Seit gut zwei Wochen steckt das Land unter der Käseglocke. Mit Ausgangsbeschränkungen will man der Lage mit dem Coronavirus Herr werden. Während viele Ladengeschäfte und Kulturorte geschlossen sind, gibt es eine Berufsgruppe, die immer noch raus zu den Menschen muss: Das Handwerk.

Kaminkehrermeister Franz Josef Kirchner ist bereits seit Ende der 1970er Jahre in seinem Beruf unterwegs und besucht seine Kunden, um dort regelmäßig die Betriebs- und Brandsicherheit der einzelnen Feuerstätten zu prüfen. Bis jetzt reagieren die Kunden in Bamberg recht gelassen auf die Besuche in der Corona-Zeit: "Die meisten sehen unsere Arbeit als wichtig und erforderlich an." Wenn er für eine Abgaswegeprüfung in den Wohnungsbereich gehe, gehörten Einweghandschuhe sowie ein selbstgenähter Mundschutz ganz selbstverständlich dazu. Schließlich wolle man die professionellen Mundschutzmasken nicht den Angestellten im Gesundheitsbereich wegkaufen, welche diese dringender benötigen. "Ansonsten halten wir natürlich immer den nötigen Sicherheitsabstand zu den Hausbewohnern ein", erklärt Kirchner. Auch versuche man, die Termine im Haus so kurz wie möglich zu halten.

Viele Arbeiten fallen übers Jahr an: Neben Abgasprüfungen in Sachen Umweltschutz, muss vor allem die Betriebs- und Brandsicherheit stets gewährleistet sein. "Der Berufsverband hat uns empfohlen, eine gewisse Kulanz zu zeigen, wenn Menschen momentan etwa zu viel Angst vor einer Ansteckung haben", erläutert der Kaminkehrermeister. Termine bei Kunden, die unter Quarantäne stehen oder zur Risikogruppe gehören, sind natürlich erstmal verschoben.

Großer Spielraum sei aber nicht vorhanden: "Wenn wir Arbeiten zu lange aufschieben, kommen wir nicht mehr hinterher", gibt Kirchner zu bedenken, der zusammen mit zwei Mitarbeitern und einem Auszubildenden rund 2000 Anwesen betreut. Zudem sei das damit verbundene Gefahrenpotenzial nicht zu unterschätzen, wenn die Wartung der Befeuerungsanlagen zu lange verschleppt werde: "Es geht immerhin um den Schutz der Bevölkerung", macht der Bezirkskaminkehrermeister deutlich.

Desinfektionsmittel im Gepäck

Auch bei der Firma Elektro-Deubert GmbH spielt die Sicherheit eine große Rolle: "Wir haben unsere Montageteams auf jeweils zwei Mitarbeiter aufgeteilt, um immer arbeitsfähig zu bleiben, falls ein Mitarbeiter sich infiziert", erklärt Geschäftsführer Stephan Klösel. Ein weiterer Monteur müsse sich nun zu Hause um die Kinder kümmern und fehlt vorerst. Wenn es raus auf den Einsatz geht, ist Desinfektionsmittel immer im Gepäck. Auf gute Masken wartet das Unternehmen aus Bamberg seit Wochen. So müssen erstmal einfache Staubmasken ausreichen. "Diese Masken nutzen wir dann, wenn wir für Notfälle bei älteren Menschen vorbeischauen müssen", schildert Klösel die Vorgehensweise. Ansonsten wurden Termine bei älterer Kundschaft fürs Erste abgesagt.

"Wir erleben da viel Verständnis dafür", erzählt der Elektriker. Allgemein habe sich die Auftragslage verändert: "Es meldet sich niemand mehr bei kleineren Störungen, um einen Anschluss für Steckdosen neu zu verlegen oder eine Lampe anderswo aufzuhängen", erläutert Klösel. Andere Aufträge für zum Beispiel Elektroinstallationen in Küchen oder Bädern würden im gegenseitigen Einvernehmen erstmal nach hinten verschoben. Manche Aufträge fallen jedoch aus Angst vor Ansteckung komplett aus. "Spätestens in zwei Monaten könnte es finanziell eng werden", befürchtet der Geschäftsführer.

Anderes Handwerk aber ähnliche Themen: Bei der Sanitär- und Heizungsfirma Müller aus Bamberg sind Schutzmaßnahmen seit mehreren Wochen an der Tagesordnung: "Wir haben unsere Monteure angewiesen, mehr auf die Handhygiene zu achten", erklärt Fritz Müller. Seit 1996 führt er den Familienbetrieb und hat neben der Möglichkeit, dass sich die Monteure die Hände im Einsatz waschen können, auch Masken bestellt.

Abstimmung mit anderen Firmen

"Wir wollen gut vorbereitet sein, falls in der nächsten Zeit entsprechende Verordnungen kommen", erklärt Müller. Außerdem sprechen sich die Firmen auf Baustellen ab: Die unterschiedlichen Teams der verschiedenen Handwerksbetriebe sollen sich nicht begegnen, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Auch bei den Privatkunden vor Ort reagierten die Menschen verständnisvoll, dass die Arbeitsschritte nicht parallel stattfinden können. "Sollte ein Kunde die Abstandsregeln nicht einhalten, werden wir ihn mit Nachdruck darauf hinweisen", betont Fritz Müller, dem der Schutz seiner acht Monteure wichtig ist.

Bei wiederholter Missachtung der Schutzmaßnahmen durch die Kunden dürften die Handwerker auch ihre Arbeit abbrechen. "Das ist bis jetzt aber nicht der Fall gewesen", versichert Müller. Die Anrufe bei den drei Betrieben haben gezeigt: Kundschaft und Mitarbeiter sollen gut geschützt werden, damit der "Motor" Handwerk nicht ins Stottern gerät.