Sanft schaukelt der Bus hin und her, das Motorgeräusch und die Mittagshitze wirken einschläfernd. Nur noch wenige Schüler sind im Bus, aber die sind dafür umso besser gelaunt. Die Schule ist für heute aus und deshalb sind Andrea (Namen von der Redaktion geändert) und ihre Schulfreunde in Stimmung für Klatsch und Tratsch. Sie zeigen sich gegenseitig Dinge auf ihrem Handy, erzählen sich das Neuste und brechen immer wieder in lautes Gelächter aus.

Andrea kommt aus Aschbach und geht in Burgebrach in die Mittelschule. Normalerweise braucht der Bus eineinhalb Stunden nach Aschbach: Heute geht es etwas schneller, weil die Schüler eher Schulschluss haben und der Bus eine andere Route nimmt. Darüber freuen sich natürlich alle. Aber Andrea sagt auch: "Eigentlich ist der lange Weg nicht so schlimm wie es sich anhört. Man gewöhnt sich an die Fahrtzeit und wenn man sich gut unterhält, geht die Busfahrt sehr schnell vorbei".

Hausmeister hilft bei Koordination


Nach Schulschluss ist an der Burg ebracher Mittelschule einiges los: Viele Kinder und Jugendliche bahnen sich ihren Weg zu dem Bus, der sie nach Hause bringen soll. "Die meisten Schüler kommen direkt aus Burgebrach", erklärt Konrektor Jürgen Poppendörfer. Für die Schüler aus dem umliegenden Dörfern fahren vier Busse zu verschiedenen Zeiten. Da es Anfang des Schuljahres ist und viele Schüler noch nicht wissen, in welchen Bus sie müssen, koordiniert der Hausmeister die Aufteilung der Schüler auf die Busse.

26 Schüler fahren heute mit der Schlüsselfelder Linie: Die Stimmung ist entspannt, manche Jungen und Mädchen strecken sich im halb leeren Bus behaglich über beide Sitze. "Manchmal ist der Bus aber schon sehr voll. Wenn wir über Stappenbach fahren, müssen die ersten paar Minuten auch welche im Gang stehen, weil die Plätze alle belegt sind", erzählt Simon aus Aschbach. "Auch früh passiert das öfters. Ich hab auch schon gestanden, weil ich einem Kleineren meinen Sitz angeboten hab", erinnert sich Max aus Heuchelheim, bevor er wieder seine Kopfhörer aufsetzt, um Musik zu hören.

Reichmannsdorf ist der erste Halt auf der Route. An der Bushaltestelle steht eine Mutter und wartet auf ihr Mädchen, doch es steigt niemand aus. "Sarah, deine Mutter!" ruft der Busfahrer, der alle Kinder zu kennen scheint. Er weiß, dass Sarah eingestiegen ist. Und tatsächlich, die Kleine hat wohl nur ein bisschen vor sich hingeträumt und stolpert jetzt aus dem Bus. Drei Schüler steigen an der nächsten Haltestelle aus. Die Kleinsten werden an den Haltestellen schon von den Eltern erwartet, die sie nach Hause begleiten.

Zuhause ggen halb fünf


Zwölf Stationen fährt der Bus heute an, nach einer Stunde die in Ziegelsambach, eine Ortschaft knapp 20 Kilometer von Burgebrach entfernt. Florian aus Ziegelsambach, der letzte, der aussteigen muss, sieht es gelassen: "Ich kann die lange Fahrtzeit nicht ändern, also ärgere ich mich eigentlich nicht drüber", sagt er weise. Max, der Ganztagsschüler ist, hat vier mal in der Woche erst spät Schulschluss. Bei der langen Fahrtzeit bedeutet das, dass er erst gegen halb fünf nach Hause kommt. Start ist um halb sieben morgens. Er ist so lange in der Schule und auf dem Schulweg wie ein Berufstätiger im Arbeitsalltag.

Auf der gewöhnlichen Busroute haben die Schlüsselfelder den weitesten Weg: "Normalerweise bin ich eindreiviertel Stunden unterwegs", erzählt Johannes, "das ist schon ganz schön anstrengend". Vor Unterrimbach läuft ein Reh über die Wiese: So etwas sehen Stadtkinder auf ihrem Schulweg natürlich nicht. Auf schmalen Straßen lenkt der Fahrer den Bus durch die Dörfer, bei steilen Ansteigungen dröhnt der Motor und die kurvenreichen Landstraßen fordern fahrerisches Geschick.

Keine Hausaufgaben im Bus


Statt "die Zeit im Bus sinnvoll zu nutzen", wie es sich Eltern und Lehrer vielleicht wünschen würden, lassen sich die Schüler eher vom Spaßfaktor inspirieren. Jeder macht das, worauf er gerade Lust hat: Aus dem Fenster schauen, mit Freundinnen tratschen, über den Schultag nachdenken oder im Internet surfen. Hausaufgaben im Bus machen? Fehlanzeige. "Höchstens morgens auf der Hinfahrt. Die für die erste Stunde!", lacht Andrea, als sie kurz von ihrem Handy aufblickt.

Der kleine Stefan aus Aschbach geht in die zweite Klasse, er ist müde nach so einer langen Fahrt. "Ich schau mir nach der Schule gerne ein paar Cowboyfilme an", erzählt er. Aber am Abend ist er wieder fit. Er hat sich auf dem Flohmarkt ein ferngesteuertes Elektroauto gekauft und freut sich darauf, das mit seinem Papa auszuprobieren.