"Pfui, das stinkt!", hört man ein kleines Mädchens rufen, es klingt besonders nölig, weil es sich gleichzeitig die Nase zuhält. "Müsst ihr hier alles vollqualmen?", echauffiert sich ein etwas älterer Mann. Diese und ähnliche Reaktionen Bamberger Passanten kamen zum Vorschein, als sie am Samstag in der Innenstadt der mobilen Bamberger Greenpeace-Gruppe begegneten. Sechs Umweltaktivisten zogen mit dem Modell eines Kohlekraftwerks durch die Fußgängerzone und zur besseren Anschaulichkeit tat auch ihr Modell das, was ein normales Kohlekraftwerk tut: Es rauchte und stank ordentlich.

Hintergrund dieses Protestes war ein deutschlandweiter Aktionstag gegen Braunkohletagebau. Den aktuellen Anlass bildet der geplante Ausbau von weiteren Braunkohletagebauflächen. Für die Bamberger Greenpeace-Gruppe war es selbstverständlich, sich ebenfalls an den Protesten zu beteiligen. Doch warum genau müssen sich damit auch die Bamberger Bürger befassen? "Das Hauptproblem ist, dass die Energiewende damit generell in Frage gestellt wird. Neuer Braunkohleabbau ist komplett überflüssig, mit der momentan ausgewiesenen Menge würde man bis 2020, sogar bis 2025 deutschlandweit haushalten können. Und trotzdem sollen nun neue Abbauflächen ausgewiesen werden", erklärt Florian Beck von der Bamberger Greenpeace-Gruppe. Dies betrifft im aktuellen Fall nicht den fränkischen Raum, sondern vor allem in Sachsen die weitere Umgebung von Leipzig. Dort entsteht nun ein Abbaugebiet, dass von seiner Fläche her ganz Bamberg, Hallstadt, Gaustadt, Stegaurach, Debring, Lichteneiche und Teilen Bischbergs entsprechen würde.

Neben diesem Eingriff in die Natur und der Zwangsumsiedlung von Bewohnern gibt es auch die in der Bamberger Fußgängerzone ersichtlichen Folgen. Die Verbrennung von Kohle bringt gravierende Folgen für die CO2 -Emission (pro Tonne gewonnener Kohle ebenfalls eine Tonne Ausstoß) mit sich, und dann kommt noch dazu, "dass Kohle einfach einen völlig unrentablen Wirkungsgrad besitzt." Deshalb wirke es seit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie bei gleichzeitigem Beitritt zur Energiewende wie ein perfider Rückschritt, auch angesichts ständiger Beweise für Photovoltaik und Windkraftgewinnung. Jedoch auch letztgenannte ist gerade im fränkischen Raum heftigem Widerstand ausgesetzt. Und wie zum Beweis kommt ein Windradgegner am Greenpeace-Stand auf dem Maxplatz vorbei. "Die verschandeln die Landschaft", schnauzt er und spricht damit wohl einigen Franken aus der Seele.

Auch Florian Beck hält die Windkraftgewinnung zumindest in Franken für fragwürdig: "Zu den Windrädern kommen ja auch noch Stromtrassen, die dann verlegt werden müssen. Ich bin eher der Meinung, dass man auf eine dezentrale Energiewende setzt, sprich, die Ressourcen anzapft, die auch vor Ort vorhanden sind." Im Fall Frankens wären dies vor allem Solarenergie und die Nutzung von Erdwärme, "so viel Wind weht hier gar nicht, als dass sich das lohnen würde."

Doch Beck weiß auch, wie schwierig es ist, den vernünftigen Weg durchzusetzen. Denn über allem stehen nun mal die Interessen der Politik und von Lobbyverbänden, und regionale Interessen wie im Falle des Braunkohleabbaus in Sachsen haben dann eben Vorrang. "Aber deswegen gibt es dann Gruppen wie Greenpeace, die unabhängig agieren und sich somit auf ihre Kernbotschaft konzentrieren können." Bleibt zu hoffen, dass das stinkende, rauchende Pappkraftwerk einige Bamberger Bürger erreicht hat.