Auch im Moment des größten Schmerzes priesen Rabbinerin Antje Yael Deusel und Kantor Arieh Rudolph die Gerechtigkeit Gottes: "Es sei der Name des Ewigen gelobt..." lautete eine Gebetszeile. Tief bewegt verfolgte eine überaus große Trauerschar im und vor dem Taharahaus auf dem Jüdischen Friedhof die Zeremonie, mit der Heinrich Olmer zur letzten Ruhe geleitet wurde. Der langjährige Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg war am 29. August plötzlich und unerwartet verstorben.

"Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, gelobt sei der Herr": Die Worte der Rabbinerin trafen ins Mark. Die einfache Holzkiste mit der sterblichen Hülle des Verstorbenen war mit einem schwarzen Tuch bedeckt, flankiert von brennenden Kerzen. Ein gerahmtes Porträtfoto Olmers, davor ein Strauß roter Rosen seiner Lebenspartnerin und ein Blumengebinde des Türkisch-Islamischen Kulturvereins drückten Leben inmitten des Todes aus.

"Fassungslos stehen wir hier", bekannte Rabbinerin Deusel in ihrer Trauerrede. Heinrich Chaim Olmer sei ein "väterlicher Leiter seiner Gemeinde" gewesen, der "für sie ein Licht entzündet hat". Er habe an "jüdischer Zukunft gebaut auf verbranntem deutschen Boden" und hinterlasse eine Lücke, "die nicht mehr zu schließen ist".
Kantor Rudolph, der das Kaddisch (Totengebet) auf Hebräisch gesprochen hatte, nannte Olmer einen "außergewöhnlichen Menschen mit Ausstrahlungskraft und Wärme". Er sei ein "guter Kapitän" gewesen, der "sein Gemeindeschiff umsichtig und besonnen geführt" habe.

Für die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands würdigte Jonah Sievers, niedersächsischer Landesrabbiner, seinen auch persönlichen Freund Olmer als einen "mutigen Mann, der nicht laut, aber immer beharrlich" für die Zukunft des Judentums gekämpft habe. "Wir verneigen uns vor seiner Lebensleistung", sagte der sichtlich bewegte Rabbiner Sievers.

Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) sprach den Angehörigen Olmers auch im Namen von Bürgermeister Werner Hipelius (CSU), des Stadtrates und der gesamten Bürgerschaft sein tief empfundenes Beileid aus. "Der Tod Heiner Olmers ist ein schmerzlicher Verlust", erklärte der OB. Bamberg habe ihm viel zu verdanken.

Starke führte die große Integrationsleistung Olmers an, als viele neue Mitglieder der jüdischen Gemeinde aus Osteuropa und der früheren Sowjetunion nach Bamberg gekommen seien. Der Verstorbene sei ein "kluger Vordenker" gewesen, der schnell erkannt habe, dass zu einer inneren Heimat eine äußere Heimat gehört. Durch den Neubau der Synagoge in der alten Nähseidenfabrik, die er maßgeblich vorangetrieben habe, "hat Heiner Olmer der Israelitischen Kultusgemeinde diese Heimat geschaffen, räumlich gesehen und im religiösen Sinne". Unvergessen bleibe sein Engagement für Bamberg im interreligiösen und interkulturellen Bereich, besonders im "Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus". Der respektvolle und von gegenseitiger Achtung getragene Umgang zwischen den Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Stadt sei maßgeblich auf das erfolgreiche Wirken von Olmer zurückzuführen.

Für die Kirchen und Religionsgemeinschaften übernahm es der katholische Pfarrer Matthias Wünsche, erzbischöflicher Beauftragte für den interreligiösen Dialog, an Heinrich Olmers Initiativen für ein gelingendes Miteinander zu erinnern. Auch Oberfrankens Regierungsvizepräsidentin Petra Platzgummer-Martin gemahnte an Olmer als "angesehenen Mittler zwischen Juden, Christen und Muslimen, ohne seinen eigenen Standpunkt zu veraten".

Engste Familienangehörige Heinrich Olmers blätterten seine Vita auf und ließen ihn mit vorgetragenen Zitaten noch einmal selbst zu Wort kommen.

Fast endlos schien die Reihe der Trauergäste zu sein, die nacheinander an das offene Grab traten und sich verbeugten. Eine Ehrerweisung für einen Mann, dem Bamberg zu tiefstem Dank verpflichtet ist, und der in bester Erinnerung bleibt. "Heiner wird in unseren Herzen seinen Platz behalten", versicherte Kantor Arieh Rudolph.