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Bamberg
Messungen

Ein Laser hat am Grünen Markt in Bamberg die Passanten im Blick

Seit dem Frühjahr erfasst ein fest installierter Laser, wie stark die Fußgängerzone in Bamberg frequentiert ist. Dahinter steckt aber nicht das Stadtmarketing, sondern ein Start-Up-Unternehmen aus Köln.
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Am Grünen Markt in Bamberg war an der langen Einkaufsnacht am 7. Dezember am meisten los. Foto: Micho Haller
Am Grünen Markt in Bamberg war an der langen Einkaufsnacht am 7. Dezember am meisten los. Foto: Micho Haller
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Es ist nur ein kleiner unscheinbarer Apparat an der Dachkante eines Hauses am Grünen Markt. Doch der nur knapp 25 Zentimeter lange und elf Zentimeter breite Kasten passt ganz genau auf, was unter ihm vor sich geht. Er wirft einen Laservorhang auf das Treiben in der Fußgängerzone vor der Martinskirche, der Laser erfasst so, wie viele Besucher in der Bamberger Innenstadt unterwegs sind - und das ist frei einsehbar im Internet.

So verrät die Seite des Kölner Start-Ups Hystreet.com, dass an der langen Einkaufsnacht am Samstag, 7. Dezember, am Grünen Markt am meisten los war: Der Tag ist der Spitzenreiter des Jahres mit 85.131 Personen. Zum Vergleich: An einem gewöhnlichen Samstag ist nicht mal die Hälfte los - so wurden etwa am 13. April 36.850 Personen gezählt.

Das Ganze lässt sich auch noch auf die Stunde runter brechen: So waren am Rekord-Samstag in der Spitzenstunde zwischen 16 und 17 Uhr 7890 Passanten gemessen, der Schnitt an den Samstagen liegt bei 3681. Um exakt zu sein, handelt es sich bei den Zahlen nicht um Personen, sondern um Passantenfrequenzen, denn geht jemand mehrmals über die Linie, wird er auch mehrfach erfasst.

Solche gemessenen Zahlen sind nicht nur reine Spielerei, sondern Beleg für die Attraktivität einer Stadt, was interessant sei für Händler oder Investoren, erklärt Julian C. Aengenvoort, einer von zwei Geschäftsführern bei Hystreet. "Wir machen das, um die Innenstadt zu verstehen: Was passiert da, wo geht es hin?" Die händische Zählung soll durch die kontinuierliche Lasermessung abgelöst werden. Laut dem Unternehmen ist der Laser zum einen "augensicher und unsichtbar", zum anderen datenschutzrechtlich unbedenklich, da keine personenbezogenen Daten erhoben würden.

In 52 Städten wird gemessen

Hystreet hat die Apparate inzwischen in 52 Städten in Deutschland, so auch in München, Köln oder Heidelberg installiert. Am meisten los ist demnach in München mit über 2,7 Millionen Passanten an nur einem Messpunkt im Monat November - am Grünen Markt in Bamberg waren es im selben Zeitraum knapp 680.000 Passanten.

Laut Aengenvoort geht es Hystreet darum, der Innenstadt gegenüber dem Online-Handel Daten zur Verfügung zu stellen. Und um zu widerlegen, dass Passantenfrequenzen zurückgehen. Solche Fakten sind natürlich auch bei Immobilienanlegern heiß begehrt. So hat selbst der Mutterkonzern des Start-Ups Interesse an den Zahlen. Die Hystreet.com GmbH gehört letztlich zur Aachener Grundvermögen. Die Investmentgesellschaft legt ihren Anlageschwerpunkt auf innerstädtische Einzelhandelsimmobilien in Deutschland, auch in Bamberg.

Im Handel zählt der Bon

Beim Stadtmarketing hat man von der Lasermessung bisher nichts mitbekommen. Geschäftsführer Klaus Stieringer sieht in den Frequenzmessungen zwar den Nutzen, dass man sehen kann, ob Marketingmaßnahmen ankommen. Doch macht er mit Blick auf Einzelhandelsaktionen wie die lange Einkaufsnacht deutlich: "Es geht letztlich immer um die Tütenträger: Entscheidend ist für Händler der Umsatz, nicht die Frequenz."

Im Handel zähle somit der Bon. Und da wisse man, dass die Passantenfrequenzen zum Teil deutlich zurückgehen. "Auf der anderen Seite nimmt der Bon zu." Weniger Leute kauften demnach mehr ein.

Die lange Einkaufsnacht funktioniere, so der Citymanager. Für Stieringers Geschmack könnten es ruhig noch mehr werden. Er plädiert deshalb für weniger Regularien bei Einkaufsaktionen, etwa auch für den Wegfall der Anlassgebundenheit bei verkaufsoffenen Sonntagen. Denn der einzige verbliebene verkaufsoffene Sonntag während des Blues- und Jazz-Festivals macht keinen glücklich: Zwar hat Hystreet überdurchschnittlich viele Passanten am Grünen Markt gezählt (über 35.000), doch betrat an diesem 11. August kaum ein Kunde einen Laden.

Abgesehen davon beteuert Hystreet-Geschäftsführer Aengenvoort: "Wir glauben an die Innenstadt." Für die Welterbestadt sieht er ohnehin nicht schwarz: "Bamberg wird weiter zu den Gewinnern zählen", so seine Prognose.