Bamberg
Denkmal

Eine bedrohte Schönheit

Mit Familie Fiedler als neuer Eigentümerin sieht das Aufseßhöflein in der Nordflur wieder besseren Zeiten entgegen. Es könnte Arbeitsplatz, Wohnung und ein Ort werden, an dem die Bamberger zu besonderen Anlässen feiern. Bis es soweit ist, bleibt aber viel zu tun.
Andrea und Stefan Fiedler sind die stolzen Besitzer des Aufseeshöfleins. Der Zustand des Hauses schreckt sie nicht. Alle Fotos: Michael Gründel
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Sorgenfalten? Die sucht man bei Andrea und Stefan Fiedler vergeblich. Obwohl sie vor ein paar Monaten mit dem Aufseßhöflein das größte Sorgenkind der städtischen und staatlichen Denkmalpflege gekauft haben, scheint ihnen die Herausforderung kein Kopfzerbrechen bereiten. Im Gegenteil. Das Ehepaar wirkt wie elektrisiert von seinem Ziel, das barocke Kleinod zu retten. Es schmiedet Pläne für die mögliche Nutzung, hat auf dem Papier schon einen Garten mit Buchsbaum-Gevierten und Wasserbecken angelegt, steht in Verbindung mit allen relevanten Behörden und ist alle paar Tage selbst vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen und Vorarbeiten zu leisten, damit die Sanierung los gehen kann, sobald das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) grünes Licht gibt.
Ein Stukkateur, der im Auftrag des LfD die kunstvoll ausgeschmückten Räume betrachtet hat, muss tief beeindruckt gewesen sein von dem, was er da zu sehen
bekam: "Zum Hinknieen schön" zitiert Andrea Fiedler den Fachmann.

Tatsächlich verbirgt sich in dem scheinbar maroden Gebäude ein wahrer Schatz. Gezeichnet vom Zahn der Zeit, von Schmierereien ungebetener Gäste, auch von Bakterienbefall, bringt der kunstvolle Stuck an Decken und Wänden noch jeden Betrachter zum Staunen. Es scheint an ein Wunder zu grenzen, wie viel davon noch vorhanden ist. Der Niedergang des Lustschlösschens begann keine 100 Jahre nach seiner Fertigstellung. Philipp Friedrich von Aufsess hatte es sich in den Jahren 1723 bis 1728 damals weit vor den Toren Bambergs an einem kleinen See bauen lassen. Den historischen Aufzeichnungen zu folge erlebte das Haus schon nach 1760 einen Ausverkauf.
Dabei hatte der so genannte Gartensaal, den die Fiedlers eines Tages wieder nach alten Plänen durch eine Freitreppe von außen zugänglich machen möchten, erst 1752 jene Stukkausstattung erhalten, die heute als Hauptwerk des Rokokostils in Bamberg gilt. Sie ist ein Werk von Dominikus Eckert. Das Landesamt für Denkmalpflege spricht von einem "Unikat in der oberfränkischen Denkmallandschaft".

Der Saal wurde in den vergangenen Wochen professionell vermessen und fotografiert. Dafür musste vorübergehend das Netz entfernt werden, das seit Jahren unter der Decke hing, um abfallende Stuckteile aufzufangen. Statiker und Stukkateur haben ihre Untersuchungen vor Ort beendet. Stefan Fiedler ist gespannt auf ihre Kostenberechnungen und darauf, ob sie wesentlich von seiner eigenen Kalkulation abweichen. Das Ehepaar hat wiederholt Einzeldenkmäler saniert, wurde auch schon ausgezeichnet. Das Aufseßhöflein stellt für sie eine neue Größenordnung dar. "Bisher haben wir alle Häuser ohne Zuschüsse gemacht." Diesmal sei man auf Fördermittel angewiesen und die seien auch in Aussicht gestellt.

Um Geld zu sparen, aber auch, weil es ihnen angeblich Spaß macht, schaffen die Fiedlers mit Verwandten und Bekannten jeden Samstag im Aufseßhöflein. Auch bei der herrschenden Kälte. Ihnen werde schon warm, versichert der 45-jährige Hausherr und zeigt die ehemalige Küche und den früheren Stall im Erdgeschoss: Ein Betonboden und -zig Kubikmeter Auffüllmaterial sind schon heraus geschaufelt. Darunter kommt der ursprüngliche Belag aus Steinplatten zum Vorschein. Licht gibt es auf der Baustelle: Fiedler hat eine alte Stromleitung wieder aktiviert. Eine Heizung wurde nie eingebaut, obwohl das Gebäude bis um die Jahrtausendwende bewohnt war.
Ursprünglich ein Sommersitz, verfügte das Schlösschen wohl über Kachelöfen; darauf deuten Scherbenfunde hin. Fiedlers hoffen, irgendwo passenden Ersatz zu finden. Noch zugemauert ist der offene Kamin im Saal.

Der Gartensaal, das Prachtstück des Aufseßhöfleins, soll eines Tages der Öffentlichkeit zugänglich sein. Das Einverständnis der Denkmalpflege vorausgesetzt, wollen die Eigentümer ihn für eine "gehobene Nutzung" vermieten. Eine ständige Gastronomie kommt für sie nicht in Frage; die Eingriffe in die Substanz wären zu groß. Aus demselben Grund wird die Heizungsanlage wohl in einem noch zu errichtenden Nebengebäude untergebracht. Im Parterre könnte ein Laden oder Atelier entstehen, unter dem Dach eine große Wohnung. Ob das Bamberger Ehepaar selbst einziehen oder vermieten wird, ist noch Zukunftsmusik. Es komme darauf an, das Haus zu nutzen und für Eindringlinge unattraktiv zu machen, ist ihre Überlegung.
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