Das bislang trockene Zukunftsthema Gründung von Regionalwerken Bamberg wird ab sofort aus Hirschaid befeuert: Der Marktgemeinderat beantragt, dass der Firmensitz der künftigen Holding in Hirschaid zu errichten ist. Sollte nämlich, so begründete Dritter Bürgermeister Erwin Krämer seinen überraschenden Vorstoß nach einem ausführlichen Sachvortrag von Erstem Bürgermeister Andreas Schlund (CSU), die Holding ihren Sitz etwa im Landratsamt haben, dann würde der Stadt Bamberg die Gewerbesteuerzahlung der GmbH zugutekommen.

Und da es sich bei der neuen Firma um ein Unternehmen handelt, das wohl schon nach wenigen Jahren einen Umsatz im achtstelligen Bereich ausweisen wird, kam der Kommunalpolitiker von der Wählergemeinschaft Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand auf die Idee: Die Gewerbesteuer aus diesem Unternehmen sollte am besten der größten Gemeinde im Landkreis Bamberg zufließen, der ja auch etwa doppelt so viele Einwohner habe wie das Oberzentrum Bamberg. Der Marktgemeinderat nahm diesen Vorschlag Krämers in seinen Beschluss zum Thema Regionalwerke auf. Was daraus wird, werden die weiteren Beratungen auf der Ebene des Landkreises, der Stadt Bamberg und später in den Gremien der Trägergesellschaft ergeben.

Mit seinen Argumenten für die Einbindung Hirschaids als Gesellschafter der Regionalwerke Bamberg fand Bürgermeister Schlund grundsätzliche Zustimmung des Marktgemeinderates. Die Kooperation zwischen Stadt und Landkreis Bamberg, die Einbeziehung aller kreisangehörigen Gemeinden und die Nutzung des Sachverstands der Bamberger Stadtwerke wird auch aus Hirschaider Sicht als zielführend erachtet. Es geht um die Förderung erneuerbarer Energien, die Hilfestellung für die Kommunen des Landkreises und den Ausbau der Wertschöpfung im Raum Bamberg. Dabei möchten die Landgemeinden aber nicht kooperationsabhängig von der Stadt Bamberg sein und in ihren eigenen Aktivitäten nicht behindert werden. Es soll zunächst eine geballte Kraft im Landkreis geformt werden.

Bürgermeister Schlund geht es vor allem um die technische Beratung bei der Realisierung von Energieprojekten, um nicht das Gleiche wie Breitengüßbach zu erleben, wo eine zentrale Wärmeversorgung aus einem Holzschnitzelheizwerk daran scheiterte, dass die Gemeinde keinen Anschlusszwang festgelegt hatte. Richtig interessant werde für die Regionalwerke die Energieversorgung erst 2025, sagte Schlund, denn dann würden vielerorts die Netzverträge mit den großen Energieversorgern auslaufen.

Das "Ja" zur Beteiligung an den Regionalwerken fiel Hirschaid allerdings mit Blick auf den Partner gar nicht so leicht. So warnte CSU-Sprecher Klaus Hohmann vor einer "Oberhoheit Bambergs". Josef Haas (SPD) erinnerte an die "ambivalenten Erfahrungen" aus der bisherigen Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt. Heinrich Dorn (CSU) hat wegen der Weigerung Bambergs, Hirschaid ein Gymnasium zuzugestehen, ohnehin noch eine Rechnung mit der Domstadt offen. Dorn versagte dann auch als einziger seine Zustimmung zum Grundsatzbeschluss. Dass Hirschaid "ab und zu Probleme mit Bamberg" hat, räumte Bürgermeister Schlund mit Blick auf die Themen Krankenhaus und Gymnasium ein; gerade im Bereich Klimaschutz funktioniere die Zusammenarbeit aber vorbildlich, speziell mit Oberbürgermeister Andreas Starke.

"Auf freiwilliger Basis"


Die Sorge von Albert Deml (Ökologische Liste), dass die Zusammenarbeit mit der Stadt Bamberg Hirschaid behindern könne, auf dem Energiesektor zügig voranzukommen, teilte Bürgermeister Schlund nicht. Er wies im Gegenteil darauf hin, dass für den Erfolg der Regionalwerke die Beteiligung Bambergs wichtig sei: "Wir haben ja einiges zu verkaufen", erklärte Schlund und hatte dabei den vermehrt im Landkreis erzeugten Strom aus Windkraftanlagen oder die Energie aus Biomasse im Blick.

So willigt denn Hirschaid grundsätzlich "auf freiwilliger Basis" in die Beteiligung als Gesellschafter der Regionalwerke Bamberg und in deren finanziellen Grundausstattung ein. Vor der endgültigen Entscheidung wird jedoch Klarheit über die Rechtsform der Trägergesellschaft und über die Quote, mit der der Markt als Gesellschafter berücksichtigt wird, erwartet. Eine weitere Bedingung besteht darin, dass der Landkreis und die kreisangehörigen Gemeinden in der GmbH nicht die Minderheitsgesellschafter werden. Seitens der Freien Wähler wurde noch die Verstärkung der Bürgerbeteiligung durch weitere Informationen und die Bildung von Genossenschaften gefordert.