Wie fühlen Sie sich im Amt als Bürgermeister in Ihrer Heimatgemeinde? Und welche Veränderungen hat Ihr neues Amt mit sich gebracht?
Klaus Homann (CSU): Es war ein schwerer Wahlkampf. Aber ich hab es keine Sekunde bereut, dass ich es gemacht habe. Verändert hat sich in meinem Leben, sowohl privat als beruflich, nicht allzu sehr. Denn ich hatte auch schon, als ich noch bei meiner vorherigen Firma angestellt war, zwischen 220 und 230 Stunden pro Monat gearbeitet. Und hatte auch damals schon nebenher Politik gemacht. Ich war zwölf Jahre im Marktgemeinderat und sechs Jahre Fraktionsvorsitzender der CSU. Zudem war ich schon immer am Wochenende sehr oft im Einsatz. Von daher hat sich nicht viel verändert.
Allerdings habe ich schon einige Zeit gebraucht, bis ich mich als Bürgermeister gefühlt habe.

Welches Erbe wurde Ihnen von Ihrem Vorgänger Andreas Schlund hinterlassen?
Ich habe eine Gemeinde übernommen, der es eigentlich gut geht. Wir haben nahezu alles, was wir uns wünschen können. Wir haben eine gute Nahversorgung, gute Einkaufsmöglichkeiten sowie eine gute Ärzteversorgung. Allerdings müssen wir sehr drauf achten, die Kostenbelastung für den gemeindlichen Haushalt in den Griff zu bekommen. Wir haben verantwortungsvoll mit den Steuergeldern umzugehen.

Was werden oder wollen Sie anders machen als ihr Vorgänger?
Ich habe mich zunächst der Verwaltung gewidmet. Hierzu ist mir nämlich einiges prophezeit worden, was letztendlich aber gar nicht eingetreten ist. Ich habe erstklassige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen. Ein weiteres großes Ziel von mir ist es, große Transparenz an den Tag zu legen. Der Marktgemeinderat soll über alles informiert werden. Er wird über alle Entscheidungen, die ich getroffen habe, informiert. Selbst dann, wenn ich die Entscheidungen auch eigenständig treffen könnte ...

Die ersten 100 Amtstage haben Sie inzwischen hinter sich. Was konnten Sie schon umsetzen?
Zunächst einmal habe ich viele Gespräche geführt. Ich habe in Hirschaid alle großen Firmen aufgesucht, mit staatlichen und kommunalen Einrichtungen gesprochen sowie mit den Kirchen. Insgesamt waren es bisher über 200 Gespräche. Ich habe eine Jugendsprechstunde und fünf Marktgemeinderatssitzungen abgehalten sowie vier Haupt- und Finanzausschusssitzungen und vier Bau- und Umweltausschusssitzungen geleitet. Zudem habe ich sechs Eheschließungen, eine Beerdigung sowie 20 Gratulationen vorgenommen. Des Weiteren habe ich mich in die ICE-Thematik eingearbeitet. Und wir werden in Kürze den Kreisverkehr in Köttmannsdorf realisieren. Ferner wurden bereits erste Sondierungen mit der Landkreisverwaltung wegen Straßenbaumaßnahmen geführt.

Und wo drückt in der Gemeinde Hirschaid der Schuh? Wo sehen Sie noch dringenden Handlungsbedarf?
Ein wichtiges Thema ist die Innenverdichtung. Wir haben viele Anfragen von Menschen, die in unsere Gemeinde zuziehen und hier bauen wollen. Ich möchte aber nicht gleich am Anfang neue Baugebiete ausweisen. Wir wollen zunächst Gebiete westlich innerhalb der Gemeinde ausweisen. Hierzu wurden schon sehr gute Gespräche geführt. Weiterhin wollen wir den Breitband vorantreiben. Wir haben dafür schon einen 80-prozentigen Zuschuss gewilligt bekommen. In Zusammenarbeit mit Buttenheim versuchen wir noch pro Gemeinde 50 000 Euro zu bekommen. Nächstes Jahr wird dann das schnelle DSL fertiggestellt sein. Eines unserer ganz großen Probleme haben wir in Sachen Verkehr. Wir leiten über die Maximiliansstraße rund 25000 Fahrzeuge in und durch den Ort. Die Parkplatzsituation ist katastrophal. Daran müssen wir dringend arbeiten. Und ein Kindergarten und die Schule müssen saniert werden.

Sie sprachen davon, dass Sie die Kosten in den Griff bekommen müssen. Wie wollen sie das anstellen?
Wir müssen Geld einnehmen und sparen. Und einnehmen kann ich nur durch Wirtschaftsansiedelungen. Dieses Thema habe ich zum Chefthema gemacht. Soll heißen: Jede Anfrage für einen Bauplatz läuft über meinen Schreibtisch. Allerdings wäre es utopisch zu glauben, dass es mir gelingt, eine Firma mit 500 Arbeitsplätzen anzusiedeln. Denn dazu brauchen wir ja auch die Fläche. Wir haben in Hirschaid rund 3,5 Hektar Fläche im gemeindlichen Besitz und könnten auf etwa 50 Hektar ausweiten. Viele der Flächen sind jedoch noch im privaten Besitz, das heißt wir müssen noch viele Gespräche und Überzeugungsarbeit leisten. Uns sind natürlich auch Firmen mit zwei Arbeitsplätzen genauso wichtig wie Firmen mit 100 oder mehr.

Und wie sieht es mit Bauplätzen für junge Familien aus?
Wir haben in der Gemeinde kürzlich den Juliushof ausgewiesen. Und wenn wir künftig eigene Grundstücke haben, werden wir sie immer als Familienmodell ausweisen. Leider haben wir derzeit bei weitem nicht so viele Bauplätze, wie es Nachfragen von jungen Familien gibt.

Wie sehen Sie die Gemeinde in zehn Jahren?
Wir wollen nicht im Verkehr stecken bleiben. Wir wollen attraktive Arbeits- und Ausbildungsplätze für Jung und Alt bieten. Unser Ärztestandort muss gehalten werden. Ich denke, hier sind wir auf einem guten Weg. Es wird wahrscheinlich ein Ärztehaus kommen. Mehr kann ich dazu jetzt noch nicht sagen, aber ich bin an der Sache dran. Denn für die ältere Generation ist es ganz wichtig, dass sie nicht nach Bamberg gehen muss. Genauso wollen wir den Schulstandort und unseren Hallenbadstandort sichern. Die Nahversorgung passt, da müssen wir uns weniger Gedanken machen. Nur an der Wirtschaftsansiedlung müssen wir noch arbeiten.

Das Gespräch führte
Harald Rieger