Holger Müller ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Bamberg. Bevor er dort gelandet ist, hat er beim Radio gearbeitet und befasst sich deshalb auch aus Eigeninteresse mit der Thematik des Digitalradios. "Die Frage, die sich stellt, ist, wo hören die Leute Radio", sagt Müller. Die Antwort sei einfach. Das Radio ist der Alltagsbegleiter. Häufig hören die Leute bevor sie morgens das Haus verlassen Radio, spätestens aber im Auto schalten sie ein.

Die meisten Radiohörer sind bereits mit Geräten ausgestattet. "Wieso sollte man ein neues Radio kaufen, wenn man schon eins hat, das funktioniert?" Man schaltet einfach das vorhandene Gerät ein, und macht sich keine Gedanken über ein neues Radio.


Smartphones werden bevorzugt

"Gerade im Auto scheitert momentan das Digitalradio", ordnet Müller die
aktuelle Situation ein. "DAB+ ist immer noch eine Sonderausstattung. Serienmäßig ist häufig aber eine Smartphone-Schnittstelle, sodass die Leute ihre eigene Musik hören können." In anderen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien ist DAB+ schon die Standard in den Fahrzeugen. Doch nicht nur die Automobilindustrie ist in den Augen Müllers ein Problem für das Digitalradio in Deutschland. "In Bayern treibt der BR zwar das Digitalradio voran und macht auch viel Werbung dafür, aber ich sehe keinen bundesweiten Trend." Hinzu komme, dass die Zusatzfunktionen, mit denen Digitalradio beworben wird, nicht zwangsläufig sinnvoll sind. Bei vielen Digitalradios sei das Display zu klein, erklärt Müller, sodass die angezeigten Informationen nicht klar zu lesen seien.

Auch das Webradio kann zur Konkurrenz für das digitale werden, momentan fehlt dem Internetradio aber die Verfügbarkeit. Denn gerade unterwegs kommt es häufig zu Empfangslücken. Außerdem komme beim Webradio die Konstenfrage hinzu, denn die meisten Smartphones sind zwar mit Flatrates ausgestattet, haben aber nur in einem gewissen Umfang Datenvolumen zum mobilen Streamen zur Verfügung.


Webradios als Konkurrenz?

Zuhause hingegen sieht Müller das Webradio durchaus als Konkurrenz für das herkömmliche Radio - ob auf UKW- oder digitaler Frequenz. Der Vorteil davon: Man kann Radiosender aus der ganzen Welt empfangen. Außerdem gibt es für jedes Nischeninteresse einen Sender.

Ob Webradio, UKW oder Digitalradio, Müller ist sich sicher: "Was im Auto standardmäßig ist, das wird sich durchsetzen."