Zwischen kolossalen Logistikhallen und der von einem Recycling-Unternehmen in eine Mondlandschaft verwandelten Flussaue soll sich ein Stück Natur ausbreiten: In letzter Zeit wurde im Winkel der Pettstadter Ohmstraße mit der aus Frensdorf zur B505 führenden Kreisstraße eine Ausgleichsfläche von 1,655 Hektar renaturiert, die vorher ertragreiches Ackerland war.

Die Hoffnung der Gemeinde und der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Bamberg ist, dass sich auf dieser Fläche die Artenvielfalt ansiedelt, die seit Urzeiten fürs Regnitztal typisch ist: Über den Sand- und Kiesablagerungen des Flusses, der sich immer wieder einen neuen Verlauf gesucht hat, gedeihen Pflanzen und leben Tiere, die heute geschützt werden müssen.


Die "kleinen Wüsten"

Zum Beispiel Silbergras oder Sandgrasnelke, Bergsandglöckchen, Schaf-Schwingel, Ödlandschnecke, Trugameise, Ameisenlöwen oder Bekassinen. Ihre Heimat, ihr Lebensraum verschwanden fast ganz unter Beton, Asphalt oder Schutt. Und auch die Landwirtschaft machte den Ureinwohnern des Regnitztal in weiten Bereichen den Garaus. Sie gedeihen auf mageren Sandböden, die durch Hitze, Trockenheit und Nährstoffarmut gekennzeichnet sind; von "kleinen Wüsten" ist die Rede.

Bis auf ein Prozent der ursprünglichen Fläche waren diese Sandlebensräume in den Flusstälern von Regnitz, Pegnitz und Rednitz bis zur Jahrtausendwende zurückgegangen. Die Restflächen zu sichern und zu einem überlebensfähigen Biotopverbund zusammenzuführen, war das Ziel des im Jahr 2000 gestarteten Projekts "Sandachse Franken", einem der größten Naturschutzgebiete in Bayern. Die "Pettstadter Sandgrasheide" gehört dazu; sie war überhaupt das erste Naturschutzgebiet im Landkreis Bamberg. Und sie liegt ganz in der Nähe der heute intensiv ausgebeuteten oder umgenutzten und versiegelten Landschaft östlich von Pettstadt.

"Unter der im letzten Jahr neu entstandenen Logistikhalle gibt's kein Leben mehr," macht Naturschutzreferent Klaus Then vom Landratsamt Bamberg beim Ortstermin an der Ohmstraße klar. Um dieses Projekt der Firma Stürmer verwirklichen zu können, musste der Flächennutzungsplan von Pettstadt geändert werden. Zu den Bedingungen für die Genehmigung gehörte ein Grünordnungsplan: Der Eingriff in die Natur musste durch eine Ausgleichsfläche abgemildert werden, die nach den Erfordernissen von Naturschutz und Landschaftspflege zu gestalten war. Die Fachplaner vom "Team4" und die Untere Naturschutzbehörde gaben ihr Bestes.

40.000 Euro für Renaturierung

Und die Gemeinde musste rund 40.000 Euro aufwenden, um das einstige Ackerland zu renaturieren. Dazu wurde die jahrhundertelang beackerte, fruchtbare Krume abgetragen; der Humus wurde bis auf einen restlichen Haufen abgegeben. Sodann wurde nach Angaben des Fachplaners angemischtes Saatgut ausgebracht, um die seltenen Pflanzenarten anzusiedeln. Und zu guter Letzt wurden 54 großkronige Bäume standortgerechter Arten gepflanzt: Spitzahorn, Hainbuche, Winterlinde und Vogelkirschen. Oliver Prell von der Firma "Gärten fürs Leben", der die Pflanzung leitete, hat dabei auch schon die ersten Rebhühner auf der Fläche entdeckt. Nun hoffen die Naturfreunde, dass die ersten Wiesenbrüter nicht lange auf sich warten lassen.

Mit der Ansaat und Bepflanzung ist es freilich nicht getan: Vorgeschrieben ist unter anderem, die Fläche zweimal jährlich zu mähen. Das Heu muss auf der Fläche trocknen, so dass der Samen ausfallen kann. Dann aber muss das Mähgut abgeräumt werden, damit es nicht unnötig den Boden düngt.

Nicht nur aus Kostengründen wären Bürgermeister Jochen Hack (FWG) tierische Landschaftspfleger willkommen: Die Gemeinde würde die Fläche gern einem Schäfer anvertrauen, der zu bestimmten Zeiten seine Herde darauf weiden dürfte. Hack teilte mit, dass der Landschaftsplaner Guido Bauernschmitt eine Informationstafel aufstellen lässt, um die Bevölkerung auf die Besonderheiten des scheinbar nutzlosen Areals hinzuweisen. Es ist weder als Bolzplatz, noch als Hundeklo oder zur Ablagerung von Abfällen gedacht.

Die nächsten Baumaßnahmen

Im besten Fall entsteht ein kleines Paradies aus Menschenhand. Dass es gelegentlich vom Hochwasser der Regnitz überschwemmt wird, wäre nur natürlich. Gleichwohl zeichnen sich die nächsten Baumaßnahmen in der Nähe jetzt schon ab. Fürs kommende Frühjahr kündigte Bürgermeister Hack die schwerverkehrstaugliche Aufweitung des Kreisels am Gewerbegebiet sowie den Bau einer Einfädelspur an der Abfahrt der B 505 an. Ferner hat die Spedition Wicht den Bau einer großen Logistikhalle beantragt. Bleibt zu hoffen, dass bei alledem das zarte Pflänzchen Natur nicht gleich wieder unter die Räder gerät.