Die ganze letzte Woche waren Putztrupps unterwegs und brachten den Innenraum der Kapelle, aber auch die Grünanlagen und Rosenbeete in der ganzen Ortschaft auf Vordermann. Nachdem die neue Kirchentüre eingebaut, die Statue Marias wieder im Chor und die des heiligen Josef in der Ecke unter der Empore aufgehängt waren und neben dem Altar auch ein neuer Ambo aus Juramarmor gesetzt war, fand am Samstag nun die Abschlussfeier zum 150. Jubiläum der Kapelle Mariä Geburt in Tiefenellern statt.

Pfarrer Marianus Schramm zelebrierte den Festgottesdienst. Dieser wurde über Lautsprecher auch nach draußen übertragen, da das kleine Kapellchen die vielen Gläubigen auch aus den umliegenden Dörfern nicht fassen konnte. Schramm freute sich: "Die Kapelle ist nun ein wahres Schmuckstück." Dann segnete er den neuen Ambo. Den Gottesdienst gestalteten musikalisch die Kirchenschola, an der Orgel Renate Lorenz und Dagmar Döring und als Begleitung auf der Trompete Martin Lorenz.


Von Schafen und Schäfchen

Passend zum Evangelium predigten im Zwiegespräch Pfarrer Schramm und Pastoralreferent Norbert Oppel über die verschiedenen Schafe und Schäfchen in ihrer Pfarrei. Als erstes stellte Schramm das "Kümmerschaf" vor. Da es sich um alles und jeden kümmert, will es natürlich aber auch immer gefragt werden. Das "Kontrollschaf" wiederum brauche immer wieder Lob und Aufmerksamkeit. Zu jeder Rasse hefteten die Ministranten Namensbilder an die Altardecke, wobei einige renitente von der sogenannten grünen Wiese immer wieder absprangen. Es folgten als nächste Schafsrassen "das Hab-mich-lieb-Schaf", das "schwarze Schaf", das "Versöhnungsschaf" und das "Reformschaf". Als letztes stellten sie dann noch das "Traditionsschaf" vor. Ob bei dessen Forderung nach immer dem selben Hirten und immer dem selben Hund beide Prediger auch an sich selbst gedacht haben, konnte man an ihren Mienen leider nicht erkennen. Oppel folgerte: "Es ist nicht die Aufgabe des Hirten, dass das Gleichgewicht in der Herde hergestellt wird, das müssen die Schafe schon selbst regeln!"
Schramm gestand, dass es nicht einfach sei, den Frieden in der Herde zu halten. Bei der Renovierung der Kapelle haben die Tiefenellerner aber Gemeinschaftgeist bewiesen, indem sie freiwillig viel mitgearbeitet haben. Zum Schluss dankte der Geistliche dem früheren Mesner Fritz Möhrlein und seiner Familie für die sehr lange Zeit Dienst in der Kirche. Seinem Sohn wurden später für ihn ein Geschenkkorb, eine Ikone und ein Buch als Zeichen des Dankes überreicht.

Schramm stellte nun auch das neue "Mesner-Drei-Gestirn" vor. Es sind dies als "Obermesner" Alfred Dillig und als seine Helfer Michael Kummer und Peter Krötsch. Georg Dippold, der als einziger aus der Pfarrei Lohndorf/Tiefenellern dieses Jahr den Ministrantendienst antrat, bekam zur Begrüßung ein kleines Kreuz und viel Applaus von den Gläubigen.


Dank an die vielen Helfer

Bürgermeister Wolfgang Möhrlein (CSU) dankte im Namen der Gemeinde, die Eigentümer der Kapelle ist, besonders den vielen freiwilligen Helfern, die über 900 Stunden Arbeit in die Renovierung eingebracht haben. Für die 26 Arbeiter dankte er stellvertretend besonders Fritz Stumpf und Bernhard Hemmer, der sich ständig für seinen "Ellerer Dom" eingesetzt habe. Beiden überreichte er ein kleines Geschenk und einen Gutschein zu einer gemeinsamen Brotzeit mit allen Helfern.

Pfarrer Schramm erzählte am Schluss des Festgottesdienstes, dass die Altarreliquien nun doch in der Kirche verbleiben würden. Sie sollen in einer Platte vor oder hinter dem Altar einen würdigen Platz finden. Einige Ellerer drückten aber deutlich ihre Hoffnung aus, dass dann Erzbischof Ludwig Schick nach Tiefenellern komme.
Nach dem Schlusssegen geleitete das Blechbläserensemble des Musikvereins Ellerntal unter der Leitung von Martin Lorenz die Besucher mit flotter Marschmusik auf den Platz hinter der alten Schule, wo sie auch weiterhin die Gäste und Einheimischen unterhielten.

In der Schule hatte Hans Göller eine sehenswerte Ausstellung über die Geschichte der Kapelle und ihre Renovierung vorbereitet. Dann ließ man sich zunächst die vielen selbstgebackenen Krapfen und Kuchen schmecken. Der kulinarische Höhepunkt aber waren etliche von der Familie Pfeufer selbst aufgezogene Spanferkel. Sie wurden in ihrem Backofen gebraten, wozu es neben Sauerkraut auch eigenes Holzofenbrot gab. Herz, was willst du mehr, in Tiefenellern, im Herzen der Fränkischen Toskana!