Klimaforscher Lüers geht davon aus, dass solche Extremereignisse künftig häufiger vorkommen und an Stärke zunehmen. Entwarnung aus dem Gartenamt der Stadt Bamberg: Der Sturm, der am Samstagnacht über Bamberg fegte, hatte nicht die zerstörerische Gewalt seines Vorgängers vom 22. Juni 2011. Damals schlug der Orkan im Stadtgebiet eine Schneise der Vernichtung; über 150 Bäume fielen den von Süden kommenden Böen zum Opfer.

Am zurückliegenden Wochenende wehte der Wind ebenfalls aus der für Bamberg so gefährlichen Richtung - von Süden. Doch auch wenn es im Hain oder im Luitpoldpark vereinzelt so aussah, als hätte ein Tornado gewütet, so halten sich die Verluste doch in Grenzen, wie Michael Gerencser vom Gartenamt in einer vorläufigen Bilanz mitteilte: "Obwohl der Sturm mit über 80 Stundenkilometer über Bamberg peitschte, waren die zu verzeichnenden Schäden nicht ganz so schlimm wie vor fast einem Jahr."

Dennoch hat Bamberg wieder etliche stadtbildprägende Bäume verloren. Ein großer Eschenahorn krachte in der Unteren Sandstraße zu Boden, eine alte Eiche wurde vom Wind am Rande der Gartenstadt gefällt, eine gewaltige Pyramidenpappel stürzte auf das Dach des Welcomehotels unweit der Mußstraße. Insgesamt wurden 16 Bäume in öffentlichen Anlagen entwurzelt oder von den Böen so zerfetzt, dass sie gefällt werden müssen. Nach dem Durchgang der Front sah mancher Park teilweise wie gerupft aus. Das lag daran, dass der Sturm zahllose Stark-Äste zu Boden gerissen und wie im Fall einer stadtbekannten Magnolie am Schillerplatz ein Bild der Zerstörung hinterlassen hat, auch wenn es nicht zur Entwurzelung kam. Hier wie an vielen Stellen in der Stadt werden die Mitarbeiter des Gartenamts noch Wochen beschäftigt sein, um die Folgen des Unwetters zu beseitigen.


Windstärke neun



Die maximale Windgeschwindigkeit wurde nach den Aufzeichnungen an der Bamberger Wetterwarte am Samstag kurz vor Mitternacht mit 87 Stundenkilometern erreicht, das entspricht Windstärke neun (Sturm), was die Zerstörungen aber nur zum Teil erklärt. Um einen großen Baum zu entwurzeln, braucht es deutlich höhere Windgeschwindigkeiten. Eine Erklärung dafür hat Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdiensts. Er führt die Schäden auf extreme Fallwinde zurück, die auf dem Boden auftreffend in die Horizontale umgelenkt und in den Straßenschluchten wie durch eine Düse zusätzlich beschleunigt werden. Solche Fallwinde, wie sie beim Zusammenprall von unterschiedlich temperierten Luftmassen auftreten, lassen die Windgeschwindigkeit kurzfristig weit über Orkanstärke anwachsen. "Dadurch entstehen Schäden, die typischerweise räumlich eng begrenzt sind."

Einen Tornado, wie ihn Wettermelder in Unterfranken gesehen haben wollen, war das Sturmereignis am Samstagnacht nach Erkenntnissen von Friedrich nicht. "Manche haben gesehen, wie eine schwarze Wand auf sie zukam. Doch ohne rotierende Bewegung und einen Rüssel, der bis zum Boden reicht, ist es kein Tornado", sagt Friedrich.

Zu der Annahme, dass Fallwinde die Zerstörungen ausgelöst haben, passen auch Erkenntnisse von den Vorgängen in der Atmosphäre über Bamberg, die Wetterbeobachter Stefan Ochs im Vorfeld der Front gewonnen hat. Laut Ochs stieg die Temperatur am Samstagabend zwischen 19.30 Uhr und 20 Uhr bei starkem Südwind von 29 auf 33 Grad, während gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit 45 auf 17 Prozent sank. "Solche Werte sind typisch für den Föhndurchbruch in Gebirgstälern." Seine Erklärung: "Hier wurde Luft aus 800 Metern Höhe mit großer Kraft zur Bamberger Wetterstation hinabgedrückt."


Ziegel in den Hof geschleudert



Wie mit einer Riesenhand ist der Sturm auch in die Turmstube der Altenburg gefahren. Die Folge: Der Wind schleuderte etliche Ziegel in den Burghof. Mehrere Quadratmeter Dachfläche auf dem oberen und unteren Dachkranz wurden abgedeckt, kniffelige Reparaturen müssen nun erfolgen - nicht das erste Mal. Sturmtechnisch hat der Altenburgverein in den letzten Jahren einige Erfahrungen sammeln können. "Nachdem es offensichtlich immer häufiger Orkane gibt, haben wir fast schon Routine darin", sagt Burgbaumeister Paul Einwag.

Die These, dass künftig immer heftigere Gewitter und Starkregenfälle über das ansonsten eher beschauliche fränkische Hügelland herfallen, entspricht den Prognosen für die Zeiten des Klimawandels. Meteorologe Johannes Lüers von der Universität Bayreuth sieht in solchen Sturmereignissen ein Zeichen, dass die Dynamik im Wettergeschehen bereits zugenommen, der Klimawandel begonnen hat.

Etwas anderes ist aus physikalischer Sicht auch kaum möglich. Denn wenn die Energie in der Geosphäre zunimmt, wachsen zwangsläufig auch Hochdruck- und Tiefdruckgebiete und mit ihnen die Luftdruckgegensätze und Windgeschwindigkeiten. Kommt es wie am Samstag dazu, dass warme feuchte Luft aus Süden auf trockene, kühlere Luft aus Nordosten trifft, dann entsteht ein hochexplosives Gemisch. Laut Lüers werden solche Wetterlagen Franken künftig noch häufiger treffen.

Gleis blockiert Unfreiwillige Stunden verbrachten etliche Fahrgäste einer Regionalbahn zwischen Bamberg und Oberhaid. Wegen eines auf die Leitung gefallen Baumes musste der Zug um Mitternacht anhalten. Aus Sicherheitsgründen durften die Fahrgäste die Bahn nicht verlassen, teilt ein Bahnsprecher mit. Die Fahrgäste wurden von Bamberg aus mit Taxis zu ihren Reisezielen gebracht. Wie Margit Kempf aus Haßfurt berichtet, war die Odyssee erst in den frühen Morgenstunden zu Ende.

Blackout Ohne Strom mussten für eine halbe Stunde mehrere Tausend Bewohner von Bischberg sowie von angrenzenden Stadtteilen in Bamberg auskommen. Wie Eon Bayern mitteilte, wurde der Blackout durch einen Baum ausgelöst, der auf den Trafo einer Gittermaststation in Rothof stürzte. Nach etwa einer halben Stunde gingen die Lichter wieder an.

Seelgasse versperrt Einen großen Baum entwurzelte der Sturm in einer Wohnanlage am Oberen Stephansberg. Der Baum stürzte auf das Dach der Anlage, riss einen hohen Holzzaun um und versperrte den Durchgang zur Unteren Seelgasse. Das Hindernis wurde durch die Feuerwehr entfernt. Der entstandene Schaden wird auf 4000 Euro geschätzt.

Dachschaden Durch den Sturm brach im Bereich des Schützenheimes in der Andreas-Hofer-Straße von einem Baum ein großer Ast ab und fiel auf das Dach eines Sommerhauses. Der Sachschaden beträgt rund 2500 Euro.

Service Unbürokratische Hilfe verspricht Michael Ilk, Werkleiter des Baubetriebes der Stadt. Um die im Zuge der Aufräumarbeiten anfallenden Baumabfälle und abgebrochenes Astwerk zu entsorgen, richtet der Baubetrieb einen Sonderservice ein. Bürger werden gebeten, sich unter 0951/87-7120 und -7111 anzumelden. Wie bei den Gartenabfallsammlungen müssen die Abfälle gut sichtbar und anfahrbar für Lastkraftwagen mit Ladekran zur Abfuhr bereitliegen.