Schon vor dem offiziellen Ausgabetermin hat sich am eigens aufgebauten Pavillon eine Schlange gebildet. Natürlich im gebotenen Abstand in Corona-Zeiten. Geduldig warten die Kinder - manche an der Hand ihrer Mama oder ihres Papas - auf die angekündigte Überraschung. Auf die willkommene Abwechslung im Anker-Zentrum, der ersten Anlaufstelle für Asylbewerber in Oberfranken - mitten im Lockdown .

"Wenn es den Kindern gut geht, geht es den Eltern auch gut!", fasst Peter Ehmann die hintergründige Motivation für diese außergewöhnliche Aktion zusammen. Der Geschäftsführer des Caritasverbandes Bamberg-Forchheim sowie Ombudsmann in der Anker-Einrichtung gehört zu ihren Initiatoren. Ohnehin unterhält die Caritas darin eine Eltern-Kind-Gruppe mit Rückzugs- und Spielmöglichkeiten. Deren Betreuerinnen Hayat Caidou-Dachwald und Asmaa Laroussi wissen also nur zu gut, womit den jüngsten Bewohnern der Einrichtung eine Freude gemacht werden kann.

Kinderlieder und Luftballons

Und dann ist es Gongschlag zehn Uhr morgens. Peter Ehmann ist da, auch der Leiter der Einrichtung , Regierungsdirektor Jürgen Wolf : "Ich bin sehr dankbar, dass die Caritas diese Aktion macht", sagt er. Kinderlieder vom CD-Player erwärmen förmlich die kalte Winterluft, Luftballons setzen farbige Akzente in den grauen Januartag. Über hundert prall gefüllte "Freudentaschen" reichen die Betreuerinnen in ausgestreckte Kinderhände: "Wir haben alles in Bamberg eingekauft", versichert Hayat Caidou-Dachwald. Der Caritasverband habe die Geschenke finanziert, die Bamberger Zahnarztpraxis Stefan Burkard und Dr. Michael Rückel hätten die Zahnbürsten und -cremes gesponsert: "Wir wollen Zahnhygiene unterstützen und mit Spaß verbinden", begründet Peter Ehmann diese eher praktischen Zutaten in der Tasche.

Der kleine Roja strahlt

Der dreijährige Roja strahlt über sein ganzes Gesichtchen, als er die große Leinentasche in Empfang nimmt. Flugs schaut er in diese "Wundertüte" und zieht jauchzend ein Puzzle heraus. Behält es gleich fest in den Händchen und überlässt die Tasche seiner Mutter . Lächelnd lässt sie hineinschauen: Da gibt es Malbücher, Buntstifte, einen Anspitzer, Knetgummi, Traubenzucker, Duschgel für Kinderhaut und eben die Zahnbürste samt -pasta.

Frohes Kinderlachen erfüllt den Platz. Und damit niemand der Kleinen auf die Idee kommt, sich ein zweites Mal für eine "Freudentasche" anzustellen, hat jeder beim Abholen einen Stempel auf den Handrücken als Beleg bekommen.