Den Schulterschluss haben Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke und sein Parteifreund Markus Zirkel, Bürgermeister von Hallstadt (beide SPD), in den vergangenen Jahren immer wieder öffentlich zelebriert. Zwischen sie passt kein Blatt Papier, war der Eindruck, den die Stadtoberhäupter erwecken wollten. Doch nun steht die Männerfreundschaft vor einer Belastungsprobe. Der Grund: Bamberg und Hallstadt konkurrieren um ein Projekt, das 500 neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Millionenhöhe verheißt.

Den Entscheidungsträgern in den beteiligten Kommunen sind die Unternehmenspläne seit etwa sechs Wochen bekannt. Am Dienstag haben sie für erste öffentliche Aufregung gesorgt. Der Coburger Automobilzulieferer Brose, angetrieben von guten Zahlen, will die Geschäftsentwicklung künftig stärker auf die Standorte Würzburg und Bamberg konzentrieren, wie es in einer Mitarbeiter-Information hieß. Konkret: Brose plant, "in den kommenden zwei Jahren im Bamberger Raum ein Verwaltungsgebäude für rund 500 Arbeitsplätze zu errichten".

Was für Coburg als Stammsitz des Konzerns eine herbe Enttäuschung bedeutete, sorgt im Rathaus Bamberg für Freude: "Ein solches Vorhaben ist eine deutliche Aufwertung des Wirtschaftsraums Bamberg, und es besteht kein Zweifel, dass die Stadt Bamberg alle Hebel in Bewegung setzen muss, um im Wettbewerb mit anderen Standorten mithalten zu können", sagt OB Starke. Doch auch in Hallstadt will man sich die Chance nicht entgehen lassen, wie Markus Zirkel klar macht: "Die Stadt Hallstadt hat großes Interesse, dass die Firma Brose in Hallstadt erweitert. Das ist eine Superchance für den Raum Bamberg."


Umplanungen sind nötig



Ganz ohne Umplanungen schaffen es aber weder die Bamberger, noch die Hallstadter, für Brose ein, wie gefordert, 50.000 Quadratmeter großes Grundstück aus dem Ärmel zu schütteln, das schnell verfügbar und verkehrsgünstig gelegen ist.

Bamberg immerhin ist es in Rekordzeit gelungen, ein hochattraktives Gelände an der Breitenau ins Gespräch zu bringen. Es hätte den Vorzug, dass Flugplatz, Parkplätze und Autobahnanbindung vor der Haustüre liegen. Den größten Nachteil hat OB Starke teilweise bereits aus dem Weg geräumt: Die drei Sportplätze des TSV Eintracht, die derzeit von der zweiten Mannschaft und den Jugendteams des FC Eintracht bespielt werden, müssten verlegt werden. Doch dem Ersatz-Angebot von drei gleichwertigen Sportplätzen im Volksparkgelände hat der Vorstand der Stiftung TSV Eintracht Bamberg als Eigentümerin laut Starke bereits zugestimmt. Auch ein Neubau des maroden Vereinsheims des FC Eintracht für den TSV Eintracht gehört zu dieser Paketlösung. Starke, der vergangene Woche den Ältestenrat informierte, weiß sich breiter Unterstützung sicher: "Die Bürgervereine Kramersfeld und Gartenstadt unterstützen das Vorhaben, weil sie um die Bedeutung für ihren Stadtteil wissen." Auch die für die Ansiedelung nötige Verlegung des Plärrers sieht der OB nicht als Problem: Die Zufriedenheit der Veranstalter mit diesem Standort sei ohnehin nicht mehr vorhanden.


Hallstadt hinkt noch hinterher



Ganz so weit wie in Bamberg ist man in Hallstadt noch nicht. Für den Standort Hallstadt spricht zwar, dass hier die Firmeninfrastruktur für 1450 Brose-Mitarbeiter zur Verfügung steht. Doch die einzige Flächenreserve mit 50.000 Quadratmetern befindet sich auf dem Gelände des Turnverein Hallstadt mit der Bettelseehalle und dem des benachbarten Tennisclubs Hallstadt. Die gedankliche Option, Brose hier, gleich gegenüber des bestehenden Werks, anzusiedeln, gebe es, sagt Zirkel. Doch mehr auch nicht: "Wenn es zu einer solchen Lösung käme, würden wir den Vereinen natürlich eine neue Heimat anbieten", sagt Zirkel. Dazu müsste die Stadt Hallstadt allerdings erst selbst Grund erwerben, was die Sache verzögern würde.

Brose selbst lässt sich derzeit alle Optionen offen. Noch ist nichts in trockenen Tüchern, verlautete am Mittwoch aus Coburg. Jürgen Otto, Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose Unternehmensgruppe, formuliert es so: "Wir werden in den kommenden Monaten untersuchen, welche Funktionen in Bamberg installiert werden, um die Effizienz unserer Organisation zu optimieren."

Wer im Wettrennen der Nachbarstädte am Ende die Nase vorn hat, ob Bamberg oder Hallstadt, dürfte sich bald zeigen. Dem Vernehmen nach soll die Entscheidung nicht lange auf sich warten lassen. Der Männerfreundschaft zwischen Andreas Starke und Markus Zirkel wird der Wettbewerb aber nicht schaden, glaubt Hallstadts Bürgermeister: "Ich sehe das sportlich. Möge der Bessere gewinnen."