Erik von Brandt will darüber nachdenken, ob er dem neuen Förderkreis beitritt. "Ich werde mit meiner Mutter darüber sprechen", sagt der 45-jährige Enkel von Hans Wölfel. Der Bamberger Bildhauer und Künstler von Brandt begrüßt durchaus die Idee des Förderkreises, das Erinnern an seinen Großvater zu pflegen. Doch daraus müsse "konstruktives Geschehen und aktives Handeln erwachsen", betont er. Auf keinen Fall dürfe "Personenkult" entstehen. Vielmehr sollte der Name Hans Wölfel mit aktuellen Ereignissen verknüpft werden, was in konkrete Hilfestellungen für bedrängte Menschen münden müsse. Alles andere wäre nicht im Sinne von Hans Wölfel, auch nicht im Sinne seiner Mutter Irmingard von Brandt, sagt der Enkel.

Von der konkreten Tat ist der Förderkreis noch entfernt. Schließlich wurde er erst in dieser Woche gegründet. Die Initiative dazu ging von Domvikar Norbert Jung, Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, und Alwin Reindl, ehemaliger Studiendirektor am Franz-Ludwig-Gymnasium, aus. "Ich bin immer wieder von verschiedenen Seiten angesprochen worden, dass der Domberg etwas für das Gedenken an Hans Wölfel tun soll", erklärt Norbert Jung. So habe er zunächst an einen Förderkreis gedacht, ein späterer gemeinnütziger Verein sei aber auch nicht ausgeschlossen.

In Alwin Reindl fand der Domvikar einen kompetenten Mitstreiter. So hat der frühere Lehrer für Geschichte, Deutsch und Englisch umfassend über "Märtyrer des 20. Jahrhunderts aus dem Erzbistum Bamberg" geforscht und eine entsprechende Wanderausstellung mit Begleitheft konzipiert. Auch dem Bamberger Rechtsanwalt und Nazi-Opfer Hans Wölfel sind Beiträge gewidmet. "Das Gedenken an Hans Wölfel ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Notwendigkeit, auch die der Kirche", betonte Reindl bei der Gründungsversammlung in der Katholischen Hochschulgemeinde in der Friedrichstraße. Die große Zahl Interessierter, die sich eingefunden hatten, belegte seine Aussage.

Zum Vorsitzenden des Förderkreises wurde Domkapitular und Dompfarrer Gerhard Förch gewählt, Schriftführer ist Alwin Reindl. Er nannte mögliche Arbeitsbereiche, in denen "nicht neue historische Erkenntnisse gesammelt werden sollen, sondern das Gedächtnis an Hans Wölfel im Vordergrund steht". So soll es zum Beispiel eine Ausstellung über Hans Wölfel im Auftrag der Stadt Bamberg beziehungsweise des Erzbistums für Schulen geben, eine Artikelserie für die Pfarrblätter des Dekanats Bamberg oder eine Homepage "Förderkreis Hans Wölfel" im Internet. Ferner sind Gedenkfeiern der Bamberger Kirche am Todestag Hans Wölfels und kirchliches Gedenken in den Pfarreien, in denen Wölfel beheimatet war, angedacht. Aus dem Kreis der Versammlungsbesucher kamen die Vorschläge, eine Schule und einen Gruppenraum im Bistumshaus St. Otto nach Hans Wölfel zu benennen: "nach einem Laien, der Widerstand geleistet hat", wie jemand sagte.

Zu den zahlreichen Personen, die sich gleich in die Mitgliederliste des Förderkreises eintrugen, gehört auch Nikolai Czugunow-Schmitt, Vorsitzender der Willy-Aron-Gesellschaft. "Es geht um konstruktive Zusammenarbeit statt Konkurrenz", begründet er seinen Beitritt. Schon bisher habe die Willy-Aron-Gesellschaft dafür Sorge getragen, dass neben Aron auch andere Bamberger Opfer des Nazi-Regimes wie Hans Wölfel und Claus Schenk von Stauffenberg nicht vergessen werden.

Dazu soll das "Widerstands-Denkmal" beitragen, dass seit längerem in der Diskussion ist. Czugunow-Schmitt konnte der Gründungsversammlung mitteilen, dass nach "positiven Signalen der Stadt" nun ein Standort für die drei Stelen gefunden worden sei: der Harmoniegarten gegenüber des Cafés Luitpold am Schönleinsplatz. Noch müssten "Detailfragen abgestimmt und die Restfinanzierung geklärt werden". Ein Sponsor für die Stele mit dem Stauffenberg-Kopf sei bereits gefunden. Czugunow-Schmitt regte an, dass der neue Förderkreis nun für die Wölfel-Stele Spenden sammeln könnte.

Wölfel-Enkel Erik von Brandt kann sich allerdings mit dem "Widerstands-Denkmal" nicht anfreunden: "Ich distanziere mich davon", weil es "nicht dem gerecht wird, was Hans Wölfel verkörpert hat", meint von Brandt. Auch wenn er seinem Bildhauerkollegen Alfred Ultsch nicht in die Parade fahren wolle, "ist dieses Denkmal mit seiner unzutreffenden naturalistischen Darstellung und Personifizierung nicht im Interesse meines Großvaters und meiner Mutter", betont von Brandt. Zudem halte er eine "zeitgemässere Auffassung von Gestaltung für die einzig mögliche künstlerische Ausdrucksweise": "Gerade bei diesem politischen Memorandum sollte keine Darstellungsform des vorigen Jahrhunderts gewählt werden", sagt von Brandt.