Im so genannten Messerschmitt-Papier ist es nur ein kurzer Satz. Aber er hat das Zeug dazu, die Verantwortlichen im Bamberger Rathaus in eine lange nicht mehr gehörte Konfrontation zu zwingen. CSU und SPD, die Träger der "Großen Kooperationsgemeinschaft", kurz GroKo, stehen sich ziemlich genau ein Jahr nach der Kommunalwahl in einer wichtigen Frage in verschiedenen Lagern gegenüber.

"Wiederbelebung eines Wirtschaftsbeirats für die Stadt Bamberg" lautet der scheinbar harmlose Punkt im Koalitionspapier. Wahrlich kein Aufreger: Wer wollte etwas gegen mehr wirtschaftlichen Sachverstand im Stadtrat sagen?

Doch der Antrag der CSU, den formal nie aufgelösten Wirtschaftsbeirat aus dem letzten Jahrzehnt durch die Benennung eines neuen Vorsitzenden ins Leben zurückzurufen, stößt auf Abwehrbewegungen in der Verwaltung. Grund ist die damit untrennbar verknüpfte Personalie Heribert Trunk.

Aus Sicht der CSU gibt es niemanden, der in Bamberg eher dazu prädestiniert wäre, einem neuen Bamberger Wirtschaftsbeirat vorzustehen als ihn: den IHK-Präsidenten HeribertTrunk, einen erfolgreichen Unternehmer, selbst Mitglied der CSU und leidenschaftlichen Bamberger. Freilich ist Trunk auch ein Mann, der sich im Rathaus durch seine kritischen Bemerkungen zur Bamberger Politik zuletzt nicht nur Freunde gemacht hat. Er gilt als umstritten.

CSU-Chef Helmut Müller lässt sich vom Stirnrunzeln seiner politischen Weggefährten nicht beeindrucken. In der Sitzung des Ältestenrats am vorletzten Freitag hat er den Favoriten der CSU erstmals genannt - und erwartungsgemäß wenig Freude beim Koalitionspartner ausgelöst. Klaus Stieringer, Chef der SPD-Fraktion, stellt Trunks wirtschaftliche Kompetenz und Erfahrung zwar nicht in Abrede, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er die gelegentlichen "Weckrufe" des Präsidenten in der Öffentlicheit für wenig hilfreich und von "persönlichen Motiven" getrieben hält. "Ich werde häufig darauf angesprochen, dass der IHK-Präsident kein gutes Haar an Bamberg lässt. Kritik mag ja berechtigt sein, aber man muss Bamberg nicht schlecht machen", sagt Stieringer. Eine Ernennung Trunks werde mit den Stimmen der SPD nicht zu machen sein.

Kritik um der Kritik willen? Spricht man mit Heribert Trunk, hört sich das ganz anders an. Den 53-Jährigen treibt nach eigener Darstellung die "ernste Sorge" um die Zukunft seiner Heimatstadt um. Sie ist es, die in zentralen Handlungsfeldern zuletzt deutlich an Boden verloren habe. Wiederholt monierte Trunk etwa, dass die Zentralität der Handelsstadt dramatisch verfalle. Gleichzeitig warnt er vor den Folgen des oberfrankenweit einmaligen Einbruchs bei den Bamberger Gewerbesteuereinnahmen. Trunk weist darauf hin, dass die guten Zahlen des Landkreises den schlechten Zustand der Stadt noch beschönigten. Sein Rezept: "Bamberg braucht den sachlichen Schulterschluss mit der Wirtschaft, um wieder nach vorne zu kommen." Förderung eines einzelnen großen Unternehmens reiche dagegen nicht aus. "Wirtschaft darf nicht mit verkürztem Alphabet gesehen werden."

Es sind solche Spitzen, die Trunk im Rathaus zum Nachteil ausgelegt werden. Auch Bambergs OB Andreas Starke (SPD) steht dem Kandidaten trotz des unbestrittenen Ansehens als Wirtschaftsführer mit gemischten Gefühlen gegenüber. "Für meinen Geschmack sieht Heribert Trunk seine Heimatstadt Bamberg viel zu kritisch und ist manchmal wenig konstruktiv. Er verkennt, dass Bamberg in Oberfranken eine erfolgreiche Wirtschaftslokomotive darstellt", sagt der OB.

Zwar will auch Starke nicht ausschließen, dass Trunk seine Stärken an der Spitze des Wirtschaftsbeirat im rotierenden Wechsel einbringen könnte, doch eine "Ansammlung von Honoratioren" lehnt er ab. "Es kann nicht sein, dass ein Einzelner den gesamten Wirtschaftsbeirat bestimmt. Das wäre undemokratisch", sagt der OB und verweist auf ein Konzept der SPD-Fraktion.

Darin schlägt Klaus Stieringer einen siebenköpfigen Wirtschaftsbeirat vor, der von allen fünf Fraktionen bestimmt würde. CSU und SPD hätten dabei ein Vorschlagsrecht für vier, Grüne, Bürger-Block und Freie Wähler für drei Kandidaten.
Doch es ist fraglich, ob der Vorschlag geeignet ist, den Streit beizulegen. Heribert Trunk hat erst am Wochenende auf Facebook deutlich gemacht, dass er keineswegs gewillt sei, auf einem "Parteiticket" in das neue Ehrenamt zu segeln. Sein Motto formulierte er mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse in Bambergs so: "Zielorientiert statt Partei- oder Klüngelpolitisch."

OB Starke hat unterdessen die Verwaltung angewiesen, die Praxis in anderen Städten zu erkunden. Welche Kompetenzen haben die Wirtschaftsbeiräte, welche Aufgaben und wie werden sie besetzt", lauten die Fragen, die noch vor der Sommerpause geklärt werden sollen.

Doch schon gibt es Zweifel, ob die Erfahrungen anderer Städte helfen, dem Stadtrat in Bamberg die Grundsatzentscheidung abzunehmen: Will man den IHK-Chef mit seinen weit reichenden Verbindungen als Chef des neuen Wirtschaftsbeirats? Oder schlägt man die Offerte mit mancherlei Winkelzügen aus?
Dabei mangelt es Trunk nicht an Unterstützern im Stadtrat - auch und gerade außerhalb der CSU. "Ich habe ihn in seiner Zeit als Stadtrat als sehr verlässlichen Partner kennengelernt. Mit meiner Unterstützung kann er rechnen", sagt etwa der Chef der Freien Wähler, Dieter Weinsheimer. Norbert Tscherner (BBB) spricht vom nötigen Gegengewicht zu Andreas Starke (SPD).

Und auch Peter Gack von den Grünen lobt an Trunk Fachwissen, Verbindungen und kritische Grundhaltung: "Wenn es um Netzwerk und Kompetenz geht, gibt es keinen Weg am IHK-Präsidenten vorbei. Ein Gremium, das sich nur selbst beweihräuchert, brauchen wir nicht."