An der Kreuzung vor dem Hallstadter Bürgerhaus an der Mainstraße bot sich am Dienstagmorgen ein ungewöhnliches Bild: Auf der gesperrten Straße standen viele Kinder und Erwachsene, die ihre Köpfe alle in eine Richtung reckten - zum alten Haus mit der Hausnummer 1. In diesem Eckhaus residiert inzwischen die Theatergruppe Hallstadt, und seit Dienstag hat sich die wenig ansehnliche Fassade des alten Gebäudes bunt verwandelt.

In einem gemeinschaftlichen Projekt aller Klassen der Jahrgangsstufen 3 bis 9 der Hans-Schüller-Schulen haben Schüler und Lehrkräfte in monatelanger Vorbereitung Entwürfe entwickelt und selbst umgesetzt, die sich an die farbenprächtige Kunst von Friedensreich Hundertwasser anlehnen.

Die Vorarbeiten wurden komplett in der Schule abgewickelt, so dass die vorgefertigten Fliesenornamente und die bunt gestalteten Holzplatten nur noch an der Fassade befestigt werden mussten. Das Ergebnis ist ein echtes Kunstwerk, entstanden durch Kinder und Jugendliche, die das Bild ihrer Stadt aktiv verschönern wollten. "Das war klasse, und jetzt sehen es alle an jedem Tag", freut sich der elf-jährige Christoph, auf den der Entwurf für das rechte Fenster an der Mainstraße zurückgeht.

"Heute zieht hier buntes Leben in unsere Stadtmitte", zeigt sich Bürgermeister Markus Zirkel (SPD) begeistert. "Dieses nicht alltägliche Schulprojekt unterstreicht einmal mehr, wie vielfältig die Städtebauförderung unsere Innenstädte mit neuem Leben erfüllen kann und ihnen als Mittelpunkt für die Menschen wieder eine angemessene Bedeutung gibt."

"Das Projekt war klasse"

Wie sehr dieses lebendige Miteinander bereits in der Vorbereitung begann, hörte man von allen beteiligten Schülern: "Wir haben die Fliesen zerschlagen und dann wieder schön zusammen geklebt - das hat viel Spaß gemacht. Das ganze Projekt war richtig klasse", bestätigen die Drittklässler Alina, Elliot, Niklas und Daniel.

Rektor Heinz Jung, der das Projekt als Mitglied der Lenkungsgruppe für Hallstadts Neue Mitte angeboten hatte, kann das nur bestätigen: "Wir wollten unseren Schülern vermitteln, dass sie in der Lage sind, ihr eigenes Lebensumfeld mitzugestalten und das mitten in der Stadt, und nicht wie sonst üblich bei Jugendprojekten irgendwo am Rand. Toll war, dass es keine Beschränkungen gab und wir bei der Gestaltung völlig freie Hand hatten."

Den Hallstadter gefällt ihr neues Theaterhaus offenbar - bislang gab es nur positive Rückmeldungen, und vielleicht weht von der farbenfrohen Fassade tatsächlich etwas von dem Geist über die Stadt, den Rektor Heinz Jung in seiner Rede formulierte: "Herr Hundertwasser hat sich den Namen ‚Friedensreich‘ gegeben: Möge dieses Haus viele Menschen mit seinen bunten Farben erfreuen und so daran erinnern, dass auch die Menschheit ein bunter Haufen voller farbiger Persönlichkeiten ist, die am besten friedlich miteinander umgehen sollten."