Bamberg
Denkmalschutz

Für den Schandfleck ist kein Geld mehr da

Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bremst die Hoffnungen auf eine schnelle Lösung für den Schandfleck Untere Mühlen. Er möchte vermeiden, dass die Stadtwerke eine neue defizitäre Aufgabe schultern müssen. Mindestens drei Investoren bekunden unterdessen Bereitschaft.
Seit vielen Jahren ein Schandfleck in Bamberg: Das ruinöse Gebäude der Sterzersmühle. Foto: Rinklef
Ein gemeinsamer Antrag von CSU und SPD brachte den Stein ins Rollen: Nach mehrjährigem Moratorium sind die Unteren Mühlen auf die politische Tagesordnung der Stadt Bamberg zurückgekehrt. Doch Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bremst die Hoffnungen auf eine schnelle Heilung der von vielen als Schandfleck empfundenen städtebaulichen Wunde: "Es liegt doch auf der Hand, dass die Umgestaltung der Unteren Mühlen Geld kosten wird", sagte der OB im Gespräch mit dem FT.

Starke wies darauf hin, dass sich die finanzielle Lage der Städte nach der Finanzkrise deutlich verschlechtert habe, ein Thema, das zufällig am gestrigen Dienstag auch im Finanzsenat beraten wurde. Wichtigste Botschaft: Die geschätzten Gewerbesteuereinnahmen verharren wohl auch 2012 auf niedrigem Niveau. Das Defizit im Vermögenshaushalt soll bei neun Millionen Euro liegen.


Ein Welterbezentrum auf den Unteren Mühlen, eine gastromische Nutzung, wie sie dem OB noch vor zwei Jahren vorschwebten, nun gar ein Kraftwerk ohne Bebauung scheint angesichts solcher Zahlen in weite Ferne gerückt. "Beides ist möglich, aber beides muss unter Finanzierungsvorbehalt stehen. Es kann nicht sein, dass die Stadtwerke eine neue defizitäre Aufgabe übernehmen", sagte der OB.

Die Zurückhaltung des Oberbürgermeisters, der noch 2006 die Sanierung der Mühlenreste fest zugesagt hatte, bleibt nicht ohne Widerspruch. Stadträtin Daniela Reinfelder wirft dem Stadtoberhaupt vor, das sensible Thema möglichst über die OB-Wahlen im März 2011 hinausschieben zu wollen. Sie kritisiert auch die "peinliche Zögerlichkeit" von CSU und SPD, die zwei Jahre nach einer Prüfung durch die Stadtwerke erneut die Prüfung eines Kraftwerks verlangten. Zudem hält sie es für einen Fehler, an dieser wichtigen Stelle allein der Wasserkraft Priorität zu einzuräumen. "Ein Kraftwerk zu bauen, ohne etwas darüber zu setzen, wäre eine städtebauliche Sünde", sagte Reinfelder.
Auch Ursula Sowa glaubt nicht mehr an eine schnelle Lösung für die Mühlen: Sie spricht davon, dass das Thema ausgesessen werden soll und beklagt sich darüber, dass der Stadtrat wichtige Informationen nicht erhält. Beispielsweise sei eine bereits vorliegende verkleinerte Überarbeitung der Pläne des Stuttgarter Wettbewerbsgewinners dem Stadtrat nicht vorgelegt worden. "Im Rathaus herrscht offenbar die pure Angst vor den Reaktionen der Bürger", mutmaßt Sowa.

Das Stuttgarter Architekturbüro Mahler, Günster, Fuchs, Gewinner des Realisierungswettbewerbs aus dem Jahr 2005 , hat nach wie vor einen Rechtsanspruch darauf, den Mühlenauftrag zu erhalten. Würde die Stadt einen anderen Architekten nehmen, würde das kosten: Von Abschlagszahlungen bis zu 160 000 Euro war am Dienstag die Rede. Zusätzlich sei damit zu rechnen, dass die Stadt Fördergelder in sechsstelliger Höhe zurückzahlen müsste, denn der Realisierungswettbewerb war öffentlich subventioniert.

Doch ein freiwilliger Verzicht kommt für den Stuttgarter Architekten Hartmut Fuchs nicht in Frage. Er würde gerne weitermachen, sagte er unserer Zeitung. Auch gegenüber "sinnvollen und realistischen Änderungen an den Vorgaben" ist Fuchs aufgeschlossen. Davon, die Ruinenreste in ein neues Haus zu integrieren, rät er allerdings ab. Da sei es sinnvoller, die Mauern als Ruine stehen zu lassen.

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