Die Anwohner an der Markus- und Steinertstraße nahmen die Entscheidung des Stadtrats mit Enttäuschung zur Kenntnis. Bei Uni-Präsident Godehard Ruppert löste sie Zufriedenheit aus. Der Senat für Stadtentwicklung gab am Mittwoch grünes Licht für den Bau eines bei Nachbarn und Denkmalschützern umstrittenen Hörsaal-Gebäudes sowie zweiter weiterer Bauabschnitte auf dem Freigelände hinter dem Marcus-Haus. Mit dem Bau des Hörsaals soll noch heuer begonnen werden.
Obwohl der Freistaat als Bauherr keine bauordnungsrechtliche Zustimmung des Stadtrats braucht, so wurde das planungsrechtliche Einverständnis mit einem einstimmigen Beschluss doch von den Beteiligten als ein wichtiges Signal für den Hochschulstandort Bamberg gewertet.

Für die Uni überlebenswichtig
Vor der Abstimmung hatte Uni-Präsident Ruppert noch einmal die zentrale Bedeutung der Erweiterungspläne für die Zukunft der Otto-Friedrich-Universität hervorgehoben. Mit dem Bau eines Hörsaalgebäudes sowie in den folgenden Abschnitten eines Seminargebäudes und einer Innenstadt-Mensa soll die mittlerweile kaum noch zu ertragende Raumnot der Universität mit ihren 8800 Studiernden gelindert werden.
Doch glaubt man Ruppert, geht es nicht nur darum, bis zum doppelten Abiturjahrgang 2011 neue Flächen zu schaffen, sondern auch um die Zukunft der Universität nach 2020, wenn die Studentenzahlen voraussichtlich wieder drastisch einbrechen. „Käme es zu einem Nein aus Bamberg, obwohl die Erba nicht zur Verfügung steht und sich auch an der Feldkirchenstraße keine Alternative anbietet, würde sich in den Köpfen in München das Urteil festsetzen, dass Bamberg ein schwieriger Standort ist und dass man hier einfach nicht weiter kommt“, sagte Ruppert.
Gegen die Pläne für das bisher als Stellfläche genutzte Quartier zwischen Steinert-, Markusstraße und Schiffbauplatz hatte nicht nur eine Initiative von 165 Einwohnern vielfältige Einwände vorgebracht. Auch das Landesamt für Denkmalpflege, die Heimatpflege, das Welterbezentrum sowie die Fraktionen v von SPD und GAL hatten Bedenken wegen der Massivität der Baukörper geäußert. Ihre Forderung an das Feder führende Staatliche Bauamt: Die Dimensionen der zwei viergeschossigen und 14 Meter hohen Gebäude sollten verringert werden.
Zumindest Stadtrat und das Landesamt für Denkmalpflege haben die Korrekturen, die bei den Planern daraufhin vorgenommen wurden, überzeugt. Alle Fraktionen gaben der Variante B den Vorzug, die gegenüber der ursprünglichen Planung um zwei Meter in der Breite und 60 Zentimeter in der Höhe abgespeckt ist. Außerdem soll sie fünf Meter von der Markusstraße abgerückt werden.

Vorgezogene Genehmigung
Die Verkleinerung bringt für die Beteiligten zwei Vorteile. Einerseits verkleinert sie die Baumasse, die auf dem 9 700 Quadratmeter großen Gelände entsteht, so, dass nicht nur Baureferent Zistl-Schlingmann von einer verbesserten Qualität sprach. Andererseit wird durch die Einhaltung der Abstandsflächen die baurechtliche Voraussetzung für eine so genannte vorgezogene Baugenehmigung geschaffen, die auch ohne Nachbarzustimmung erteilt wird. Für den Freistaat und die Universität bedeutet dies: Sie kann mit dem Bau sofort beginnen.

Hier finden Sie Modellfotos des Projekts.