Sonnenschein schiebt sich durch die Milchglasscheiben ins Erdgeschoss des Backsteinbaus an der Weißenburgstraße. Doch an die Vergangenheit als Kasernengebäude erinnert nur noch wenig. Denn nun, sechs Jahre nach Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte, hat dieses Haus eine neue Bestimmung bekommen. Im "Kosmos-Ost" haben hier gleich mehrere Initiativen ein neues Zuhause gefunden. So auch die "Offene Werkstatt Bamberg". Statt Militärmaterial stehen nun Werkbänke in der Halle mit ihrer vier Meter hohen Decke. Sägen, Hämmer und Bohrmaschinen warten an den Wänden geduldig auf den nächsten Einsatz.

"Wir wollen hier einen Raum für alle Menschen unabhängig von ihrem persönlichen Hintergrund schaffen, damit sie ihre handwerklichen Projekte verwirklichen können", erklärt Katharina Breinbauer. Sie ist seit Sommer 2020 Vereinsmitglied der Werkstatt. Gleichberechtigte Teilhabe und Mitgestalten sind dem Team wichtige Anliegen.

Die Idee kam im Frühjahr 2020, als sich die Möglichkeit für eine Zwischennutzung bot. Während sich der ehemalige Kasernenhof zunehmend durch Abrissarbeiten in eine Baustellenwüste verwandelte, entstand mit mittlerweile 25 Interessierten Raum für Neues in Bamberg Ost. Und so steht nun eine Drehbank für die Metallbearbeitung bereit. Und wer sich ans Holz wagen will, kann sich möglicherweise mit der Drechsel anfreunden. Die Gerätschaften sind dabei aber nicht nagelneu, sondern das Team hat gebrauchte Stücke gekauft oder selbst beigesteuert. Das soll zur Nachhaltigkeit beitragen. Aber natürlich darf die Sicherheit nicht zu kurz kommen: "Wir werden Maschinenkurse geben, damit alle interessierten Leute selbstständig und sicher die Geräte bedienen können", erläutert Patrick Welz das Konzept.

Der gelernte Schreiner arbeitet schon seit 20 Jahren mit Holz und half auch bei der Ausstattung der Räumlichkeiten: Mittels Lasercutter baute er Holzboxen, welche mit Lautsprechern versehen den richtigen Sound zur Arbeit liefern sollen. Neustes Projekt: ein Tresen aus alten Holzplatten für die Anmeldung und die Ausgabe der Werkzeuge, wenn es die Corona-Zahlen wieder zulassen. Hier ist Platz, um sich handwerklich auszutoben.

Das weiß auch Christoph Haak, welcher beruflich als Elektroingenieur unterwegs ist: "Das ist Gold, dass wir so viele Geräte am Start haben." Er freut sich schon darauf, dass es Schweißerkurse geben könnte. Zusammen mit Welz hat er auch die Elektrik wieder in Schuss gesetzt. Ein neuer Sicherungskasten zeugt davon. Für die Mitglieder des Kontakt-Teams ein Leichtes, denn in den vergangenen Jahren schmissen sie auf dem gleichen Gelände ein viertägiges Festival, für das zahlreiche Arbeiten anfielen.

Neue Impulse

Die drei Handwerkfans freuen sich auf jeden Fall auf neue Impulse: Wenn es der Platz hergibt, können auch noch mehr Gewerke, also andere Handwerkskünste, zum Zug kommen. Versierte Handwerker können ihr Können vorstellen und damit andere Menschen weiterbilden. Ein Töpferofen wartet auch noch in der Ecke. Und mit einer Näherin, welche ihr Atelier im ersten Stock hat, entstand bereits eine Kooperation. Stichwort Zusammenarbeit: Das Projekt, welches den Bamberger Osten bereichern soll, erhält Unterstützung von Backspace Bamberg - den Vereins-Bastlern mit dem Schwerpunkt IT im Spiegelgraben - durch neue Mitstreiter und Know-how. Und die Bicycle Liberation Front wird mit ihrer Selbsthilfefahrradwerkstatt in der Weißenburgstraße vorbeischauen.

Bevor der regelmäßige Betrieb mit Kursen anläuft, welche einen gewissen Teilnehmerbeitrag erfordern werden, hatte sich das Team was für zu Hause überlegt: Mit Päckchen von vorgefertigten Kanthölzern und Papierstreifen konnte man Wikingerschachfiguren und Tannenbaumkugeln basteln. Ein Adventszeitvertreib, welchen rund 100 Menschen schon entdeckt haben. Auch hier stand Nachhaltigkeit im Mittelpunkt: Das Holz stammte von der Landesschau in Coburg.

Bis die Sektkorken knallen und der Betrieb beginnt, kann man sich schon einbringen: Die offene Werkstatt finanziert sich unter anderem über eine Crowdfundingkampagne auf der Plattform Startnext. Damit bereits Leben in der Bude ist, bevor sich im Hintergrund der neue Stadtteil aus der Schale knabbert.