"Einkaufen fällt mir in letzter Zeit immer schwerer." So wie Theresia Dauer geht es vielen Menschen, die mit zunehmendem Alter an Beweglichkeit verlieren. Manches, was im Leben immer selbstverständlich war, wird dann oft zur unüberwindlichen Hürde. Sei es der Gang zum Facharzt, ein Termin bei einer Behörde oder einfach nur der tägliche Einkauf.

Theresia Dauer hat Glück. "Mir hilft die Hirschaider Ehrenamtsbörse - über diese Unterstützung bin ich sehr froh." Gründerin Gabi Wolf steht ihr nun bei vielen Gängen und Besorgungen hilfreich zur Seite. Für Gabi Wolf ist Helfen eine Selbstverständlichkeit: "Bevor ich zu Hause herumsitze, möchte ich mich lieber aktiv in die Gesellschaft einbringen und für meine Mitmenschen da sein", sagt sie.

Sie selbst hat auf Seminaren einer Gruppe von Multiple-Sklerose-Erkrankten diese Idee aufgegriffen und sich fast ein Jahr mit der Organisation einer solchen Börse beschäftigt. "Ich habe mich von der Bamberger Carithek beraten lassen. Das waren sehr informative Gespräche", erinnert sich Gabi Wolf an die Anfänge. Am 11. März 2011 war es dann soweit: Sie eröffnete die Hirschaider Ehrenamtsbörse mit organisatorischer Unterstützung des katholischen Pfarramtes.

Mittlerweile sind es elf Helferinnen und Helfer, die sich in ihrer Freizeit um die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen kümmern. "Wir helfen nach unseren eigenen Fähigkeiten und das ist eine sinnvolle Beschäftigung", betont Helferin Rita Reitz, sei es als Begleiter beim Spazierengehen, bei Behörden- und Arztgängen oder als Helfer beim Einkaufen. Sogar Rasenmähen ist in Ausnahmefällen drin, wobei die Freiwilligen ausdrücklich darauf hinweisen, dass sie weder Haushaltshilfen noch Pflegekräfte sind. Schon aus rechtlichen Gründen dürfen und können sie keine Pflegedienste anbieten; es geht um reine Nachbarschaftshilfe.

Doch wie kommen nun Helfer und Bedürftige zusammen? Für ein halbes Jahr hatte Gabi Wolf im Pfarrheim eine wöchentliche Sprechstunde. Die erwies sich aber als unnötig, denn die Koordination klappt auch gut übers (ehrenamtlich finanzierte) Telefon. Über Handzettel in der Kirche und Informationen im gemeindlichen Mitteilungsblatt wurde die Bevölkerung aufgerufen, sich als Freiwillige oder als Hilfesuchende zu melden.

Gabi Wolf suchte dann den persönlichen Kontakt mit allen, führte Gespräche und brachte passende Paare in Kontakt. Bislang hat das auch sehr gut funktioniert, denn "das Menschliche muss stimmen" sagt sie. Die Koordination machen dann die Helfer und die Bedürftigen unter sich aus. So kommt es, dass Gabriele Proksch als Babysitter für eine in Schicht arbeitende Mutter einspringt, Renate Zuralski mit einer älteren Dame spazieren geht, oder Rita Reitz für alte Menschen als Gesprächspartnerin da ist.

Gabi Wolf selbst, die sehr stark ehrenamtlich in der Pfarrei Hirschaid im Pfarrgemeinderat und im katholischen Frauenbund engagiert ist, geht mit Theresia Dauer regelmäßig einkaufen. Den Zeitaufwand können und wollen die Helferinnen und Helfer nicht beziffern, ihnen geht es um die Menschen, denen sie ihre Zeit und Hilfe schenken können.

Zum ersten "Geburtstag" der Ehrenamtsbörse, am Sonntag, 11. März, übergibt Gabi Wolf die Organisation in die Hände von Rita Reitz. "Ich bleibe als Helferin aber selbstverständlich erhalten", betont Gabi Wolf. Natürlich sind immer noch Ehrenamtliche gesucht, die sich lieber in der Gesellschaft einbringen wollen, als gelangweilt zu Hause zu sitzen. Bürgerschaftliches Engagement wird für das Zusammenhalten und Funktionieren der Gesellschaft immer wichtiger. Die Mitglieder der "Ehrenamtsbörse Hirschaid" machen es vor.