Für die Kulturelle Dorfgemeinschaft Geisfeld ist der Faschingszug ein Lieblingsritual. Und mehr denn je auch ein organisatorischer Kraftakt.

An kreativ erzählbaren Ereignissen herrscht zwar kein Mangel, an umsetzbaren Transport-Bedingungen schon. Die neuen Auflagen für Faschingszüge fordern neben technischen und baulichen Vorkehrungen inzwischen Personalaufstockung: Weil pro Fahrzeug mindestens zwei Begleiter sichern müssen, war der Geisfelder Gaudiwurm im Vorfeld plötzlich Wackelkandidat - aber glücklicherweise nur kurz.

Allen Regenprognosen zum Trotz und von wasserfesten Bodyguards begleitet, drehte sich am Faschingsdienstag wie geplant dann doch alles um Storys aus der Welt und aus dem Dorf. Flankiert vom traditionellen Strohbären, von Hexen mit handgeschnitzten Masken und von der vereinseigenen Blaskapelle, war fantasievolle Alltags-Bewältigung angesagt.

Honigbrot-Alarm

Samba-Maßnahme wegen Hitze-Klima, Bienen-Förderung leicht gemacht: Mit noch heißeren Rhythmen, Blumensamen und Honigbroten zeigte Geisfeld, wie man globalen Widrigkeiten pragmatisch begegnet. Als fahrender Newsletter kommentiert der Faschingszug auch das zügellose Biber-Treiben in der näheren Nachbarschaft. Und beschäftigte sich nebendran mit den Verlustängsten der Geisfelder rund um die reduzierte Gastronomie und deren versiegende Zaubertränke, warb direkt dahinter um Chor-Nachwuchs und diskutierte ein hartnäckiges Laut-Leise-Problem direkt auf zwei Bühnen. Alarm ohne Feuer und Feuer ohne Alarm: Nach einem Hacker-Angriff ist die Geisfelder Feuerwehr immer noch mit der Aufarbeitung einiger misslicher Situationen beschäftigt.

Ab in die Tonne

Nachbarschaftshilfe ist in der wilden Zeit ohnehin selbstverständlich. Geisfeld-Hexen besuchen Roßdorf, Roßdorf bereichert den Geisfelder Faschingszug - die erfinderischen Direktnachbarn beklagten diesmal den partiellen Weltuntergang rund ums Aussterben diverser Spezies und das mit gewohnt freundlichem Galgenhumor.

Ab in die Tonne: Das große Finale mit Strohbär gab's dann diesmal am Kirchplatz. Als Partner-Veranstalter ergänzte der Sportverein DJK-SV-Geisfeld das kulinarische Angebot mit Bratwurst, Kaffee und Kuchen um einen wettergeschützten Kaltgetränke-Ausschank im Pfarrsaal. Ohne Kinderanimation - das war der einzige wirkliche Wermutstropfen am fröhlichen Feier-Tag. Für diesen Kurz-Job ließ sich tatsächlich niemand auftreiben.