Nach langem Warten erfüllte sich der Wunsch der Freiwilligen Feuerwehr Kemmern nach einem Zweitfahrzeug, als Ergänzung zum LF 16. Das vorige (LF 8) hatte stets neben der Mannschaftsbeförderung auch dem Transport wichtiger Materialien für den Einsatz gedient. Durch den jahrzehntelangen Gebrauch (seit 1975) war es aber sehr schadensanfällig geworden und aufgrund ständig wachsender Reparaturkosten nicht mehr wirtschaftlich zu unterhalten. Jetzt hat die Kemmerner Wehr ein StLF (Staffellöschfahrzeug) 10/6, das erste dieser Art im Landkreis Bamberg.

Kommandant Bernhard Gries wies bei der Einweihungsfeier stolz auf die Besonderheiten des neuen Fahrzeugs hin, die von den Kemmernern in Zusammenarbeit mit den Lieferfirmen entwickelt wurden. Auf einem Fahrgestell MAN TGL ist der 6,35 Meter lange, 2,35 Meter breite und drei Meter hohe, leichte Rosenbauer CL-Aufbau montiert. Durch die vorhandenen drei so genannten Wechselschlitten, die entsprechend der Einsatzart ausgetauscht werden können, wird das zulässige Gesamtgewicht von 7,49 Tonnen nicht überschritten. Ob Erste Hilfe, Wasserbekämpfung oder Brand - schnell kann der entsprechende Wechselschlitten mit dem nötigen Gerät auf Gleitschienen eingeschoben werden. Auf Transportgestellen, die sich die Aktiven der Wehr selbst gebaut haben, befindet sich das oft recht schwere Einsatzmaterial, in den Schlitten liegend, in der richtigen Höhe. So kann es ohne große Kraftanstrengung eingeschoben werden und kein Anheben ist erforderlich.

Das neue Fahrzeug kann wegen des Gesamtgewichts unter 7,5 Tonnen mit dem alten Führerschein der Klasse 3 oder mit der Sondergenehmigung zur neuen Klasse C gefahren werden. In der Personalkabine sind an zwei Plätzen Atemschutzanzüge so bereitgehängt, dass sie schon während der Anfahrt angelegt werden und die Rettungsmaßnahmen nach Eintreffen am Unfallort sofort beginnen können. Mit der außerdem vorhandenen Ausrüstung können zwei weitere Atemschutzgeräteträger versorgt werden, und es stehen acht PA-Reserveflaschen zur Verfügung. Ein pneumatischer Lichtmast mit Fernsteuerung und der erforderliche Stromerzeuger sind eingebaut. Eine Motorkettensäge, ein Notfallrucksack mit medizinischem Sauerstoff, ein Wasserrettungsanzug mit 100 Meter Schwimmleine und eine Wärmebildkamera sind ebenfalls neben vielen anderen nötigen Geräten einsatzbereit im Wagen.

In einer ökumenischen Feierstunde fanden die Einweihung und die Inbetriebnahme des neuen Fahrzeuges statt. Pfarrer Valentin Tempel aus Kemmern und die Pfarrerin Susanne Wittmann-Schlechtweg aus Hallstadt segneten das Fahrzeug.

"Mehr Verantwortung"


Bürgermeister Rüdiger Gerst berichtete über den langen Weg vom Antrag der Feuerwehr auf ein neues Zweitfahrzeug bis zum Tage der Einweihung. Viele bürokratische Hindernisse habe man überwinden müssen, bis die Genehmigung zur Bestellung eintraf und die finanzielle Seite der Angelegenheit geklärt war. Gerst nannte als Beschaffungskosten (ohne die schon vorher erworbene Tragkraftspritze PFPN 10) insgesamt 210 935 Euro. Von der Regierung von Oberfranken wurde ein Zuschuss von 37 000 Euro bewilligt. Gerst übergab dem Ersten Kommandanten der FFW Kemmern, Bernhard Gries, symbolisch die Schlüssel.

Grußworte sprachen MdL Heinrich Rudrof (CSU), Landrat-Stellvertreter Georg Bogensperger und Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann, der den Feuerwehrkameraden zu bedenken gab, dass ein noch leistungsfähigeres Fahrzeug auch bedeute, neue Verantwortung zu übernehmen - in einem Bereich, in dem es eine besonders starke Konzentration von Industrie und allerlei Verkehrswegen gebe.

Der Erste Vorsitzende des Feuerwehrvereins, Max Eichhorn, übergab den Aktiven den vom Verein beschafften Wasserrettungsanzug mit Zubehör im Wert von 1500 Euro. Zweiter Vorsitzender Volker Pflaum wurde für 25-jährigen aktiven ehrenamtlichen Einsatz ausgezeichnet.