Bürgermeisterin Gisela Hofmann aus Königsfeld war schnell bei der Anmeldung, als es darum ging, von der Initiative "Mitfahrbänke" der Stiftung "Oberfranken Offensiv" zwei solcher Bänke kostenlos zu bekommen. Aus dem Landkreis wurde nur noch Zapfendorf bedacht, da aus dem ganzen Regierungsbezirk alle Landkreise mitmachen sollten. So wurden 20 Gemeinden ausgewählt.

Sabine Huber, die das Projekt vom Demographie-Kompetenzzentrum Oberfranken von Kronach aus leitet und betreut, erklärte das Ziel so: "Die Idee hatte Herr Hansen aus der Eifel, der so etwas dort initiiert hatte und erfolgreich damit war. Wer eine Mitfahrgelegenheit sucht, nimmt auf einer Bank Platz und wartet, bis ihn jemand zum gewünschten Ort mitnimmt." Der Ansturm aus 50 Städten und Gemeinden auf die oberfränkischen Bänke sei enorm gewesen, erläuterte Nuber, so dass sie eine Auswahl treffen musste.

Damit die Bänke leicht zu erkennen seien, habe man sie alle in den Favben von "Oberfranken Offensiv" gestrichen: Die Metallrahmen sind rot, die Lehnen blau und die Sitze grün. Wichtig war Nuber auch, dass die Produkte aus der Region stammen, hier hergestellt wurden und mit dem Hersteller auch die soziale Komponente ins Spiel komme.

Zuschlag für die Diakonie

Den Zuschlag bei der Fertigung erhielt die Werkstatt und Förderstätte Himmelkron des Diakonischen Werkes Neuendettelsau. Werner Naser, Fertigungsleiter, erklärte, dass sich die Männer und Frauen seiner Werkstatt sehr über diesen Großauftrag gefreut hätten. Sie seien froh gewesen, nicht nur braune und graue Bänke streichen zu dürfen, sondern endlich mal auch farbige. Außer den Stahlrohren habe man bewusst Fichtenholz genommen, da dieses nicht so sehr die Temperaturschwankungen aufnehme wie Metall oder Kunststoff. Der Preis pro Bank liege bei 1000 Euro.

Bürgermeisterin Gisela Hofmann wollte als Ziel der Fahrten die Juraklinik Scheßlitz, da dort viele Bewohner aus der Gemeinde behandelt werden oder Besuche bei Kranken machen. Der Scheßlitzer Bürgermeister Roland Kauper (CSU) war sofort bereit, die zweite Bank gegenüber der Klinik aufzustellen. Das Projekt geht also über zwei Gemeinden und Hofmann hat auch schon eine Verbindung mit Hollfeld und Heiligenstadt im Visier. Doch soll zunächst einmal die erste Linie getestet werden - wobei man die Misere mit dem Bürgerbus-Modell noch im Kopf habe - und nun auf einen Erfolg setze. "Die Mobilität gerade unserer älteren Mitbürger ist bei uns auf dem Lande zunehmend ein Problem." Sie fordere diese also auf: "Setzt euch drauf auf's Bänkla und lasst euch mitnehmen!" Bürgermeister Kauper ergänzte: "Auch in Scheßlitz ist der Bürgerbus gescheitert. Die Sache mit dem Mitfahrbänkchen kann sich zwanglos entwickeln. Bei Erfolg wird auch Scheßlitz mit seinen Dörfern die Initiative ergreifen."

Nach einer kurzen Wartezeit am Mitfahrbänkla in Königsfeld, das in der Ortsmitte unweit der Gastwirtschaft aufgestellt ist, kam auch schon Edwin Sturz und nahm die beiden Bürgermeister mit auf seinem Weg über Hohenhäusling und Würgau nach Scheßlitz. Bei Kaffee und Tee im Juracafé kamen alle Beteiligten nochmals auf Ideen und eventuelle Probleme zu sprechen.

Keine extra Versicherung nötig

Auf Nachfrage wegen des Versicherungsschutzes erklärte Sabine Nuber, dass sie vom Kompetenzzentrum Oberfranken drei Versicherungen angeschrieben hätten. Alle drei hätten erklärt, dass es mit der Haftpflicht- und Insassenversicherung der Autos keine Probleme gebe und eine Extraversicherung nicht notwendig wäre. Das Aufstellen und die Wartung der Bänke obliege den Kommunen. Über das Installieren einer App "Mitfahrbänke - Königsfeld" will sich Nuber nochmals informieren, da das nach Hofmanns Aussage für Königsfeld alleine zu teuer sei. Hofmann und Kauper wollen für die neue Idee in ihren Mitteilungsblättern kräftig die Werbetrommel rühren. Flyer und Aufkleber kamen auch ins Gespräch.

Die Rückfahrt vom Scheßlitzer Mitfahrbänkla gestaltete sich dieses Mal auch problemlos, da Sturz die beiden wieder wohlbehalten nach Königsfeld chauffierte.