Huppendorf
Tag des offenen Denkmals

Fachwerk aus dem 17. Jahrhundert in Huppendorf

In Huppendorf steht eines der ältesten Fachwerkhäuser im Landkreis Bamberg. Gebaut wurde es vermutlich 1610. Am 9. September zeigt Helmut Brehm der Öffentlichkeit seine Schätze.
Ein Schmuckstück ist Fachwerkhaus von Helmut Brehm in Huppendorf. Fotos Michael Gründel
Ein Schmuckstück ist Fachwerkhaus von Helmut Brehm in Huppendorf. Fotos Michael Gründel
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Sehr wohl fühlen sich Helmut Brehm und die Seinen in ihrem historischen Fachwerkhaus in der Ortsmitte von Huppendorf. Und für die Besucher des Gasthofes Grasser ist das erst vor einigen Jahren sanierte Gebäude ein willkommener Blickfang. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, in einem neuen Haus zu leben", sagt der stolze Besitzer. Zum Tag des offenen Baudenkmales heuer am 9. September will er Interessenten die Türen öffnen.

Das heutige Wohnhaus Brehm hat eine ortsbildprägende und repräsentative Lage in der Dorfgemeinschaft von Huppendorf. Der alte "Muschenhof" ist das letzte erhaltene Gehöft eines historischen Fachwerkensembles, weiß der Hollfelder Architekt Georg Schilling. Den Ursprungsbau beziffert er in die Jahre 1610/1611, eine dendrochronologische Untersuchung hat ergeben, dass das Holz des Dachstuhlens anno 1609 geschlagen wurde. Einen Teilumbau gab es 1885, einen Teilabriss vor 1950. Genaueres lässt sich nicht mehr sagen. Die letzten Renovierungen erfolgten 1958, 1982 und 2006.

Der Ursprungsbau, so Georg Schilling, wurde wohl 1610/11 errichtet und zählt zu den ältesten Bauernhäusern im Bamberger Land. Eindeutige Datierungen mit dendrochronologischen Proben aus dem Dach datieren 1610 Sommer oder 1610/11 Winter, aus dem Obergeschoss am Eckständer innen von 1609/10. Die Innenstruktur mit den merkwürdigen Unterzügen und das Fachwerk an der Treppe mit den großen Andreaskreuzen stammt aus dieser Zeit, ebenso das Dachwerk und der Giebel. Die Fachwerkkonstruktionen sind für die Bauzeit von 1609/1610 schon recht fortschrittlich, das Dachtragewerk ist eher noch konservativ ausgeführt.

Ungewöhnlich ist die Zweigeschossigkeit eines bäuerlichen Gebäudes auf dem Lande. Womöglich befand sich im Erdgeschoss zur Bauzeit eine andere Nutzung, bei der die Wohnräume im Obergeschoss lagen und über eine Laube im Nordwesten erschlossen wurden. Der heute bekannte Grundriss entstand während einer größeren Umbauphase und Umnutzung von 1885/1886. Denkbar wäre, dass es sich hier um ein Amtsgebäude des nahe gelegenen, ehemaligen Schlosses von Huppendorf handelt, da das Anwesen früher zur Flurnummer 1 gehörte.
Die dunklen Verfärbungen der Konstruktionshölzer zeigen, dass das Dach früher als Rauchdach / Rußdach ausgebildet war. Das Dach ist als Kehlbalkendach mit zwei Balkenebenen ausgebildet, das Fachwerk als Ständerbau. Die Schwelle des oberen Geschosses ist gleichzeitig der Abschluss des unteren Geschosses. Das Fachwerk des Giebels ist von einander abhängig und im gesamten abgebunden worden. Die Ständer sind geschosshoch ausgebildet und stehen nicht übereinander. Als aussteifende Elemente sind K-Streben beidseitig der Ständer zu finden. Diese sind im fränkischen Raum ab Anfang des 16. bis ins 18. Jahrhundert gebräuchlich.

Ein besonderes Detail im Innenleben des Gebäudes ist die "obere Stube". Im Rahmen der Dachsanierung wurde die "öber Stub'n" in ihrer historischen Bedeutung wiederentdeckt. Noch immer sind zahlreiche Ausstattungsdetails der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg - der begann 1618 - erhalten und dokumentieren diesen für Oberfranken seltenen Befund. Bei der ursprünglichen Nutzung der Stube könnte es sich um einen unbeheizten Raum gehandelt haben, der nur zur warmen Jahreszeit genutzt wurde. Die Fensteröffnungen waren nur mit Läden zu schließen.

Es kann angenommen werden, so Architekt Schilling, dass die Stube nicht als dauernder Aufenthaltsraum diente, sondern eher als Repräsentationsraum für verschiedene Anlässe. Dafür spreche unter anderem die großzügigere Ausgestaltung der Fensterleibungen. Insbesondere die historischen Fensteranschlüsse an das Fachwerk sind auffällig und ungewöhnlich. In der Umbauphase von 1885/1886 dürfte die "Öber Stub'm" verkleinert worden sein. Die Holzvertäfelung an der Giebelseite stammt noch aus der ursprünglichen Bauzeit, wurde aber im unteren Bereich abgenommen. Die blau/orangen Schablonenmalereien ziehen sich über die Vertäfelung und Gefache und dürften aus dieser Umbauphase stammen.

Am "Tag des offenen Baudenkmals" wird Architekt Georg Schilling von 10 bis 12 Uhr für Erklärungen und Erläuterungen zur Verfügung stehen.
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