Sie waren schon heikel, die Fragen, die Frank Förtsch, Chefredakteur der Mediengruppe Oberfranken, als Moderator des ersten Bierkeller-Gesprächs auf dem Wilde-Rose-Keller stellte. Aber sie konnten nicht den kleinsten Funken von Zwietracht stiften zwischen Landrat Johann Kalb (CSU) und Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Selbst in Sachen Konversion und Bevölkerungsentwicklung zeigten sich die beiden kommunalen Größen auf einer Wellenlänge.

Eingeladen zur Diskussion im kleinen Rahmen hatten die Bamberger Wirtschaftsjunioren. Ziel der Veranstaltung war es zum einen, in gemütlicher Atmosphäre die Anliegen der jungen Bamberger Wirtschaft an die Lokalpolitik zu bringen. Zum anderen wollten sich die Jungunternehmer ein Bild von der aktuellen Lage in Stadt und Landkreis machen.

Die Bandbreite der angesprochenen Themen war groß und reichte von Basketball und Symphoniker über Einzelhandel und Parkplatzproblematik bis hin zu VGN der Metropolregion und ICE-Ausbau. Während der rund zweistündigen Diskussion wurde mehr als einmal deutlich, wie sich Stadt und Landkreis gegenseitig ergänzen oder befruchten. "Wir wünschen uns einen starken Partner wie Bamberg. Denn ohne die Stadt wäre auch der Landkreis weniger wert", unterstrich Landrat Kalb. Zumal Stadt und Landkreis in vielen Belangen - wie zum Beispiel im Bereich der Schulen oder der Müllverbrennung - in verschiedenen Zweckverbänden eng zusammenarbeiten würden.

Selbst wenn die Konversionsfläche wieder bewohnt sein werde, fürchtet Johann Kalb im Landkreis keine allzu große Stadtflucht. "Uns werden keine Leute davon rennen. Soll doch Bamberg ruhig 3000 Einwohner mehr haben. Denn auch der Landkreis Bamberg ist kontinuierlich am Wachsen", schilderte der Landrat. Zumal auch immer mehr Menschen aus den Ballungszentren wie etwa Erlangen in die Region Bamberg ziehen würden.

Kalb: Kein Grund zur Sorge

Überhaupt sieht der Landrat keinen Anlass zur Sorge, nur weil Bamberg 450 Hektar Fläche mehr zur Verfügung hat. "Das ist doch nur eine winzige Fläche für den Landkreis. Wenn ich jetzt möchte, kann ich auf der Stelle 100 Hektar in der Region ausweisen, damit sich dort ein Unternehmen ansiedeln kann", erläuterte Johann Kalb.

Die aktuellen "Brennpunkte" der Stadt schilderte OB Andreas Starke. So sei es für ihn beispielsweise äußerst wichtig, dass der ICE-Halt in Bamberg auch künftig erhalten bleibt. "In Sachen Verkehr und Parkraum müssen wir eine vernünftige Balance finden zwischen Erreichbarkeit der Stadt und der Verkehrsberuhigung", so Starke. Die Schaffung weiterer Parkplätze wie eine Tiefgarage unter der Promenade sieht er hingegen nicht als dringendste Priorität. Schließlich sei es technisch sehr schwierig, unterhalb des ZOB's eine Parkgarage zu errichten, zum anderen stünden mit den vorhandenen Parkhäusern genügend Parkplätze zur Verfügung. Engpässe gebe es hier lediglich in den ersten drei Wochen des Dezembers.

Auch in Sachen Einzelhandel sieht der OB die Stadt gut aufgestellt. "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir von der Karolinenstraße bis zur Hauptwachstraße keinen Leerstand in Gewerbeimmobilien haben." Sorgen machen ihm vielmehr die 1b-Lagen, wie unter anderem die Lange Straße. Hier gelte es etwa, das Quartier an der Stadtmauer klug zu entwickeln.