ins Erdreich. Sie dienen dem an dieser Stelle vorgesehenen Überwerfungsbauwerk. Ein Gleis der Ausbaustrecke wird hier über die Bestandsstrecke geführt. All das findet unmittelbar neben der Autobahn statt. Jenseits der A 73 wird derzeit der schmale Damm zum Main als Trassenaufbau für die zusätzlichen Gleiskörper durch das Einfräsen von Zement verstärkt.

Sowie die Meteorologen in Sachen Hochwasser Entwarnung für das Frühjahr geben können, geht es auf der Mainseite so richtig los. Der Fluss wird an dieser Stelle rund 100 Meter weiter Richtung Westen verlegt. 130 000 Kubikmeter Aushub müssen bewegt werden. Für den Abtransport dieser Mengen werden eigene Baustraßen und Behelfsbrücken eingerichtet.


Weitere Baustellen in Franken geplant

In Franken werden im Verlauf des Jahres noch einige andere Baustellen für Staus, Behinderungen und den damit verbundenen Ärger sorgen.

Nicht nur die A 73 bei Breitengüßbach bleibt halbseitig gesperrt, auch die A 70 zwischen Scheßlitz und Roßdorf am Berg. Hier wird die Würgauer Hangbrücke erneuert. Die Bahn baut auch zwischen Baiersdorf und Eltersdorf in Mittelfranken am Ausbau der ICE-Strecke. Absehbare Probleme dürfte es im Jahresverlauf auch auf zwei unterfränkischen Bundesstraßen geben. Dann nämlich, wenn die B 279 zwischen Ermershausen und Maroldsweisach und die B 303 zwischen Hofheim und Seßlach komplett gesperrt werden müssen.