Bei schönem Wetter kann jeder feiern. Gundelsheim bewies gestern Nachmittag, dass die Bürger ihre Freude über ein gelungenes Werk auch bei Schnürlregen und in feucht-kühler Luft im Freien zum Ausdruck bringen können. Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD) jedenfalls wertete die Teilnahme von ein paar Hundert Gundelsheimern an der Einweihung der neu gestalteten Ortsmitte sowie des umgebauten und modernisierten alten Rathauses als Beweis dafür, dass die Dorfbevölkerung die Neuerungen schon "genießt". Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Hauptstraße zur Festmeile umfunktioniert worden ist.
Merzbacher verschwieg nicht, dass über die Umsetzung des Konzepts so manche Meinungsverschiedenheit entbrannte. Und während der einjährigen Bauarbeiten an der Hauptstraße, die verengt und verkehrsberuhigt wurde, hatten auch die Anlieger samt den Geschäftsleuten des Ortszentrums Grund zu klagen. Doch nun könne die Ortsmitte zum Treffpunkt für alle werden. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll das modernisierte und durch einen architektonisch gelungenen Anbau erweiterte alte Rathaus leisten. Es dient der Kreismusikschule, der Volkshochschule, dem Gesangverein wie dem Musikverein. Die Gundelsheimer betrachten es als ihr "Kultur-Rathaus", die älteren haben darin einst das 1x1 und das Abc gelernt. Unter Denkmalschutz gestellt, geht der Sand- und Backsteinbau einer Zukunft als Musentempel entgegen. 800 000 Euro wurden das Objekt investiert. Davon hat die Gemeinde 200000 Euro zu tragen; 240000 Euro wurden aus Städtebaufördermitteln finanziert, 150 000 Euro gab die Oberfrankenstiftung dazu und 135 700 Euro stammten aus dem Konjunkturpaket II. Weitere Fördermittel bewilligten die Bayerische Landesstiftung und das Landesamt für Denkmalpflege.
Zur Verkehrsberuhigung der Hauptstraße wurden 1,4 Millionen Euro ausgegeben. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, steuerte der Landkreis 450 000 Euro bei. 650 000 Euro erhielt die Gemeinde aus dem Programm "Soziale Stadt" der Städtebauförderung von Bund und Land.
Schwerpunkt der Maßnahme war die Anlage einer begrünten Freifläche zwischen Markuskirche und Altem Rathaus. Es entstanden eine behindertengerechte Bushaltestelle und ein Erlebnisbereich mit Sitzstufen zum Leitenbach hin. Daraus kann ein lebendiger Platz für ganz Gundelsheim werden. Aufgrund der vergleichsweise geringen Eigenmittel, die die Gemeinde für das Projekt aufbringen musste, ist die Freude über den Abschluss ungetrübt.
Staatssekretärin Melanie Huml (CSU) würdigte den Einsatz aller Beteiligten. Die Bürger hätten sich mit vielen tollen Ideen eingebracht; vieles habe sich nun zum Positiven gewendet. Die Projektidee "Generationenübergreifende Siedlungsentwicklung" wertete die Staatssekretärin als modellhaft für ganz Bayern. An dieses Projekt knüpft auch Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning große Hoffnung: Es genüge nicht, Städte und Orte seniorengerecht umzugestalten, es müsse auch die Jugend intensiv einbezogen werden. Gundelsheim beweise, dass das Programm "Soziale Stadt" endlich auch im ländlichen Raum angekommen ist, sagte Wenning.
Glückwünsche zu den abgeschlossenen Sanierungsmaßnahmen übermittelte auch Landrat Günther Denzler (CSU). Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Gundelsheim mit der bevorstehenden Eröffnung des Seniorenzentrums und des Bürgerparks das Bemühen erkennen lasse, noch attraktiver zu werden. Mit zahlreichen Projekten trage die Gemeinde zur Familienfreundlichkeit bei und stelle die Weichen für den demografischen Wandel.
Die Pfarrer Jens Hans und Marianus Schramm baten anschließend um Gottes Segen für die Menschen, die von den neuen Einrichtungen Gebrauch machen werden. Ihr Rat angesichts der ausgebesserten Hauptstraße an alle Zuhörer: "Bereitet dem Herrn den Weg."

Der ganze Ort strahlte Freude


Begleitet von Musikverein und Gesangverein sowie heiter eingestimmt von den Kindern aus dem Kindergarten St. Marien verbrachten die Gundelsheimer frohe Stunden in ihrer lebendigen Ortsmitte. Schließlich blinzelte auch noch die Sonne durch die Wolken. Und endlich strahlte der ganze Ort Freude.