James R. Fitzgerald macht Urlaub in Franken. Seinen Beruf aber trägt er immer mit sich: Als ehemaliger Ermittler beim Federal Bureau of Investigation, besser bekannt unter der Abkürzung FBI , kann er nicht anders als beobachten und nach potenziellen Gefahren und Sicherheitslücken Ausschau halten. Wie steht's denn nun in Bamberg mit der Sicherheit, Herr Fitzgerald?

"Kriminelle verraten sich durch ihren Blick", sagt der Amerikaner. "Wie Tiere suchen sie nach ihrem Opfer, einer schwachen Person." Obwohl er die Augen immer nach Verbrechen offen halte, sei ihm in Bamberg so jemand aber noch nicht begegnet, versichert er. Ganz im Gegenteil: "Ich bin begeistert von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier."

Fitzgerald trägt weder Anzug noch schwarze Sonnenbrille und flüstert keine geheimen Botschaften in ein verstecktes Headset. Als Tourist erkundet die Bamberg lieber im bequemen Sommeroutfit. Nach Bamberg kam er in Begleitung der Wissenschaftlerin Natalie Schilling-Estes, die sich wie er mit dem Thema "Forensic Lingustic" beschäftigt. Über diese "Kriminalsprache" hielt sie als Gastdozentin Vorträge an der Uni Bamberg.

Fitzgeralds FBI-Erfahrungen mit "Forensic Lingustics" nützen nicht nur im wahren Leben. Als Berater der Serie "Criminal Minds" hilft er Hollywood, die Geschichten möglichst authentisch zu halten.

20 Jahre lang war der 59-Jährige tätig beim Federal Bureau of Investigation, der Ermittlungsbehörde der US-amerikanischen Justiz. Dabei spezialisierte er sich mit der Zeit darauf, Täter anhand ihres Schrift- und Sprachgebrauchs zu identifizieren.

"In Bamberg nützen mir meine sprachlichen Kenntnisse in Englisch leider gar nichts. Mein Deutsch ist gerade ausreichend, um ein Bier zu bestellen", gibt Fitzgerald zu.

Auf einem Keller wurde er davon überzeugt, dass die Bamberger absolut friedfertig sind. "Als wir keinen Platz gefunden haben, hat uns ein netter Mann eine Ecke an seinem Tisch angeboten. Wir konnten uns nur mit Händen und Füßen verständigen, aber ich habe mich sehr über die Gastfreundlichkeit gefreut."

Das richtige Maß an Polizei


Nach den Beobachtungen von Fitzgerald ist Franken eine sehr sichere Region. Ihm ist aufgefallen, dass die Polizei an öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen und Flughäfen präsent ist: "In der Altstadt habe ich viele Polizisten zu Fuß oder auf dem Rad gesehen. Das gibt mir ein sicheres Gefühl. Es sind aber nicht so viele, dass ich mich beobachtet fühlen würde."

Nicht nur die amerikanischen Behörden legen seit den Anschlägen vom 11. September 2001 einen besonderen Fokus auf die Bekämpfung des Terrorismus. Auch in Deutschland wird jeder Einreisende streng durchleuchtet, wie der ehemalige Ermittler am eigenen Leib zu spüren bekam. Am Frankfurter Flughafen wurde er vor einigen Jahren als einziger beim Check-Out heraus gewunken und durchsucht. Später sagten die Beamten, dass daran auch sein FBI-Ausweis nichts geändert hätte. "Das fand ich gut. Immerhin machten sie ihren Job, unabhängig von meinem Status", sagt Fitzgerald.

Während seiner Zeit beim FBI hatte er stets Waffe und kugelsichere Weste in Reichweite und war bei zwei Schussgefechten selbst dabei. Er hat nach Kriminellen und Terroristen gefahndet, undercover gearbeitet und Gewalt- und Sexualverbrechen aufgedeckt. Die Festnahme des "Unabombers" war einer der spektakulärsten Fälle, an denen er beteiligt war. Zwischen 1978 und 1995 hatte Ted Kaczynski mit Hilfe von Briefbomben drei Menschen getötet und 23 weitere verletzt. Durch das Wiedererkennen seines Schreibstils in einem Manifest konnte das FBI den Bombenleger schnappen. Satzstrukturen, E-Mails oder Blogeinträge helfen Fitzgerald immer noch, Personen aufzuspüren, heute allerdings für eine private Ermittlungsfirma.

Mit dem Thema "Forensic Lingustic" beschäftigt sich auch Natalie Schilling-Estes, die in Bamberg Vorträge hielt und an der Uni erklärte, wie man Kriminelle anhand ihrer Schreibgewohnheiten identifizieren kann. Über Satzstellungen, Dialekte und Verwendungen von Satz- oder sogar Leerzeichen lassen sich Personenprofile erstellen. So können häufig Alter, Geschlecht, sozialer Status oder gar die Herkunftsregion ermittelt und der Kreis der Verdächtigen eingeschränkt werden.

Mit dem Rücken an der Wand


Auch wenn James R. Fitzgerald nicht mehr auf der Suche nach dem Staatsfeindes Nummer 1 ist, haben ihn gewisse Reflexe nicht verlassen, sagt er schmunzelnd. "Nichts gegen die Bamberger - aber auch im Schlenkerla setze ich mich so, dass ich nur die Wand in meinem Rücken habe." Nur so zur Sicherheit, versteht sich.