Angekommen im Bischofshaus, schält sich Chibly Langlois erst einmal aus seinem Mantel und dicken Pullover. "Es ist kalt in Deutschland", lächelt der Bischof aus dem Karibikstaat Haiti. Doch rasch fasst er sich ans Herz: "Hier drinnen ist es warm", meint er und schaut auf Erzbischof Ludwig Schick, seinen Gastgeber.

Ja, da schwingt viel herzliche Sympathie hinüber und herüber: "Haiti liegt mir als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre sehr nahe", sagt denn auch der Erzbischof. Er habe das Inselland nur kurze Zeit vor dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar 2010 besucht. Auch eine Messe in dem nationalen Priesterseminar in Port-au-Prince gefeiert. In dem Gebäude also, dass durch die Naturkatastrophe wie zahllose andere Häuser dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Spender und Paten helfen

Diese Zerstörung berührt den Erzbischof besonders: Seit fast 50 Jahren unterstützt das Erzbistum Bamberg das dortige Priesterseminar "Notre Dame d'Haiti", Spender und Paten helfen bei der Ausbildung der jungen Priesterkandidaten. Chibly Langlois, Vorsitzender der haitianischen Bischofskonferenz, weiß das alles nur zu gut. Er weiß auch, dass Bamberg unmittelbar nach dem Erdbeben rund 660 000 Euro Soforthilfe geleistet und damit den Wiederaufbau von Schulen, Waisenhäusern, Sozialstationen und Krankenhäusern ermöglicht hat. Dafür will Bischof Langlois den Bambergern Danke sagen. Danke auch dafür, "dass sie mein Land überhaupt zur Kenntnis nehmen". Es sei doch sonst so in der Welt, dass erst "unglückliche Momente dazu führen, sich an Haiti zu erinnern".

Bei Erzbischof Schick, dem "Weltkirchenbischof", stößt der 54-jährige Haitianer auf weit geöffnete Ohren. Langlois schildert mit dürren Worten die Situation in seiner Heimat. Schon vor dem Erdbeben habe es in Haiti Not und Elend gegeben, die danach noch verstärkt wurden. 80 Prozent der Einwohner leben in extremer Armut und Abhängigkeit, haben kein regelmäßiges Einkommen.

Hunderttausende Menschen müssen noch in Zeltlagern hausen. Da ist es schon sprichwörtliche Solidarität, dass auch die meisten der 300 Priesterkandidaten nur Zelte als Zuhause und Ausbildungsstätte kennen. Sie teilen damit die Sorgen der Menschen, die sie als künftige Seelsorger in wichtigen Lebensfragen begleiten sollen. "Kirche der Armen" bekommt in Haiti viele Gelegenheiten, glaubhaftes Zeugnis abzulegen von der Botschaft des Evangeliums.

Konzept für Priesterseminar

Gleichwohl bereitet diese Kirche den Wiederaufbau des Priesterseminars vor: "Wir haben schon ein Grundstück gekauft und erstellen zur Zeit das Konzept für die Gebäude", berichtet Bischof Langlois. Und fügt hinzu: "Wir wenden uns dabei um Hilfe an Bamberg." Erzbischof Schick zögert nicht, sagt 250 000 Euro zu, die im Spendentopf für genau diesen Zweck noch vorhanden sind. Wieder hebt Bischof Langlois zu einem Vergelt's Gott an.

Er nutzt aber auch die Gunst der Stunde, um den Blick des Hilfsbereiten auch auf andere Baustellen zu lenken. "Wir brauchen Unterstützung auf allen Ebenen", betont der Haitianer. Er nennt "nachhaltige Infrastruktur" als Beispiel. Darin spiele die Kirche eine große Rolle, denn "ihr Netzwerk umfasst das ganze Land". Langlois zählt Bereiche wie Nahrungsmittelversorgung und Gesundheitsfürsorge auf, in denen die Caritas unschätzbare Arbeit leistet. Und kehrt doch wieder zur Notwendigkeit einer qualifizierten Ausbildung der Priesterseminaristen zurück. Professoren, Dozenten müssten so bezahlt werden können, dass sie auch bleiben. Viele Alumni stammten aus ärmlichsten Verhältnissen und seien in einer prekären Situation. Sie müssten ermutigt werden.

Das alles erzählt Bischof Langlois nach dem Besuch im Bischofshaus auch den Kandidaten des Bamberger Priesterseminars, die keinerlei Existenzsorgen haben müssen. In Haiti lebt die Kirche von den Spenden der Gläubigen, es gibt keine Kirchensteuer. Die Kollekten reichen kaum für den Lebensunterhalt der Priester, geschweige denn für die Ausbildung des Nachwuchses.

Dauerhafte Verpflichtung

So leistet Bamberg als Projekt der Bischöflichen Aktion Adveniat, dem Lateinamerika-Hilfswerk der deutschen Katholiken, seit Jahrzehnten seinen Beitrag für das Priesterseminar in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Erzbischof Schick sieht in dieser langen Beziehung eine dauerhafte Verpflichtung. Doch das Erzbistum allein kann nicht alles stemmen.

Das ist auch Bischof Langlois bewusst. So nutzt er seine Europareise, die ihn zunächst nach Rom geführt hat, auch dazu, weitere Hilfswerke wie Misereor, Caritas International, Kirche in Not oder das Kindermissionswerk aufzusuchen. Weihnachten wird der Bischof wieder in Haiti sein. Mit vielen Gläubigen am Heiligen Abend die Mitternachtsmesse feiern und sich über das Kind in der Krippe freuen.

Ein überbordendes Fest wird es aber sicher nicht geben: "Das macht die Armut nicht mit", erklärt Chibly Langlois. Umso mehr hofft der Bischof auf die "spirituelle Hilfe aus Bamberg", auf das fürbittende Gebet. Wie hatte er doch im gemeinsamen Gottesdienst mit dem Erzbischof am Sonntag im Dom zu den Gläubigen gesagt: "Mit Ihrer finanziellen und spirituellen Hilfe werden Sie zu Missionaren in Haiti, auch wenn Sie hier in Bamberg leben..."