Es ist nicht genau bekannt, wer den Reset-Knopf gedrückt hat, aber der Neustart ereignete sich im Ältestenrat wenige Stunden vor der Stadtratssitzung im Hegelsaal. Es sind die Grünen, die es sich auf die Fahnen schreiben, den gordischen Fraktionsknoten zerschlagen zu haben, aber auch die Linken und die Fraktion von CSU und Bamberger Allianz reklamieren Geburtshelferdienste.

Jedenfalls hat sich das wochenlange Getöse um die Frage, wer mit wem und wer mit wem lieber nicht, am Mittwoch überraschend in Wohlgefallen aufgelöst. Nach einem Beschluss, gegen den nur der Bamberger Bürger-Block und die AfD intervenierten, scheint das Thema Machtarchitektur im Rathaus fürs erste geklärt. Es gibt jetzt im Stadtrat sechs Fraktionen, namentlich sind das Grünes Bamberg, CSU-BA, SPD, BBB, FW-BuB-FDP und BaLi-Die Partei. Volt-ÖDP-BM treten als Ausschussgemeinschaft auf den Plan: daneben gibt es eine ganze Reihe solcher Zweckbündnisse, die nur für die Besetzung von einzelnen Ausschüssen und Aufsichtsräten benannt wurden und im Fall etwa des gut dotierten Sitzes des Zweckverband Sparkasse so unterschiedliche Gruppen wie Freie Wähler, Bambergs unabhängige Bürger, FDP, Volt, ÖDP und Bambergs Mitte zusammenführt.

"Wir sitzen alle in einem Boot und müssen versuchen die Arbeitsfähigkeit von Stadtrat und Stadtverwaltung herzustellen", sagte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) , dessen Stimme sich nach "anspruchsvollen Wochen" mit unzähligen Besprechungen tatsächlich angeschlagen anhörte.

Die Probleme hat sich die Verwaltung freilich selbst eingebrockt, indem sie die überbordende Lust von 14 Parteien und Gruppierungen sich zu handlungsfähigen und damit größeren Einheiten zusammenzutun, mit zahlreichen rechtlichen Hindernissen konfrontierte. So schien es noch am Vortag der Sitzung so, als ob von den zahlreichen erwünschten Bündnissen nur wenige den harten Anforderungen auch der Regierung von Oberfranken genügen würde.

Doch natürlich gibt es neben der juristischen Perspektive auch eine politische. "Das letzte Wort hat der Stadtrat", lautete die Zauberformel, mit der OB Starke das Problem zu bannen versuchte. Seine Ratskollegen gerne griffen das gern auf. Es ist gut, nicht mehr nur juristisch zu denken", sagte etwa Heinz Kuntke (SPD). Auch Martin Pöhner von der FDP sprach von einer guten Entscheidung: In vielen Städten werde das üblicherweise so gehandhabt. Eine "kollegiale Lösung, die rechtskonform ist", urteilte Hans-Günter Brünker (Volt).

Das sahen freilich nicht alle so. Einen Kuhhandel nannte Norbert Tscherner vom Bamberger Bürger-Block die Vereinbarung. Er sah sich durch die Regelung bei der Besetzung von Ausschüssen mehrfach in eine Los-Entscheidung gezwungen. Ablehnung erntete das Papier auch bei der AfD. "Wir stimmen dagegen, weil es keine spiegelbildliche Beteiligung unserer Stimmen bedeutet. Dass die AfD aus allen Ausschüssen herausgehalten werde, sei sehr fragwürdig, sagte Armin Köhler.

Glosse des Autors:

Wo liegt das Problem?

Früher war die Welt nicht besser, aber einfacher. Es gab nicht mehr Gruppierungen im Bamberger Stadtrat als Hügel in der Stadt und nicht wesentlich mehr als sieben Wahrheiten. Heute erlebt das kleine Bamberg eine Inflation der Interessensträger, und es gibt seit Mittwoch die Ausschussgemeinschaft FW-BuB-FDP-Volt-ÖDP-BM-BaLi-Die Partei.

Dieses und weitere Wortungetüme sind, möchte man spontan meinen, überflüssig wie die Mohrenhausdebatte, aber real existent, weil das Ergebnis der Kommunalwahl am 15. März offenbar zwangsläufig in eine Lage geführt hat, die sprachlich ausweglos erscheint.

Was es für die Demokratie und diese Stadt bringt, wenn die Ausschussgemeinschaft FW-BuB-FDP-Volt-ÖDP-BM-BaLi-Die Partei Lucas Büchner in die nächste Sitzung des Zweckverbands Müllheizkraftwerk entsendet, oder wenn Daniela Reinfelder für die Ausschussgemeinschaft FW-BuB-FDP-Volt-ÖDP-BM in den Zweckverband der Sparkasse einrückt, wird sich weisen. Einstweilen muss man nüchtern feststellen, dass der neue Stadtrat zwei lange Monate gebraucht hat, um unter Aufbietung aller Kräfte überhaupt in einen arbeitsfähigen Zustand zu gelangen - und das hat nichts mit Corona zu tun. Hoffen wir also, dass die Arbeitsgeschwindigkeit im Rathaus in den nächsten fünfeinhalb Jahren nicht weiter indirekt proportional zur Länge der Name der Zweckbündnisse verläuft. Denn sonst wäre die Idee naheliegend, dass der Stadtrat nicht Teil der Lösung ist, sondern des Problems.