Der reinen Wolken unverhofftes Blau, ein weiches Grau von Kieselstein und Schattenwurf, viel lichtes Grün, das tiefe Rot einer flammenden Iris: Augenblicke und Momentaufnahmen aus Lúcia de Figueiredos Gartenwelten verzaubern seit Samstag das Foyer des E.T.A.-Hoffmann-Theaters.

Aus dem brasilianischen Blumenau gebürtig und unter anderem an der Frankfurter Städelschule ausgebildet, gestatten gut dreieinhalb Dutzend Ölgemälde Einsichten in die Gartenwelten Breitengüßbachs, wo Figueiredo seit 1982 zuhause ist.

Figueiredos Arbeiten sind licht und leicht, unbeschwert, sie feiern den Augenblick, sie halten das unmittelbare "Jetzt" fest. "Alles auf einmal", sagt die Künstlerin, "kann ich nicht sehen. Aber vielleicht nacheinander." Dicht gehängt sind ihre Bilder, im Zentrum drei lange Reihen, aus jeweils zehn Blättern zusammengesetzt. So entsteht eine Folge von Momenten, des Nacheinander. Und doch lohnt der genaue Blick auf das Einzelne.

"Manches schaue ich an, weil es mir gefällt. Manches, weil ich weiß, es wird schnell vergehen." Was Figueiredo festhält, lohnt den genauen Blick. Im Wechselspiel von Licht und Schatten fängt sie Wirklichkeit ein, ausschnitthaft portätiert sie ihre blühende Umgebung. Die "Gartenstücke" offenbaren florale Welten in üppigem Grün. Selten nur zeugt ein Hausdach oder ein (grüner) Tisch von einem Leben jenseits der Natur.

"Wann hört jetzt das Blatt auf, Blatt zu sein", fragt Figueiredo etwas kryptisch im Einführungstext zu einem kleinen, durchaus feinen Katalog, wann wird es "Grün und Gelb", mit einem "Schwung Weiß", um dann doch "wieder Blatt" zu werden, "Schwarz-Grün-Blau, grünes Dreieck, Blatt".

Die Begrüßung sprach die stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins, Dietlinde Schunk-Assenmacher, die bereits in den frühen Neunzigern Arbeiten von Lúcia de Figueiredo in ihrer Galerie "Kunst im Gang" zeigte. Sarah Wagner führte in das Werk der Künstlerin ein.

Die Ausstellung "Gartenstücke" läuft bis Ende Juni. Eine schöne Ergänzung, ein zusätzliches Schau-Spiel zu dem, was am Schillerplatz über die Bühne geht.