Vor geraumer Zeit gingen der Bund Naturschutz und die Bürgerinitiative Lichteneiche auf die Straße, um ihren Unmut über die weitere Zukunft des Flugplatzgeländes an der Breitenau Luft zu machen. Doch dann wurde es erst einmal ruhig um die ganze Sache. Die Stadt hielt sich ebenso bedeckt wie der Aero-Club, obwohl ein Sprecher des Clubs damals den Aktivisten vorgeworfen hatte, sie hätten während ihrer Demonstration "Halbwahrheiten" verbreitet.

Selbst auf Nachfrage unserer Zeitung wollte sich niemand dazu äußern. Doch inzwischen setzen die Stadt Bamberg, die Stadtwerke und der Aero-Club auf Aufklärung und laden gemeinsam am Dienstag, 16. Juli, um 18.30 Uhr zu einem Bürgerinformationsabend ins Gründerzentrum (IGZ) in die Kronacher Straße ein. Hier soll der aktuelle Sachstand zur zivilen Anschlussnutzung des Sonderlandeplatzes Breitenau erläutert werden.


Eines jedenfalls ist sicher: Die Aktivisten wollen an ihren Forderungen festhalten, ganz gleich, was man ihnen vonseiten der neuen Flughafenbetreiber und der Stadt auf den Tisch legen wird. "Wir wollen noch einmal klarstellen, und das haben wir bereits auch bei unserer Kundgebung betont: Wir stehen der geplanten Brose-Ansiedlung nicht im Wege. Aber der Natur- und Lärmschutz darf deswegen nicht zu kurz kommen", betont Heinz Jung, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz Bamberg, bei einem Gespräch mit der Lokalredaktion. Schließlich sei das Flugplatzgelände aus Sicht des Naturschutzes eines der wertvollsten Flächen in ganz Deutschland.

"Der Bamberger Flugplatz gilt als Biotop mit großer Bedeutung. Er beherbergt zahlreiche Rote-Liste-Arten, und zwar sowohl im Bereich der Flora als auch der Fauna", ergänzt der Biologe Gerhard Spörlein. So seien allein über 50 verschiedene Vogel-Arten auf dem Flugplatz beheimatet. Darunter auch beispielsweise das Braunkehlchen, die Feldlerche oder der Kiebitz, die alle drei in Deutschland nur noch selten vorkommen und auf der Roten Liste als vom Aussterben gefährdet eingestuft sind.

Bis heute keine Reaktion

Daher, so beklagen die Naturschützer, sei es ihnen unverständlich, warum das Flugplatzgelände nicht endlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird. Einen ersten Antrag dazu hat der Bund Naturschutz Bamberg bereits 1998 erstellt. Dieser wurde im Jahr 2003 und im September letzten Jahres wiederholt. Doch, so bedauern die Naturschützer, sei bis heute das Flughafengelände nicht als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Und dies obwohl im Jahr 2009 die Regierung von Oberfranken dem BN in einem Schreiben mitgeteilt habe, dass "aus fachlicher Sicht dieses Gebiet durchaus die Voraussetzungen für eine Ausweisung als Naturschutzgebiet erfüllt".

Gleichzeitig werde aber vonseiten der oberfränkischen Regierung betont, dass sie keine Dringlichkeit für eine Unterschutzstellung sehe. Denn solange dort die aktuelle Flug-Nutzung fortgeführt werde, bestünde keine Gefahr einer Beeinträchtigung der Fläche. Der Stadtrat, so schildert Jung, habe zudem in seiner Sitzung vom 26. Juli 2012 einen Beschluss gefasst, der die wertvollen Flächen im Bereich des Flugplatzes Breitenau dauerhaft als Schutzgebiet sichern soll.

Doch den Naturschützern reicht dies bei Weitem nicht. "Wie schnell kann beispielsweise ein neuer Stadtrat den alten Beschluss wieder aufheben", warnt Jung. Zudem befürchtet er durch die lange Hinhaltetaktik, dass Brose eventuell versteckte Expansionspläne haben könnte und sein Unternehmen auf dem Sandmagerrasenflächen ausweiten möchte. Nur eine explizite Ausweisung des Gebiets als Naturschutzgebiet würde dauerhaft auch die Artenvielfalt sichern.

Die Bürgerinitiative Lichteneiche drücken ganz andere Sorgen. "An die Sportflieger haben wir uns gewöhnt, aber die Jet-Flugzeuge erzeugen gewaltigen Lärm", klagt Bettina Braun, Sprecherin der Initiative. Einmal am Tag wäre so ein Überflug noch hinnehmbar, wenn aber der Flugbetrieb auch noch auf die Nacht ausgedehnt wird, wäre dies eine enorme Lärmbelästigung, die man nicht hinnehmen wolle. Neben einem Nachtflugverbot fordert die Initiative auch eine Beschränkung der Flugfrequenz. "Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Brose fünf festangestellte Piloten beschäftigt und die Stadtwerke den Flughafen für 6,5 Millionen Euro ausbauen, nur für einen einzigen Flug am Tag", warnt Dietmar Beck, ebenfalls Mitglied der Bürgerinitiative und Flutlotse im Ruhestand. Zumal die Firma Brose durch eine Service-Fluggesellschaft auch Flüge für andere Firmen anbieten könne.

"Angst unbegründet"

Ulrike Siebenhaar von der Pressestelle der Stadt beschwichtigt: "Dass der Flugverkehr zunehmen werde, ist eine unbegründete Angst. Und übrigens haben schon heute auch andere Firmen die Möglichkeit, den Werksverkehr zu nutzen." Dennoch seien interessanterweise die Flugzahlen in den vergangenen Jahren massiv nach unten gegangen. Auch prüfe die Stadt derzeit die rechtlichen Hintergründe zu einem Nachtflugverbot. Außerdem habe es in den letzten Jahren nie nächtlichen Werksverkehr gegeben, sondern ausnahmslos private Starts und Landungen. Und die wären alle an Silvester von den Mitgliedern des Aero-Clubs getätigt worden. Ferner verspricht Siebenhaar, dass bei der morgigen Bürgerinformationsveranstaltung sämtliche Zahlen zum Flugverkehr präsentiert würden.

Eine explizite Ausweisung des Flughafenareals als Naturschutzgebiet sieht sie hingegen nicht als erforderlich. Da der schützenswerte Zustand des Areals durch eine künftige Nutzung wie bisher als Sonderlandeplatz nicht gefährdet sei, sondern im Gegenteil bewahrt werde. Siebenhaar: "Und sollte es im Zuge der Ansiedlung der Firma Brose zu unvermeidbaren Flächeneingriffen kommen, hat sich die Stadt Bamberg verpflichtet, diese entsprechend den gesetzlichen Anforderungen auszugleichen. Damit ist sichergestellt, dass die Ansiedlung und Entwicklung der Firma Brose im Einklang mit naturschutzfachlichen Erfordernissen erfolgt."