Der Anfang vor zwanzig Jahren, damals noch Am Knöcklein, war überschaubar: zwei Klassen, 20 Schüler und ein Büro. Heute, inzwischen in der Hartmannstraße, präsentiert sich die Adolph-Kolping-Berufsschule als stattliche Einrichtung mit 450 Schülern, 60 Schulklassen und 41 Lehrkräften. "Bereits ein Jahr nach der Einführung der neuen, privaten Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung zogen wir in unser heutiges Domizil, in die Räume der ehemaligen Schuhfabrik Waldi um", erinnert sich Schulleiter Andreas Pump. Zudem wurde Anfang 2000 ein weiteres Gebäude in der Kloster-Langheim-Schule eröffnet, um der steigenden Schülerzahl gerecht zu werden.

Ziel der Gründung der Adolph-Kolping-Berufsschule war es, Schülern eine Chance zu geben, die in einer Regelberufsschule nicht voran kommen. "Wir hatten festgestellt, dass es eine große Zahl an Schulabgängern gibt, die zwar in ihrem Beruf handwerklich geschickt arbeiten, aber an Regelberufsschulen nicht zuletzt auch wegen der großen Klassen und der dort ungenügenden individuellen Betreuung überfordert sind", berichtet Schulleiter Pump. Hier helfe die staatlich anerkannte Berufsschule weiter. Durch kleine Klassen, mit höchstens 17 Schülern, gehe es an der Adolph-Kolping-Berufsschule fast schon familiär zu. Ein individuelles, Diagnose geleitetes Eingehen auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler stehe dabei im Mittelpunkt, ebenso wie ein persönlicher Bezug zwischen Schülern und Lehrern. "Wir verfolgen das Klassenlehrerprinzip und sind bemüht, dass die Schüler möglichst während ihrer dreijährigen Schulzeit immer einen festen Ansprechpartner haben", ergänzt Christoph Körber, stellvertretender Schulleiter. Die Lehrer hätten zudem auch immer ein offenes Gehör für die Probleme ihrer Schüler.

Auch arbeitet an der Schule ein Sozialpädagoge, der sowohl in schulischen als auch in schwierigen privaten Situationen den Schülern zur Seite steht oder in verschiedenen Projekten den Schülern beispielsweise beibringt, wie man Konflikte gewaltfrei löst. Allerdings, so betont Andreas Pump, sei die Kolping-Berufsschule keine Konkurrenz zu "normalen" Berufsschulen, sondern vielmehr eine Ergänzung.

Derzeit sind an der Kolping-Berufsschule elf Fachrichtungen möglich. Sie reichen von Farb- und Frisurentechnik, über Metall- und Kfz-Technik bis hin zu Gartenbau und Hauswirtschaft. "Wir passen uns aber auch immer den aktuellen Gegebenheiten am Arbeitsmarkt an und versuchen auf die regionalen Begebenheiten zu reagieren", schildert Pump. Die Ersatzberufsschule steht unter der Trägerschaft des Kolping-Schulwerk-gGmbH Bamberg. Sie ist zwar eine private Schule, aber monatliche Schulgebühren fallen keine an. Das Einzugsgebiet der Schule umfasst ganz Westoberfranken. 15 Prozent der 450 Schüler kommen aus Bamberg. Der Frauenanteil an der Schule beträgt aktuell an die 40 Prozent. Die Bamberger Schule ist in Bayern eine von rund 50 Ersatzberufsschulen und die größte ihrer Art in Oberfranken.

Neben der Werker- und der Vollausbildung an der Berufsschule - der Lehrplan ist identisch mit dem der Regelberufsschulen - bietet die Adolph-Kolping-Berufsschule ferner das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), das Arbeitsqualifizierungsjahr (AQJ) und berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) an. "Diese Angebote richten sich speziell an Jugendliche, die vor Beginn einer Ausbildung oder einer Arbeitsaufnahme eine besondere schulische Vorbereitung in dem für sie geeigneten Berufsfeld benötigen oder den einfachen Hauptschulabschluss erwerben möchten", so Körber.