Der demografische Wandel und der damit verbundene Anstieg der Demenzerkrankungen stellen auch Krankenhäuser wie das Bamberger Klinikum vor neue Herausforderungen. Laut aktuellen Zahlen aus dem bayerischen Umwelt- und Gesundheitsministerium sind in Bayern derzeit rund 160 000 bis 180 000 Menschen an Demenz erkrankt. In zwanzig Jahren werden es fast 300 000 sein. Krankenhäuser stehen nun vor dem Problem, dass immer häufiger Patienten stationär eingeliefert werden, die neben ihrer eigentlichen Erkrankung auch noch unter Demenz leiden - mit allen Folgen.

"Fachkrankenhäuser für Psychiatrie und Geriatrie wie das Klinikum am Michelsberg sind gut auf die Behandlung Demenzerkrankter eingerichtet. Allgemeinkrankenhäuser aber eher weniger", berichtet Staatsministerin Melanie Huml (CSU). Bei Letzteren stelle ein Klinik-Aufenthalt für Demenzerkrankte eine große Belastung dar. Insbesondere weil ihnen die Umgebung unbekannt sei, die Tagesstrukturen ungewohnt und vertraute Bezugspersonen fehlten. Zudem fänden sich viele Demenzerkrankte in den Zimmern nicht zurecht. Sie könnten sich die Nummer ihres Schrankes nicht merken und hätten nicht selten Probleme, ihr Bett oder Zimmer zu finden.

"Um hier konkret Abhilfe zu schaffen, hat das Gesundheitsministerium eine Broschüre mit Empfehlungen für Krankenhäuser zur Verbesserung der Versorgung von Demenzkranken erarbeitet", erläuterte die Bayerische Staatssekretärin für Umwelt und Gesundheit. Es unterstützt aber auch Pilotprojekte wie das der Technischen Universität München, welches am Bamberger Klinikum kürzlich umgesetzt wurde. "Bei diesem mit über 10 000 Euro bezuschussten Projekt wurden Lösungsansätze für die Umbau- und Neugestaltung von Räumlichkeiten erarbeitet, die Demenzkranken den Aufenthalt erleichtern sollen", erläutert Huml.

Orientierung leicht gemacht


Auf der Station 10  des Bamberger Klinikums sind in diesem Zuge kleinere Umbaumaßnahmen getroffen werden, die aber eine große Wirkung haben. "Wir haben zwei Patientenzimmer sowie den Flurbereich so umgestaltet, dass auch demenzerkrankte Patienten sich dort zurecht finden", schildert die Architektin Birgit Dietz, die zusammen mit Studenten der Fakultät Architektur der TU München die Projektstudie durchführte. So wurden beispielsweise die Nummern von den Schränken abmontiert und diese stattdessen mit bunten Farben gestrichen. Die gleichen Farbsymbole finden sich über den Betten wieder. "Der Patient weiß nun, dass ihm der gelbe Schrank gehört und er in jenes Bett gehen muss, über dem ein gelbes Bildsymbol hängt." In den Bädern wurden Toiletten, Spültasten und Waschbecken ebenfalls durch eine spezifische Farbgebung gekennzeichnet. "Die Toilettendeckel etwa wurden orange markiert. Dadurch hebt er sich deutlich von den weißen Flächen ab und wird auch für Menschen mit eingeschränkten Sehvermögen erkennbar", erläuterte Dietz. Auch die Türen zu den Patientenzimmern wurden mit farbig entsprechenden Türklinken versehen.

Neue Möbel, neues Licht


Der Aufenthaltsbereich im Flur wurde neu möbliert. Neue Farbelemente, ein circadianisches Licht (künstliches Licht, das dem Tageslichtverlauf ähnelt) und Beschäftigungsmöglichkeiten sollen dafür sorgen, dass Patienten sich dort wohlfühlen. Patienten mit akuter Weglaufgefährdung kann (mit richterlichem Beschluss) ein Bändchen am Handgelenk befestigt werden. Dies löst dann bei den nach außen führenden Türen der Station eine schnelle Schließung aus, so dass der Patient ohne Begleitung das Krankenhaus nicht verlassen kann.
"Diese Maßnahmen haben nicht allzu viel gekostet, sind aber äußerst effektiv", unterstreicht Pflegedirektorin Brigitte Holstein. Zusätzlich soll nun das Personal durch Schulungen für den Umgang mit Demenzkranken sensibilisiert werden.