Ebrach
Historie

Gemälde, Messgewänder und ein Giftstein

Eine Sonderausstellung im "Museum der Geschichte Ebrachs" erinnert an Abt Eugen Montag.
Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider (links) und Museumsverwalter Viktor Fieger betrachten das Gipsmodell des Abtes Eugen Montag. Das Museum ist täglich von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Foto: privat
Noch bis zum 26. Juni ist im "Museum der Geschichte Ebrachs" die Sonderausstellung "Abt Eugen Montag und sein Kloster Ebrach" zu sehen. Eugen Montag war der 49. und zugleich letzte Abt der Zisterzienserabtei Ebrach.
Um den 1811 in Oberschwappach gestorbenen Staatsrechtler und Wirtschaftsfachmann zu würdigen, findet am 22. Mai neben einem Festgottesdienst mit zwei Zisterzienseräbten auch ein Festvortrag von Prof. Wolfgang Wiemer statt. Begleitend dazu ist die Sonderausstellung konzipiert.

In den Räumen, die damals der Abt bewohnte, ist heute das Museum untergebracht. Hier soll in der Sonderausstellung versucht werden, Einblick in die damalige Zeit zu geben. Wie sah das damalige Ebracher Umfeld aus? Wie war der Umgangston in den "Höheren Kreisen"? Wie waren die damaligen Vermögensverhältnisse des Klosters und wie hat sich der pflichtbewusste Abt beim Übergang vom 18. in das 19. Jahrhundert und der Säkularisation 1803 eingebracht?


Abtsstab und Mitra


In Karten mit vielen Einzelheiten, in Dokumenten, Briefen und Verzeichnissen kann man nachvollziehen, wie das Leben im Kloster und der Kontakt zur Welt außerhalb der Klostermauern war, heißt es in einer Pressemitteilung des Marktes Ebrach. Zwei Gemälde, Abt Eugen Montag und sein Bruder Hauptmann Mathias von Montag, aus Privatbesitz in Bamberg, sowie ein Kruzifix und zwei Reliquienpyramiedlein aus Aschaffenburg wurden ausgeliehen. Die Diözese Würzburg (Pfarrei Oberschwappach) stellte ein Messgewand mit Stola, Bursa und Manipel bereit und die katholische Kirchenstiftung Ebrach den Original-Abtsstab und die Mitra von Abt Eugen Montag.

Aus Privatbesitz ist ein sogenannter Giftstein zu sehen, den Eugen Montag seinem Schwager, dem Forstmeister zu Ebrach, mit folgendem handschriftlichen Vermerk schenkte: "Wahrer Giftstein wider wüthige Hundebisse. Es wird an die Wunden gehängt, wann er Abfallt in Milch gelegt, wo das Gift herausgezogen wird; ist er in dieser gereinigt, so hänge ihn wieder an die Wunden, so lang bis der Stein nicht mehr hangen bleibt, zuletzt wird er wieder in Milch gereinigt und aufbehalten". Das Staatsarchiv stellte das Gipsmodell des Abtes Eugen Montag zur Verfügung. Die Originalfigur Montags ist als Vertreter der Geschichtswissenschaft, großer Gelehrter und Abt Frankens neben Markgraf Friedrich von Brandenburg-Kulmbach, Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn und Balthasar Neumann auf dem neubarocken Archivgebäude, dem heutigen Staatsarchiv Bamberg, mit einer monumentalen Plastik vertreten.

Geldanlage unter falschem Namen


In der Ausstellung wird auch gezeigt, dass auch in Kirchenkreisen manchmal Geschäftspraktiken angewendet wurden, die Parallelen zur heutigen Zeit aufweisen. So legte am 9. März 1803, zwei Monate vor der Klosterauflösung, der Säkularisationskommissar Heffner der Spezielkommission der neuen bayerischen Regierung in Würzburg eine Aufstellung über die Kapitalanlagen der Abtei Ebrach im Jahre 1803 vor. Die Gesamtsumme betrug 331 897 rheinische Gulden und war in Teilbeträgen aufgeschlüsselt. Der Überschuss wurde zum Teil bei Banken angelegt. Davon war auch ein Betrag von rund 35 000 Gulden bei der kaiserlichen Stadtbank Wien unter falschem Namen angelegt, "um den Ruf des Reichtums des Klosters nicht zu vergrößern". Am 2. Mai 1803 verkündete Syndikus Stupp die Auflösung der ältesten rechtsrheinischen Zisterze.

Bei der Ausstellungseröffnung begrüßte Bürgermeister Max Dieter Schneider (SPD) auch Verwandte von Abt Eugen Montag. Museumsverwalter Viktor Fieger sprach unter anderem über die Schwierigkeiten, die sich bei der Suche nach einigen Dokumenten ergaben.
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