Sie betreuen große Projekte im Straßenbau wie beispielsweise die Baustellen am Münchner Ring und Berliner Ring. Was war Ihr größtes Projekt bisher?
Harald Thiele: In der Stadt war das größte Projekt der Umbau an der Kreuzung Münchner Ring/Forchheimer Straße. Das waren acht oder neun Bauphasen innerhalb kürzester Zeit. In der Straße ist alles drin, was man sich vorstellen kann, unter anderem Starkstrom, Wasser und Gas. Und nebenbei rollen noch 30 000 Fahrzeuge am Tag...

Ist der Verkehr eine Herausforderung für Sie?
Natürlich. Wenn ich etwas unter Vollsperrung bauen kann, muss ich keinerlei Rücksicht nehmen, wenn der Bagger dreht. Es geht wesentlich schneller.

Aber es ist kaum möglich...
Selten.
Wobei die Vorschriften dahin gehen werden, dass wir mehr unter Vollsperrung machen müssen - aus Gründen des Arbeitsschutzes.

Gab es Vorfälle, dass das jetzt verschärft wird?
Ja, es passieren regelmäßig Unfälle. Wenn man halbseitig arbeitet und der Arbeitsraum zu eng ist, dann wird der Arbeiter, der zu nahe am Verkehr steht, ständig gefährdet.

Da haben Sie sicherlich schon einiges erlebt...
Ich bin selber schon mal gestolpert und fast in den Verkehr gestürzt... Es ist nicht ohne.

Was glauben Sie, warum fahren dennoch manche Autofahrer so rücksichtslos in Baustellen: Ist das Unachtsamkeit, Gedankenverlorenheit oder einfach nur Ignoranz?
Es ist alles: Ignoranz, weil ich könnte ja vielleicht doch noch durchkommen. Oftmals Gedankenverlorenheit, wenn jemand durch eine Bakenabsperrung fährt und plötzlich in der Baustelle steht.

Haben Sie auch mal positive Erfahrungen gemacht, ich gehe mal davon aus, dass nicht alle Verkehrsteilnehmer so rücksichtslos sind?
In der Regel klappt's. Es fahren zwar immer noch einige zu schnell in den Baustellen und gefährden sich selbst und das Baustellenpersonal, aber es gibt auch sehr viele Mustergültige, die sich an die Geschwindigkeiten halten und aufmerksam fahren. Eine Baustelle ist einfach eine Sondersituation auf der Fahrbahn, und da sollte man auch mit besonderer Achtung durchfahren.

Sie und Ihre Kollegen sind oftmals aus Sicht der Verkehrsteilnehmer der Buhmann, wenn es wieder eine Baustelle gibt. Ist es für Sie schwierig, damit umzugehen?
Das ist das Schöne an unserem Beruf: Wir können es nicht in China produzieren und einfliegen - wir müssen es wirklich vor Ort machen (lacht)! Das Schöne ist, dass wir dem Autofahrer hinterher eine neue Fahrbahn verkaufen können. Nein, die Einsicht ist mittlerweile recht groß, dass das, was wir machen, auch erforderlich ist. Die Akzeptanz ist vor allem relativ hoch, wenn wir es früh genug ankündigen, da haben wir auch schon einiges gelernt...

Was ist Ihre Aufgabe bei den Projekten?
Es gibt grundsätzlich zwei Bereiche: Neubau und Erhaltung. Unsere Straßen werden von Messfahrzeugen befahren, die Spurrinnentiefe, Risse, Unebenheiten messen. So wird ermittelt, ob eine Straße erneuert werden muss. Der andere Bereich ist der Neubau von Ortsumgehungen oder Ausbauten von Ortsdurchfahrten. Das sind Planungsprozesse, die über zehn bis 15 Jahre laufen mit Grunderwerb und so weiter. Das macht dann unsere Planungsabteilung. Meine Projektleitung beginnt dann mit der Vorbereitung zur Bauausführung.

Das fällt auch in Ihren Zuständigkeitsbereich?
Ja, zum Beispiel der Neubau Memmelsdorfer Umgehung war eines meiner großen Projekte. Das ist auch eine Geschichte, die sich im Vorfeld über viele Jahre hingezogen hat mit mehreren Varianten ortsnah, ortsfern und dem Naturschutz. Gebaut war's dann in knapp zwei Jahren.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?
Wenn ich einen konkreten Auftrag habe, mache ich meine Vorerhebungen - wie heute - über Zustand, Schichtdicke, Querneigung. Wir lassen auch die Fahrbahndecke aufbohren, um zu sehen, was drin ist, auch in Hinsicht auf Schadstoffbelastungen wie Teer. Daraus stricke ich dann ein Leistungsverzeichnis, welches die Firmen abholen und bebieten. Das führt am Ende zur Angebotseröffnung, die wirtschaftlichsten Angebote bekommen den Zuschlag. Ich betreue dann die Firmen vor Ort. Kleinere geometrische Planungen, wie zum Beispiel die Forchheimer Kreuzung oder der Einfädelstreifen an der A 73-Ausfahrt Bamberg-Ost, mache ich selbst. Außerdem kümmere ich mich um das Aufmaß und die Abrechnung. Beendet ist für mich eine Maßnahme, wenn die Gewährleistung abgelaufen ist.

War das für Sie schon immer klar, dass Sie im Bereich Straßenbau mal arbeiten werden?
Bauleitung war schon immer mein Wunsch, dass es öffentlicher Dienst wurde, war Zufall. Dass ich in den Straßenbau wollte, war klar...

Was fasziniert Sie daran?
Es ist sehr maschinenintensiv, wenn es brummt und raucht - das ist meine Welt! (lacht)

Straßenbau - war das für Sie als Kind schon ein Thema?
Ja, durchaus. Mein Vater war auch Bauingenieur, im Straßenbauamt in Kronach, allerdings mehr in der Verwaltung. Aber man kriegt trotzdem einiges mit. Ich habe früher als Kind mit Playmobil schon eine große Baustelle gehabt, das hat sich durchgezogen: Als ich 17 war, habe ich meine ersten Ferienjobs auf dem Bau gemacht. Und habe festgestellt, dass es ein Beruf für mich wäre.

Was war Ihr erstes großes Projekt?
Mein erstes großes Projekt am Anfang war die B 505, da haben wir saniert von Hirschaid bis kurz vor der Autobahn, etwa acht Kilometer lang, die Baukosten betrugen damals rund 2,2 Millionen Mark. Vier Wochen haben wir gebaut, das hat richtig gebrummt: 52 Sattelzüge im Umlauf, drei Großfräsen ...

So wie Sie sich das wünschen...
So wie ich es mir wünsche! (lacht)

Wie sehr sind die Arbeiten vom Wetter abhängig?
Es gibt verschiedene Tätigkeiten, die bei Schnee oder Starkregen einfach nicht möglich sind. Im Asphaltbau sind wir unheimlich eingeschränkt, aber auch im Erdbau. Wenn ich große Mengen Damm aufschütten muss und der Boden Wasser empfindlich ist, dann habe ich bei Regen ein Problem...

Warum arbeitet man eigentlich nicht mehr mit Teer?
Teer ist schon seit den 60er Jahren out. Teer ist ein Abfallprodukt aus der Steinkohle-Vergasung und ist krebserregend und ist es immer noch, wenn wir ihn im Straßenaufbruch finden. Bitumen ist unbedenklich, wird sogar in der Medizin angewandt, und ist mehrfach recycelbar.

Alte Straßen können der heutigen Belastung nicht standhalten, hat man in unserer Region da schon viel nachgeholt und die meisten Straßen auf den neuesten Stand gebracht?
Das kommt auf die Belastung an. Hochbelastete Straßen wie der Berliner Ring waren unterdimensioniert, da sind wir relativ gut hinterher. Wobei da alle 15 bis 20 Jahre ein erneuter Sanierungsbedarf da ist. Straßen leben nicht ewig. Wenn ich in den Jura oder in die Fränkische Schweiz schaue, haben wir viele Straßen, die noch zu schmal sind. Früher hat man Straßen gebaut, die waren 5 Meter bis 5,50 Meter breit. Jetzt soll man Straßen bauen, die bei 7 Meter bis 7,50 Meter liegen. Da ist durchaus noch Nachholbedarf vorhanden. Die alten Straßen haben aber den Vorteil, dass sie sehr gut halten, weil sie nicht so stark belastet sind. An unserem stark belasteten Bundesstraßennetz ist dagegen immer etwas zu tun.

Ihnen geht die Arbeit nie aus?
Nein (lacht). Wenn ich mir die Forchheimer Kreuzung anschaue, die habe ich vor ungefähr 17 Jahren erst saniert und musste sie bereits wieder sanieren...

Was steht als nächstes an?
Ende September/Anfang Oktober sanieren wir die B 22.

Wird das eine größere Geschichte?
Sagen wir mal, die Lose auf dem Land bei Oberharnsbach/Unterneuses und Kötsch/Kappel, dauern jeweils eine Woche bis anderthalb Wochen. Unter Voll-sperrung mit Umleitung geht das recht zügig. Wir werden aber auch Debring Lärm sanieren, da haben wir vorher noch ein paar Vorarbeiten zu tun. Das wird schon ein bisschen ein Eingriff in den Verkehr geben.

Das heißt, auch hier gilt für die Verkehrsteilnehmer, Rücksicht nehmen und an die Leute denken, die da arbeiten...
Das wäre schön, ja...