Die Flügeltüren zum Kapitelsaal öffnen sich und da ruht sie nun auf rotem Samt: die Heinrichskrone! Sofort beginnt ein Blitzlichtgewitter der weit angereisten Journalisten. Denn die Übergabe - auf den Tag genau 998 Jahre nach der Kaiserkrönung von Heinrich und Kunigunde in Rom durch Papst Benedikt VIII. - fällt in eine Zeit, in der die fränkische Volksseele zum Himmel schreit. Ob Dürers Selbstporträt oder die Kostbarkeit aus dem Domschatz: München hortet seit der Säkularisation 1802 bedeutende Schätze Frankens und verweigert die Leihgabe selbst zu großen Jubiläen.

In Bamberg hat man vorgesorgt: Die Oberfrankenstiftung gab bereits 2008 eine Nachbildung in Auftrag, um der großen Ausstellung zur 1000-Jahr-Feier des Doms buchstäblich die Krone aufzusetzen. Wichtige Vorarbeit leistete das Institut für Restaurierungswissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg mit der digitalen Vermessung der fragilen Preziose. Danach begann für Goldschmied Friedemann Haertl der spannende Wechsel zwischen Computer und Werkbank: Mehr als 1280 Einzelteile mussten nach historischer Vorlage aus galvanisch vergoldetem 925er Silber gefertigt und über 1400 Lötstellen zusammen gefügt werden. Das Rankwerk aus Hunderten stilisierter Eichenblätter wird von 54 Edelsteinen, sieben Perlen und zwei Gemmen geschmückt. Sechs Engel weisen auf die Verbindung des heiligen Kaisers zu Gott hin. Die neue Krone wiegt 1,8 Kilogramm.

Doch was ist das eigentlich für ein seltsamer Schatz, der mit einem Durchmesser von 23 Zentimetern niemals das Haupt eines Herrschers geziert haben kann? Und warum trägt die Krone den Namen Heinrichs, obwohl sie doch 250 Jahre nach seinem Tod entstand? Regierungspräsident Wolfgang Wenning kennt die Geschichte: "Man vermutet, dass die Heinrichskrone das Reliquiar bekrönte, in dem die Gebeine Heinrichs aufbewahrt wurden."


Heinrichs Krone wurde verpfändet


Die Bamberger waren früher mit ihren Schätzen nicht zimperlich umgegangen. "Die Krone, die Heinrich zu seinen Lebzeiten getragen hat, wurde offenbar 1246 verpfändet, um das Lösegeld für den Bischof aufzubringen." Dieser war, so Wenning, in den Wirren eines Streits zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Gegenkönig Heinrich Raspe von der kaiserlichen Partei gefangen genommen worden. Um ihn frei zu bekommen, verpfändeten die Bamberger Teile des Domschatzes, darunter offenbar auch Heinrichs Krone. Ihre Spur verliert sich. Jahrzehnte später - um 1270 - ließ das Domkapitel einen Ersatz anfertigen: jene Heinrichskrone, die heute in der Schatzkammer der Münchner Residenz aufbewahrt wird.

Nun also ist der Ersatz des Ersatzes in Bamberg zu bestaunen. Doch Erzbischof Ludwig Schick will die neue Krone nicht als Kopie oder Replik einstufen: "Sie ist ein eigenständiges Kunstwerk, das nach einem bereits vorhandenen gefertigt wurde. Die Kunstgeschichte kennt dazu viele Beispiele." Auch von einem Akt der "Geschichtsglättung" nimmt Schick Abstand. Für ihn ist die Heinrichskrone schlicht und ergreifend ein aktuelles Beispiel für die Würdigung und Verehrung, die der Heilige in Bamberg erfährt. Heinrich sei "trotz seiner Schwächen und Fehler" ein großer Gönner der Stadt gewesen und habe die Diözese gegen den Willen einiger Bischöfe und Fürsten gegründet. "Dadurch ist Bamberg mächtig, schön und edel geworden. Davon leben wir noch heute", so der Erzbischof.

Norbert Jung, Domkapitular und Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat, zeichnete das Bild Heinrichs als Herrscher seiner Zeit in dem Glauben, von Gott in seine Position gebracht worden zu sein. Ihm fühlte er sich daher auch in seinem Handeln verantwortlich. Insofern sei die Nachbildung der Krone ein Sinnbild der Verehrung für den Bistumsgründer.


Berechtigtes Interesse


Nichtsdestotrotz formulierte Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke das "berechtigte Interesse, dass der Domschatz dahin kommt, wohin er gehört." Und Regierungspräsident Wilhelm Wenning hoffte, dass die Heinrichskrone doch irgendwann im Original nach Bamberg zurückkehrt: "Dann geben wir die Kopie gerne nach München."




Krone wird ab heute ausgestellt


Die Oberfrankenstiftung überlässt der Erzdiözese die neue Heinrichskrone als Dauerleihgabe. Zunächst besteht die Möglichkeit, das Kunstwerk ab Mittwoch, 15. Februar, bis Freitag, 17. Februar, im Diözesanmuseum während der Öffnungszeiten (10 bis 17 Uhr) zu betrachten. Vom 4. Mai bis 31. Oktober gehört die Nachbildung zu den Attraktionen der Sonderausstellung "Dem Himmel entgegen" zum 1000. Domjubiläum. Danach ist die Heinrichskrone dauerhaft im Diözesanmuseum zu besichtigen.