Der Fall in Dörfleins zeigt, wie wichtig es ist, Kinder zu sensibilisieren. Vorneweg: 90 Prozent der Straftaten gegenüber Kindern passieren in ihrem sozialen Umfeld. Das heißt allerdings nicht, sein Kind nicht auf die Gefahren hinweisen zu müssen, die auch von fremden Menschen ausgehen können. Doch wie thematisiert man so etwas in der Familie? Was genau können Eltern tun, um ihre Kinder zu schützen? Wie geht man an das Thema heran, ohne das Kind zu verängstigen? Und wie verhält es sich richtig, wenn ein Unbekannter es auffordert, ins Auto einzusteigen?

Experten raten, schon frühzeitig das Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken. Selbstbewusstsein sei der beste Schutz. Ganz konkret geben Polizei und Gewaltprävention- Initiativen aber auch Tipps. Die wichtigsten haben wir hier zusammengetragen:


Nie allein

Kinder sollten stets in Gruppen, mindestens zu zweit, zur Schule oder zum Sportverein gehen. Sie sollten nur den vereinbarten Weg laufen und Hauptstraßen benutzen, die beleuchtet sind und wo viel Verkehr ist. Das sei besonders in der dunklen Jahreszeit wichtig. Dafür solle durchaus ein Umweg in Kauf genommen werden.


Schreien

Im Falle eines Falles sollten Kinder so laut schreien, wie sie nur können. Wenn Kinder belästigt werden, sollten sie möglichst "Feuer" statt "Hilfe" rufen. Hintergrund: Viele Passanten ignorieren Hilfe-Rufe, weil sie nicht in einen Streit hineingezogen werden wollen. Feuer dagegen erhöht die Aufmerksamkeit und treibt den Täter dadurch vielleicht in die Flucht. Eltern sollten mit ihren Kindern das Schreien üben.


Nie vor die Tür

Eltern sollten ihrem Kind zeigen, wo es an einem fremden Auto richtig steht. Es sollte sich immer hinter der Autotür aufhalten. Es sollte Abstand halten, um den Schwenkradius der Autotür zu nutzen. Sollte der Autofahrer wirklich versuchen, das Kind ins Auto zu zerren, so müsste er aussteigen, weil es ihm nicht gelingen würde, ein Kind durch das offene Fenster ins Auto zu ziehen.


Codewort

Eltern sollten mit ihren Kindern ein Familienkennwort bzw. Codewort vereinbaren. Wenn ein Autofahrer das Grundschulkind auf dem Schulweg anspricht und es bittet einzusteigen, sollte das Kind den Autofahrer nach dem Codewort fragen. Dieser Trick lässt sich auch an der Haustüre, auf dem Spielplatz oder in anderen Situationen anwenden. Das Kind kann das Wort auch einsetzen, wenn ein Unbekannter behauptet, der Vater oder die Mutter sei im Krankenhaus und er habe den Auftrag das Kind dorthin zu fahren.


Zuschlagen

Lässt ein Angreifer nicht ab, sollte sich das Kind mit aller Kraft wehren: Es muss wissen, dass es im Notfall beißen, kratzen oder in die Genitalien treten darf.


Fliehen

Bemerkt ein Kind, dass es auf dem Heimweg verfolgt wird, sollte es rennen, aber nicht planlos. Am besten sollte es sich in ein Restaurant, ein Altenheim, eine Arztpraxis, ein Geschäft oder eine sonst sichere Anlaufstelle flüchten. Also an einen Ort, wo Menschen sind. Dort kann das Kind Hilfe erbitten.


Schlüssel statt Spray

Verteidigungssprays oder Schrillalarme können im Ernstfall versagen. Entweder weil sich Dreck festgesetzt hat oder es ist ganz unten im Schulranzen vergraben ist. Ein Schlüsselbund in der Tasche leistet im Notfall gute Dienste. Er kann ins Gesicht des Angreifers geworfen werden.


Notruf wählen

Besitzt ein Kind ein Handy, sollte es auf einsamen Wegen (wenn sich so etwas nicht vermeiden lässt) angeschaltet sein. Lässt sich ein Verfolger nicht abschütteln und ist keine "Rettungsinsel" in Sicht, sollte es den Polizei-Notruf 110 wählen, der auch dann noch funktioniert, wenn das Handybudget ausgeschöpft ist.


Üben

Eltern sollten mit ihren Kindern üben, eine Person oder ein Fahrzeug zu beschreiben (Alter, Größe, Aussehen,
Bekleidung / Kfz-Kennzeichen, Fahrzeugmarke, Farbe...)

Quellen:

www.sicher-stark.de

www.polizei.bayern.de/content/1/5/2/6/schutz_kinder.pdf

www.kinderpilot.de/10-tipps-kind-vor-gewalt-schuetzen