Das Windhundrennen ist in vollem Gang. Noch ist der neue Regionalplan Oberfranken-West, der Vorranggebiete für Windenergie ausweisen wird, nicht in Kraft. Doch seit Ende März liegt der Entwurf öffentlich aus und jeder Bürger und jede Kommune kann bis zum 27. Juli Stellung dazu nehmen. Auch wenn sich in der Auslegung die eine oder andere Fläche noch verschieben kann, sind jetzt schon im ganzen Landkreis so genannte Projektentwickler von Energieunternehmen unterwegs, um sich bei privaten Grundbesitzern Standorte für Windräder zu sichern. "Die Investoren stehen bereit, die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie sie zum Zuge kommen", stellt Robert Martin, der Klimabeauftragte des Landkreises Bamberg fest.
Dem Ansturm der Investoren von außerhalb auf das Bamberger Land steht aber auch ein immer lauterer Ruf nach Bürgerbeteiligung und Wertschöpfung-vor-Ort-halten gegenüber.
Doch die Basisbewegung im Landkreis ist (noch) relativ schwach entwickelt, beklagen Martin und Kreisbaumeisterin Gabriele Pfeff-Schmidt, die gleichzeitig Geschäftsführerin der Klima- und Energieagentur Bamberg ist.

Dabei war der Anfang vielversprechend. Bereits 1998 ging bei Sassendorf die erste große Windkraftanlage im Landkreis Bamberg als Bürgerwindrad in Betrieb und ans Netz. Mehrere Hundert Gesellschafter profitieren bis heute von ihrer Investition. Doch bereits die nächsten Windräder im Landkreis, die fünf Anlagen bei Oberngrub, wurden von einer Betreiberfirma aus Baden-Württemberg errichtet und befinden sich heute im Besitz dänischer Investmentfonds.

Einige weitere Windräder sind in den vergangenen Jahren hinzugekommen und eines ist klar: in allernächster Zukunft wird ihre Zahl sprunghaft ansteigen. Die Frage ist vor allem, wer wird sie bauen und betreiben? Und wer wird davon profitieren? Denn dass Windräder auch in den kommenden Jahren rentabel sein werden, ist spätestens seit der Verkündung der Energiewende und auch angesichts zu erwartender Strompreissteigerungen offensichtlich. Gelten Windräder doch als die derzeit effizienteste Form alternativer Energiegewinnung.
Am weitesten entwickelt sind die Pläne für einen neuen Bürgerwindpark in Litzendorf. Dort wurde sogar schon eine Betreibergesellschaft gegründet. Quer durch die Parteien und Fraktionen ist auch im Gemeinderat der Wunsch und Wille vorhanden - und dem Vernehmen nach sind auch genügend Bürger bereit, in das Vorhaben zu investieren. Doch den Litzendorfern fehlt - wenn es denn nach dem Entwurf des Regionalplans gehen sollte - die nötige Fläche für einen Windpark. Und das, obwohl am angedachten Standort bei Hohenellern, wo sich bereits zwei Windräder drehen, mit einem hohen Windaufkommen zu rechnen ist.

Wind nicht das einzige Kriterium


Das Problem: Der Standort befindet sich im Landschaftsschutzgebiet Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Und solche Gebiete wurden aus der Neuplanung von Vorranggebieten weitgehend herausgenommen. Für bereits genehmigte und gebaute Anlagen gilt allerdings Bestandsschutz. Mit großer Mehrheit hat der Litzendorfer Gemeinderat vor Kurzem beschlossen, beim Planungsverband auf eine nachträgliche Aufnahme der Fläche als Vorranggebiet hinzuwirken.

Anders sieht es in Burgebrach aus. Dort weht der Wind im allgemeinen zwar etwas schwächer als auf dem Jura, doch auf dem Gebiet der Marktgemeinde sollen nach dem Regionalplan-Entwurf gleich vier Vorranggebiete ausgewiesen werden.

Erst jüngst hat sich der Gemeinderat gegen einen Windpark bei Mühlhausen im benachbarten Landkreis Erlangen-Höchstadt ausgesprochen hat? Die geplanten Windkraftanlagen stellten einen erheblichen Eingriff in die Landschaft dar und die zu erwartenden Immissionen seien für die Bürger des Burgebracher Ortsteils Oberköst unzumutbar, heißt es in der Stellungnahme des Marktes im Rahmen des Anhörungsverfahrens zu dem Vorhaben. Die gleichen Bedenken gelten natürlich auch für das eigene Gemeindegebiet. Bürgermeister Georg Bogensperger (CSU) will nun erst einmal die Bürger informieren. Mehrere Investoren stehen schon bereit.
Sowohl der Wille als auch die Fläche sind im Schnittbereich der Gemeinden Lisberg, Priesendorf und Viereth-Trunstadt vorhanden. Die drei Bürgermeister, Peter Deusel (Lisberg/ÜPL), Maria Beck (Priesendorf/CSU) und Edwin Mahr (Viereth-Trunstadt/BG/ÜWG), wollen gemeinsam dafür sorgen, dass ihre Bürger von der Nutzung der Windkraft vor Ort profitieren und die Wertschöpfung in der Region bleibt.
Doch auch hier sind die Flächenjäger von auswärts schon unterwegs. Mahr berichtete seinem Gemeinderat, dass potenzielle Investoren schon in der Gemeinde vorgesprochen hätten, aber auch schon in Vorverhandlungen mit Grundstücksbesitzern stünden. Er wies darauf hin, dass die Gemeinde aufgrund wettbewerbsrechtlicher Vorschriften nicht direkt in die jeweiligen Verhandlungen eingreifen könne. Beck kritisierte schon im April im Priesendorfer Gemeinderat die "Goldgräberstimmung einzelner auswärtiger Unternehmen". Es sei erschreckend, dass die Gemeinden keinerlei Handhabe, Mitspracherecht oder gar Wertschöpfung mehr hätten, sollten die Unternehmen damit erfolgreich sein.

Als so genannte privilegierte Vorhaben sind Windkraftanlagen in Vorranggebieten - wenn diese denn endgültig als solche ausgewiesen werden - praktisch nicht zu verhindern, wenn sie die baurechtlichen Kriterien erfüllen. Beispielsweise auch, was die naturschutzfachliche Prüfung angeht. Das heißt, wer sich in einem Vorranggebiet ein Grundstück von ausreichender Größe sichert, kann bauen und die Anlage betreiben - auch ohne die betroffene Bevölkerung zu beteiligen.

"Die Flächensicherung ist das A und O", stellt Robert Martin klar. "Es liegt nun in der Hand einer jeden Gemeinde, jetzt zu handeln." Nur so könne die Wertschöpfung - zum Beispiel durch die Gewerbesteuer, die ortsansässige Betreiber an die Gemeinden abführen müssen - in der Region erhalten bleiben. "Die Bürger müssen jetzt aktiv werden", fordert Gabriele Pfeff-Schmidt. Denn der wirtschaftliche Faktor für die Region sei nicht zu unterschätzen.

Initiative von unten und außen


Einer, der das beherzigt, ist der Trabelsdorfer Roland Lösel. Den Gemeinderäten von Lisberg und Priesendorf stellte er sein Konzept eines Windparks mit Bürgerbeteiligung auf der Anhöhe zwischen Priesendorf, Viereth-Trunstadt und Lisberg vor und stieß auf positive Resonanz. Voll auf Bürgerbeteiligung setzt auch der Markt Heiligenstadt. Zur Debatte steht dort aber die Zusammenarbeit mit auswärtigen Unternehmen. So hat dort zum Beispiel Erich Wust, der das Unternehmen Wust - Wind und Sonne im mittelfränkischen Markt Erlbach führt, sein Konzept vor, mit dem er in Mittelfranken bereits mehrere Bürgerwindparks realisiert hat. Auch die Naturstrom AG wurde in Heiligenstadt vorstellig. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf und Forchheim betreibt den Windpark Neudorf zwischen Scheßlitz und Königsfeld mit drei Windrädern. Die Firma bietet den Bürgern der drei Ortschaften Poxdorf, Ludwag und Neudorf an, sich als Kommanditisten an einer Betreiber-GmbH zu beteiligen.
Dahinter steckt die vermutlich berechtigte Hoffnung, dass die Bürger Windräder vor der Haustür mit anderen Augen sehen, wenn es "ihre" sind. "Die Energieversorgung der Zukunft ist regenerativ und regional", betont Naturstrom-Vorstand Thomas E. Banning. Seine Firma strebt einer Pressemitteilung zufolge deshalb die Gründung einer "Naturstrom Fränkische Schweiz GmbH & Co. KG" an, die sich an weiteren Projekten in der Region beteiligen und den Bürgern der ganzen Region offen stehen soll.