Fritz Hegenwald macht sich ernsthafte Sorgen. Seit intensiv die Statik der Brücke über die Baunach in Baunach untersucht wird, fürchtet er, dass eine Tonnage-Begrenzung für das Bauwerk kommt. "Wenn es so weit kommt, dann muss ich umziehen", sagt der Unternehmer, der in der Baunacher Bahnhofstraße einen Erdbaubetrieb sowie einen Baustoff- und Futtermittelhandel führt.

"Im Durchschnitt sechs bis acht Mal am Tag", schätzt Hegenwald, rollt sein Kieslaster über die Brücke. Und das ist bei weitem nicht der ganze Schwerlastverkehr über das denkmalgeschützte Sandstein-Bauwerk aus dem Jahr 1856. Im Gewerbegebiet Eichen östlich der Baunach siedeln weit größere Betriebe, die auf die Zulieferung und den Abtransport ihrer Produkte über die Straße angewiesen sind. Zum Beispiel die WSP Stahlprodukte mit ihrem eigenen Fuhrpark. Oder der Messtechnik-Spezialist SebaKMT.

Das Gewerbegebiet Eichen ist bei weitem das größte in Baunach und damit von fundamentaler Bedeutung für die Stadt. Andersherum müssen auch Feuerwehr und Katastrophenschutz im Ernstfall über die Brücke dorthin gelangen können. Deshalb beobachtet auch Bürgermeister Ekkehard Hojer (CBB) besorgt die Entwicklung. Denn: "Wenn die Brücke gesperrt werden sollte, wird das ein Chaos", sagt er.

Landkreis muss entscheiden

Noch allerdings ist es nicht so weit. Noch laufen die Untersuchungen, die die LGA Nürnberg im Auftrag des Landkreises durchführt. Was zu tun ist, wenn das Ergebnis ausgewertet ist, wird schließlich im Landratsamt zu entscheiden sein, denn die Brücke ist Teil der Kreisstraße BA 39, die Baunach durch den Itzgrund hindurch mit Rattelsdorf verbindet. Da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, kann die Landkreisverwaltung dazu verständlicher noch nicht Stellung nehmen. "Es handelt sich hier um ein laufendes Verfahren, dessen Ausgang abzuwarten ist", heißt es dazu auf Nachfrage. Und weiter: "Über die Problematik in Bezug auf das angrenzende Gewerbegebiet sind sich die Verantwortlichen bewusst und diesbezüglich um hinreichend Berücksichtigung bemüht."

Abwarten heißt es also auch für die Unternehmer und den Bürgermeister. "Man macht sich schon Sorgen, aber ich bin überzeugt, dass sich das Landratsamt voll für eine Lösung einsetzt", ist Hojer zweckoptimistisch. Dass die Brücke Schäden aufweist ist bekannt, seit ihm das Ergebnis einer ersten Untersuchung vorgestellt wurde. Die betreffe vor allem die Ostseite der Brücke, die in den letzten Tagen des zweiten Weltkriegs gesprengt und nach 1945 wiederaufgebaut wurde. Nach Informationen von Hojer werden nun noch Bohrungen und Tests der Widerlager durchgeführt, um herauszufinden, wie gravierend diese Schäden tatsächlich sind.

Für den Fall der Fälle macht man sich in Baunach dennoch schon Gedanken. Bei einer Sperrung oder Tonnagebegrenzung der Brücke wäre die BA 39 über Daschendorf, Höfen und Rattelsdorf die einzige Ausweichroute für die An- und Abfahrt zum Gewerbegebiet. Die Kreisstraße wurde zwar von Daschendorf bis zur Bahnlinie in Baunach bereits vor einigen Jahren ausgebaut. Für Schwerlastverkehr ist sie dennoch alles andere als geeignet. Die engen Kurven in den Ortsdurchfahrten wären für manche Lkw kaum zu bewältigen. "Durch Daschendorf kommt kein 40-Tonner-Sattelschlepper", ist sich Hegenwald sicher. Schon gar nicht im Begegnungsverkehr. Zudem ist die Strecke von der Autobahnanschlussstelle Breitengüßbach-Mitte gerechnet gut acht Kilometer länger.

"Es muss eine Lösung gefunden werden. Etwa, dass die Brücke verstärkt oder durch Einbahnverkehr entlastet wird", sagt deshalb der Bürgermeister, der die historische dreibogige Sandsteinbrücke als Baunacher Denkmal unbedingt erhalten wissen will. Alle anderen Alternativen wären wohl nur mittelfristig, also im Lauf der nächsten Jahre zu realisieren. Etwa ein Neubau an anderer Stelle und der Erhalt der alten Brücke für Fußgänger. Da hätte Hojer "nichts dagegen".

Plädoyer für Ostumgehung

Das ganze Problem könnte nach Ansicht des Bürgermeisters auch eine ganz andere, einfache Lösung finden: "Ostumgehung", heißt für ihn das Zauberwort. "Die Baunacher wollen sie, zumindest 95 Prozent der Baunacher", ist er sich in der Frage der umstrittenen Trassenführung für einen Neubau der Bundesstraße 279 sicher. Die Umgehung würde östlich der Baunach und der Bahnlinie nach Ebern verlaufen. Das Gewerbegebiet könnte direkt angebunden werden. Aber das ist immer noch Zukunftsmusik. Bis dahin heißt es für Hojer, Hegenwald und andere warten und hoffen, dass die Brücke sich vielleicht doch als ausreichend tragfähig erweist.