Mit Schwung in die "Goldenen 20er": Seit genau 20 Jahren wird im Markt Hirschaid die fünfte Jahreszeit nach den Regeln der Narrenzunft begangen - feuchtfröhlich und mit "Häschaad Helau!" Ja, und dieses kleine Jubiläum spiegelt sich in der Saison 2018/19 im Programm und in so manchen Details. So traten bei der Inthronisation des neuen Prinzenpaares Martin I. und Prinzessin Alexandra I. im Outfit der "Goldenen 20er" des letzten Jahrhunderts in Erscheinung, um die Huldigungen ihrer närrischen Untertanen entgegenzunehmen.

In schöner Tradition wechselte dafür das Möbelhaus XXXL Lutz Neubert die Kulisse: Die Weihnachtsdeko kurz mal weg und dafür eine glitzernde Narhalla aufgebaut. Der Chef des Hauses, Ralf Schöbel, und Regionalleiter Günter Raudner wurden zum Denk für diese Gastfreundschaft später mit Orden dekoriert.

Gäste aus Sonneberg

Zwei wuchtige Sessel standen bereit, um die Häschaadä Tollitäten mitsamt ihrem Hofstaat und närrischen Gästen vom Faschingsverein Kuckuck aus Sonneberg präsentieren zu können. Aus Thüringen angereist waren nämlich Prinz Michael IV. und Ihre Lieblichkeit Prinzessin Sabrina I. nebst ihrem Präsidenten Sascha Reichenbacher. Sie grüßten mit fröhlichem-keckem "Kuckuck Helau!"

Eingerahmt vom Häschaadä Elferrat, diversen Edelfräuleins und der jungen Nachwuchsgarde vom Tanz-Rhythmus Hirschaid ergab sich ein imposantes Bild vitaler Narretei, Lust und Laune, Spaß an der Freud. Und da ließ sich auch das zahlreiche Publikum gerne zum Schunkeln und Mitsingen animieren. Gerlinde Stache bewährte sich dabei einmal mehr als charmante und wortgewandte Zeremonienmeisterin der Proklamationsveranstaltung, die in bewährter Weise vom "Hofmusikanten" Uwe Krapfenbauer musikalisch begleitet wurde.

Mit einer furiosen Tanzdarbietung bewies die Nachwuchsgarde ihre Frühform, bevor das vormalige Hirschaider Prinzenpaar Christoph I. und Verena I. In launigen Worten auf eine glückliche Regentschaft zurückblickte und seine Insignien - Zepter und Schärpe - an die Nachfolger übergaben. Zum ersten Mal sind die Häschaadä Tollitäten Zugereiste, aber in Sachen Karneval sind sie versiert: Umgeben von Weinbergen wuchs Prinz Martin I. in der Pfalz auf; seine Prinzessin Alexandra - im wirklichen Leben seine Ehefrau und Mutter von drei Töchtern - kommt aus dem Saarland. Zwischen Mainz und Köln hat sie schon seit ihrer Jugend Freude am Gardetanz gefunden.

Schlüsselübergabe

Ein Pfälzer also und eine Saarländerin regieren Hirschaid in der fünften Jahreszeit. Das kommentierte Bürgermeister Klaus Homann (CSU) bei der unfreiwilligen Übergabe des Rathausschlüssels: "Es hätte schlimmer kommen können!"

Bis zum Aschermittwoch, der nächstes Jahr erst am 6. März ist, steht dem Prinzenpaar eine sehr lange Saison mit sicher vielen Höhepunkten bevor. Ganz Hirschaid freut sich schon auf die beiden Prunksitzungen am 15. und 16. Februar 2019, für die der Kartenvorverkauf am 8. Dezember von 11 bis 13 Uhr im Haus der Bäuerin beginnt.

In ihrem Prolog zum Amtsantritt ließen die beiden Neubürger als Prinz und Prinzessin durchklingen, dass sie mit spitzer Zunge und hintergründigem Witz zu begeistern verstehen. Und die Verleihung von Orden an die verdienten Funktionäre klappte dann auch auf Anhieb. Nur den für die "Goldenen 20er" obligatorischen Charleston (bis zu 75 Tankte pro Minute) blieb das Prinzenpaar bei der Proklamation noch schuldig. Aber so gekonnt wie es einen Walzer (60 Takte pro Minute) aufs Parkett drehte, wird der bald 100 Jahre alte Modetanz aus der amerikanischen Hafenstadt Charleston sicher bald zu seinem Repertoire zählen. Man denkt an Josefine Baker und freut sich auf das, was da im Hirschaider Fasching kommen möge.