Nur Thomas Gottschalk zog in guten wie in schlechteren Zeiten mehr Publikum zu einer Veranstaltung in die Buchhandlung Hübscher am Grünen Markt. Am Samstagabend wollten knapp 200 junge und weniger junge Fans den Schauspieler, Filmemacher und Autor Eric Stehfest hören und sehen oder sich mit ihm fotografieren lassen. Der Jungstar aus der Daily Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" las aus seinem Buch-Erstling und Bestseller "9 Tage wach".

Und die Besucher der Lesung wurden für ihr Stehvermögen reichlich belohnt. Viele von ihnen hatten sich am Samstagnachmittag auch schon in die schier endlose Schlange in der Hübscher-Außenstelle im Market eingereiht, um ein Stehfest-Autogramm zu ergattern. Der Autor selbst, so die Literaturexpertin Asli Heinzel in ihrer klugen und charmanten Moderation, habe da angesichts der Warteschlangen kurzerhand auf eine kleine Ruhepause verzichtet und sich sogleich ans Werk gemacht. Allerdings wollte der Strom der Autogramm-Jägerinnen und -Jäger dann auch nach Stehfests eindrucksvoller Lesung am Abend nicht versiegen.


Einblick in die Hölle

Gute zwei Stunden bot da ein junger Mann, ein stolzer Ehemann und Vater, ein Serienstar und ein charismatisch wirkender Mensch Einblicke in sein Leben vor diesem aktuellen Leben des Bestseller-Autors Eric Stehfest. Einblicke in die Hölle sind das, denn etwa zehn Jahre seines jungen Lebens war Eric Stehfest von der Szenendroge Crystal Meth abhängig. Fünf Jahre ist er nun schon abstinent, aber die Nachwirkungen, so Stehfest auf Nachfragen aus dem gefesselt und gebannt interessierten Publikum, die spüre er noch immer. Physisch in der Ausformung von einem Dutzend toter Zähne und seelisch, weil sein Erleben in der Vergangenheit immer wieder in ihm arbeite.

Da gab also nicht etwa ein TV-Schönling, denn Stehfest ist ohne Zweifel ein attraktiver Mann, einen Seelen-Striptease im Hübscher, sondern der Schauspieler Eric Stehfest erzählte mit Aufrichtigkeit und Sprachmächtigkeit aus dem Leben des Alter-Eric, bei dem vor einiger Zeit nicht viel gefehlt hätte, und er wäre der Welt vor der Zeit verlorengegangen.


Kripo-Mann berichtet

Asli Heinzel hatte sich und dem Publikum neben dem "Drogen-Experten" Stehfest auch Alexander Hoh von der Drogenprävention der Kripo Bamberg eingeladen, der nicht nur bestätigte, dass es auch in Bamberg massive Probleme mit Drogen aller Art gebe, sondern jahrein, jahraus wenigstens fünf Drogentote zu beklagen seien, im Jahr 2016 seien es sogar acht gewesen. Prävention, wo immer möglich, war sein Rat. Und an die Eltern im Publikum richtete der Vater Hoh die dringende Aufforderung, an ihren Kindern dranzubleiben, auch in den komplizierten Zeiten der Pubertät, um frühzeitig eingreifen und helfen zu können.

Auch Eric Stehfest ist in der Präventionsarbeit aktiv und einer Leserin, die mit Menschen arbeitet, die körperliche und seelische Schäden vom Drogenmissbrauch davongetragen haben, gab er mit auf den Weg: "Sie haben es bei Ihren Patienten mit Experten zu tun, lassen Sie die die Helden ihrer eigenen Geschichte sein, hören Sie ihnen ausdauernd und empathisch zu, nehmen Sie sich Zeit." Man konnte also schon aus Stehfests Gespräch mit dem Publikum heraushören, dass sich da nicht ein "Ex-Experte" zu mehr oder weniger guten Ratschlägen und zum Lehrmeister der Republik in Sachen Drogenprävention aufschwingen will. Stehfest ist viel mehr einer, der über seine Not sprechen will, die er damit hat, dass viel zu viele vor allem junge Menschen immer wieder in eine Drogen-Karriere stürzen, obwohl es doch genug abschreckende Schicksale zu beobachten gibt. Die schlechten Vorbilder wollte Stehfest dann aber doch nicht unangetastet lassen in seinen Beobachtungen darüber, wie es zu seiner Drogensucht kam und wie es dazu kam, dass er sein Buch "9 Tage wach" geschrieben hat.

Gerade in Bayern und in Bamberg zumal, da sei Bier, also Alkohol, ein immer wieder gefeiertes Kulturgut. Alkohol und Tabak seien ganz allgemein Mutter und Vater der Sucht. Und unsere Hektik, unser Stress, die kämen mit dazu. Wir nehmen uns keine Zeit mehr zum Zuhören - jedenfalls zu selten, ist Stehfest überzeugt. Allerdings in Bamberg, als er aus dem Kapitel las, in dem es um die Seelenqualen geht, die er einer früheren Partnerin zugefügt habe, als er als Drogenabhängiger von ihr verlangte, sie solle abtreiben, da wurde es mit einem Mal ganz still im Hübscher. So still vom ergriffenen Zuhören des Publikums, dass Stehfest seine Lesung unterbrach, aufstand und sich beim Publikum für diesen einzigartigen Moment bedankte. Das war noch nicht das Ende der Veranstaltung, hätte es aber durchaus sein können.

Es lohnt, "9 Tage wach" zu lesen, aber es ist ein Hochgenuss, Eric Stehfest live im Vortrag und im Gespräch zu erleben.