Armut und Not: Das trifft in der mittelalterlichen Stadt Bamberg vor allem alte und mittellose Frauen. Doch es gibt reiche Mitbürger und Adelige, die helfen wollen: Aus christlicher Nächstenliebe - und auch zum eigenen Seelenheil. Unter denen, die Hilfe leisten, ist Margaretha Stahl, die zweite Frau des fürstlichen Kammersekretärs Johann Stahl.

Das Paar ist kinderlos, deshalb erbt Margaretha nach dem Tod ihres Gatten das Familienvermögen samt einem Anwesen in der Bamberger Dominikanerstraße 7. Dieses gesamte Hab und Gut vermacht sie laut einem Stiftungsbrief vom 26. März 1651 armen Jungfrauen und Witwen. Nach ihrem Tod 1669 tritt die Stiftung in Kraft.
Gemäß der testamentarischen Verfügung sollen acht Schwestern im Haus Unterkunft finden. Es wird von einer "Meisterin" geleitet, die Mitschwestern entscheiden über die Neuaufnahme der Insassen. Die Stiftungsverwaltung liegt in der Hand eines Pflegers. 1744 kaufen sich noch einmal zwei Schwestern ein, die allerdings die notwendigen Umbauten ihrer Zimmer selbst bezahlen müssen.


Das Leben hier ist sicher

Dass sich Frauen "einkaufen", liegt daran, dass das Leben in einem so wohlbehüteten Haus sicher ist und man gerne dazugehören will. Deshalb bietet manch reichere Witwe an, was ihr gehört. 1767 können durch eine testamentarische Verfügung einer Bäckerswitwe zwei weitere Schwestern aufgenommen werden, die in den Rechnungen immer als die "Beckenschwestern" bezeichnet werden. Die Stiftung trägt sich aus dem Stiftungsvermögen, Spenden, aus dem Nachlass der verstorbenen Schwestern, deren halbes Vermögen nach den Stiftungsstatuten automatisch an die Stiftung fällt und nicht zuletzt aus den Zinsen verliehenen Kapitals.

Das Leben im Haus besteht aus gemeinsamen Essen und Gebeten. Die jüngeren Frauen kümmern sich um die Gebrechlichen im Haus. Es werden Hand- und Näharbeiten ausgeführt, die anschließend verkauft werden. Manche Schwester übernimmt soziale Dienste, wie Kindbettwarten, die Pflege älterer Menschen in der Stadt oder Krankenschwesterdienste.


Hoffnung auf Seelenheil

Von der Stifterin gibt es ein leider verschollenes Ölgemälde. Eine lange Inschrift am unteren Rand des Bildes gibt folgende Auskunft: "Gott dem Allmächtigen und der Jungfrauen zu Lob, dan meiner und meiner beeden in Gott ruhenden Ehewirthen Seelen zum Trost hab ich Margaretha Stehlin dieses Haus gestifftet allen Schwestern, bedeutend daß jede schuldig sey, täglich von uns 20 Vatter unser und Ave Maria mit einem Glauben zu betten: vörderist sich in aller Liebreich und Gottseeligkeit also zu verhalden, daß Gott an meiner Stiftung desto größeren Gefallen haben und uns dafür das ewige Leben gebe möge."

In diesem Text steckt die Furcht, Gott könne der Verstorbenen nicht gnädig sein. Durch die Stiftung allgemein und durch das Gebet der Schwestern im Besonderen erhofft sich Margaretha Stahl ihr persönliches Seelenheil. Die Fürsorge für die Seelen der Verstorbenen übernehmen normalerweise die Kinder. Doch da Margaretha Stahl keine Kinder hat, versucht sie durch die Stiftung, dem Fegefeuer und dem Vergessenwerden entgegenzuwirken.
Im Stiftungsbrief von 1651 lässt Margaretha Stahl dann noch zusätzlich vermerken, dass dieses Bild auch nach ihrem Tod im Haus verbleiben und in der unteren Stube aufgehängt werden solle, "darmit die schwestern sich der ihnen vorgeschriebenen reguln umb desto besser erinnern, selbige vleisig halten, und in sonderheit, was under gedachtem bild geschrieben steht, wol betrachten und in gute obacht nehmen sollen". Welche Furcht vor der Verdammnis muss sie getrieben haben!

1804 geht das Schwesternhaus der Margaretha Stahl im Zuge der Säkularisierung an das Königreich Bayern. Die Schwestern müssen ausziehen und - wie Schwestern anderer Stiftungen auch - ins aufgehobene Karmelitenkloster auf den Kaulberg übersiedeln. Die somit "Vereinigten Schwesternhäuser" werden zu einer "Pflanzschule für Krankenpflegerinnen" umgewandelt.


Zuletzt in der Eisgrube

1839 werden die Stahlschen Schwestern durch einen königlichen Erlass wieder in ihre alten Rechte eingesetzt. 1841 verlassen sie das ehemalige Kloster (die Frauen der anderen Schwesternhausstiftungen blieben noch bis 1858) und beziehen zunächst ein Haus in der Judenstraße. 1865 kaufen sie für 13 500 Gulden ein Anwesen in der Eisgrube, das nach einigen Umbauten ihre neue Heimstatt wird. 2001 wird die Stahl'sche Schwesternhausstiftung aufgelöst.