Bamberg
Archäologie

Handwerkern des Spätmittelalters auf der Spur

Unter dem Bamberger Einzeldenkmal Am Kranen 14 wurden ein Stück alte Stadtmauer und viele Knochen- und Schlackenreste gefunden. Für die Fachleute ist das ein Beleg mehr für die Annahme, dass das Gebiet der Kapuzinerstraße schon im 15. Jahrhundert ein lebhafter Handwerker-Standort war.
Nahezu unversehrt ist dieses Stück der alten Bamberger Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert. Es kam nur wenige Handbreit unter dem Fußboden im Einzeldenkmal Am Kranen 14 zu Tage. Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Vor fast zwei Jahren mussten Professor Ingolf Ericsson und sein Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Uni Bamberg Hals über Kopf ihr Zuhause Am Kranen 14 verlassen. Das von der Hochschule genutzte Einzeldenkmal gilt als einsturzgefährdet und kann seit Juni 2009 nicht mehr genutzt werden. Kürzlich kehrten einige seiner Studierenden zurück, um Praxiserfahrungen zu machen und - wegen des schlechten baulichen Zustands - unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen eigenhändig nach Bodendenkmälern zu suchen. Ihre Mühe hat sich gelohnt: Sie legten ein Stück der alten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert frei und bargen Keramik, Münzen, Knochenreste und Schlacken. Ericsson und die Grabungsleiterin Margret Sloan präsentierten jetzt Vertretern der Hochschule, des (für Unterhalt und Sanierung zuständigen) Staatlichen Bauamts, dem Stadtarchäologen und der Presse einige ihrer Funde an Ort und Stelle.

Sie belegen nach Angaben der Fachleute alte schriftliche Quellen, wonach das erste Haus an dieser Stelle um 1500 außerhalb der Stadtmauer entstanden ist. Es soll sich den Aufzeichnungen zufolge um einen Kupferhof gehandelt haben. Tatsächlich seien die Metallhandwerker wegen der damit verbundenen Feuersgefahr im Mittelalter außerhalb der Städte angesiedelt worden, sagen Sloan und Stadtarchäologe Stefan Pfaffenberger. Ob die ebenfalls gefundene Schlacke bereits den Beweis für den Kupferhof liefert? Da mag sich die Grabungsleiterin noch nicht festlegen.

Dagegen ist sie sicher, dass der etwaige Kupferhof auf der "Müllhalde" eines Knochenschnitzers entstanden ist. Dafür spreche die Fülle von winziger Würfel sowie Perlen und Paternosterringe für Rosenkränze. Man hat sie zusammen mit zahlreichen Knochenabfällen in tiefen Bodenschichten entdeckt.

Die Schlacken- und Knochenfunde sind für den Bamberger Stadtarchäologen "siedlungsgeschichtlich von großer Bedeutung". Sie ließen den Rückschluss zu, dass die "Vorstadt" zwischen Regnitz und Stadtmauer geboomt haben müsse. Man wisse aus alten Aufzeichnungen und einzelnen Befunden zwar bereits, dass sich im Gebiet der heutigen Kapuzinerstraße vornehmlich Metallhandwerker niedergelassen hatten. Erst jetzt habe man einen intensiven Nachweis dafür.

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